Saarbrücken Boxen: Rola El-Halabi will am Samstag WM-Titel verteidigen

Rola El-Halabi wills wieder wissen: Nur einen Monat nach dem Gewinn des WM-Titels im Halbweltergewicht steigt die Ulmerin wieder in den Ring. Foto: Lars Schwerdtfeger
Rola El-Halabi wills wieder wissen: Nur einen Monat nach dem Gewinn des WM-Titels im Halbweltergewicht steigt die Ulmerin wieder in den Ring. Foto: Lars Schwerdtfeger
Saarbrücken / MANUELA HARANT 07.09.2013
Nur einen Monat nach der Eroberung des WBF-Titels im Halbweltergewicht boxt Rola El-Halabi am Samstag schon wieder. Denn bis zur Rückkehr ins begehrtere Leichtgewicht muss sie an der Weltspitze bleiben.

Von der Jägerin zurück zur Gejagten: Rola El-Halabi tritt am Samstag um 20.30 Uhr (Live-Stream auf boxen-heute.tv) im Rahmen der "Night of the Champions" in der Saarbrücker Saarlandhalle zur Verteidigung ihres WM-Titels (WBF) im Halbweltergewicht an: Das geforderte Limit, 63,5 Kilogramm, brachte die Profiboxerin am Freitag mit 63,3 kg wie immer fast punktgenau auf die Waage. Ihre Gegnerin Sopio Putkaradze hatte mit 62,4 noch Luft nach oben.

Viel mehr weiß sie nicht über die Georgierin, die sechs Siege und zwei Unentschieden als Kampfbilanz aufweist. Einzig die Videoanalyse blieb der Ulmerin als Vorbereitung auf das Duell am Rande der WBF-Vollversammlung in Saarbrücken. Denn für Putkaradze ist es der erste Kampf im Ausland. "Deswegen kann ich auch nicht genau sagen, mit welcher Taktik sie auftreten wird", sagt El-Halabi, die erst vor einem Monat in Laubach bei Ochsenhausen ihren ersten WM-Titel im Halbweltergewicht erobert hatte. "Eigentlich ist sie eine Konterboxerin und wartet wie ich auf die Fehler der Gegnerin. Aber vielleicht will sie jetzt zeigen, dass sie auch anders boxen kann." Auf jeden Fall geht die 28-Jährige davon aus, dass die Georgierin ihre Stärken nicht im technischen, sondern im kämpferischen Bereich hat. "Es wird ein harter Kampf, aber ich sollte überlegen sein", meinte El-Halabi am Freitag ruhig und selbstbewusst.

Sie hat in den vergangenen Monaten gelernt, mit dem Rummel vor dem Kampf umzugehen. "Es gibt immer noch sehr viele Anfragen zu meiner Person, aber inzwischen mache ich nicht mehr alles mit, sondern blocke auch mal etwas ab." Die Ulmerin hat aus ihrem Box-Comeback im Januar in der Ratiopharm-Arena gelernt, bei dem sie ihre drei WM-Titel im Leichtgewicht verlor: "Damals habe ich noch kurz vor dem Kampf Interviews gegeben. Das war vielleicht doch etwas zu viel." Deshalb genießt sie am Samstagabend auch, dass sie nicht den Hauptkampf des Abends, sondern bereits das dritte von insgesamt sechs Duellen bestreiten wird. "Das hat viele Vorteile: Ich muss nicht so lange warten und die Spannung bis kurz vor Mitternacht hochhalten. Und ich stehe nicht ganz so sehr im Mittelpunkt, sondern kann mich einfach auf den Sport konzentrieren", sagt die Deutsch-Libanesin, die im April 2011 nach einem Attentat durch ihren Vater wieder ganz von vorne anfangen musste.

Der Druck für Rola El-Halabi ist nach dem eroberten Titel im Halbweltergewicht, das ein bisschen schwächer als das Leichtgewicht eingeschätzt wird, aber nicht weniger geworden. Im Gegenteil: "Ich habe jetzt viel mehr zu verlieren. Denn wenn ich als Herausfordererin verliere, kann ich danach gleich den nächsten Kampf bestreiten", erklärt die Profiboxerin. "Wenn ich aber die Titelverteidigung nicht schaffe, rutsche ich in der Weltrangliste viel weiter nach unten und brauche mehrere Ausscheidungskämpfe, um wieder oben angreifen zu können." Trotzdem entschied sich Rola El-Halabi, die Herausforderung in Saarbrücken nur rund einen Monat nach dem Wiedergewinn eines WM-Gürtels anzunehmen: "Als ich die Anfrage erhielt, ob ich im Rahmen der WBF-Convention boxen will, habe ich sofort zugesagt. Denn bis ich wieder im Leichtgewicht antreten kann, will ich alles mitnehmen, was kommt." Das Leichtgewicht ist im Frauenboxen mit 200 Profi-Athletinnen die Königsdisziplin, während es im Halbweltergewicht eine Konkurrenz von weltweit "nur" rund 150 Boxerinnen gibt, erklärt Rola El-Halabi.

Ihr Fernziel lautet deshalb, die Revanche gegen ihre bisher einzige Besiegerin Lucia Morelli zu schaffen. "Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg", sagt El-Halabi. Morelli muss erst noch gegen eine andere Herausforderin im Leichtgewicht boxen, ehe über ein erneutes Duell mit der 28-Jährigen verhandelt werden kann. Solange kämpft Rola El-Halabi eben gegen Putkaradze und Co. - und muss immer gewinnen, um den Anschluss an die Weltspitze nicht zu verlieren.