Kurioses Ende einer langen, an diskussionswürdigen Entscheidungen reichen Karriere: Durch den Handtuchwurf seines Freundes und Mitveranstalters Erol Ceylan verlor der 49-jährige Firat Arslan den IBO-Weltmeisterschaftskampf im Cruisergewicht gegen Titelverteidiger Kevin Lerena in der sechsten Runde. 5000 Zuschauer in der Göppinger Arena starrten ungläubig auf die Szene, der Herausforderer aus Donzdorf fragte erstaunt den Ringrichter, doch es blieb dabei: Das vom starken Südafrikaner dominierte Duell war durch technischen K.o. entschieden.

Nach der Aufgabe haderte der im Gesicht deutlich gezeichnete Arslan mit der Art und Weise seines vermeintlichen Karriereendes. Ceylan war eigentlich nicht befugt, in das Geschehen einzugreifen, überraschte aber selbst Arslans Ringecke mit seinem Griff zum Handtuch – der Deutschtürke sah sich in diesem Moment völlig konsterniert um seinen Traum gebracht, ältester Champion aller Zeiten zu werden.

Firat Arslan versteht Handtuch-Wurf nicht

„Es ist traurig, dass der Kampf ein solches Ende genommen hat“, zeigte sich Firat Arslan nach dem aus seiner Sicht zu frühen Ende des WM-Fights mächtig enttäuscht, „ich habe harte Treffer kassiert, keine Frage, aber ich war klar im Kopf, nicht am Boden, nicht wehrlos.“ Deshalb habe er auch sofort den polnischen Ringrichter gefragt, wer das Handtuch geworfen habe. „Es waren noch sechs Runden zu boxen und ich habe mir die Fortsetzung des Kampfes zugetraut“, so der 49-Jährige nach seiner neunten Niederlage im 59. Profikampf. Referee Leszek Jankowiak hielt laut Erol Ceylan kurz Rücksprache mit der Ecke, aus der Ceylan nach eigenen Worten bestätigte: „Ja, das Handtuch kommt von uns.“

Während im Ring die Diskussionen um die Entscheidung begannen, wartete das Publikum in der mucksmäuschenstillen Halle immer noch auf eine Erklärung der Vorgänge, um dann langsam den vorzeitigen Abbruch zu verarbeiten und den Heimweg anzutreten. Arslans langjähriger Weggefährte und ehemaliger Schwergewichts-Europameister Luan Krasniqi sprach mit Blick auf die Gesundheit aus, was viele dachten: „Sportlich kam das Handtuch zu früh, menschlich war die Entscheidung richtig.“

Champion Kevin Lerena kann um große Gürtel kämpfen

Der Südafrikaner Kevin Lerena, der mit einer unglaublichen Wucht und boxerischen Variabilität den Kampf dominiert hatte, spürte mit frisch um die Hüften gelegten WM-Gürtel den heftigen Frust beim von ihm verehrten Arslan und erklärte fast entschuldigend: „Ich habe den Kampf nicht gestoppt, aber ich habe Firat hart getroffen.“ Für den 27-Jährigen, dem in seinem 26. Profikampf  die sechste Titelverteidigung gelang, stehen nun alle Türen im Cruisergewicht offen, schon in Kürze soll es laut seinem Manager einen Kampf um den Titel des Verbandes WBA geben. „Ich bin ein unbekanntes Kind aus Südafrika, keiner rechnet mit mir, aber ich werde weiter auf mich aufmerksam machen“, verkündete der bärenstarke Champion mit dem großen Erfolgshunger.

Firat Arslan lässt seine Zukunft offen

Arslan bat dagegen um Bedenkzeit. „Es ist gut möglich, dass dies mein Karriereende ist, aber ich werde mir ein paar Tage Zeit nehmen und den Kampf anschauen“, wollte der Routinier diesen Schritt nicht im Moment größter Traurigkeit endgültig verkünden.

Weltmeister Lerena kassiert großes Lob


Champion Ohne einen Kratzer absolvierte IBO-Champion Kevin Lerena seine Titelverteidigung gegen Firat Arslan. Der 27-jährige Südafrikaner aus Johannesburg verfügt über großartige Anlagen, die Fachwelt traut dem Cruisergewichtler (bis 90,7 Kilogramm) schon bald den Gewinn weiterer Titel in den anderen großen Fachverbänden zu.