Eishockey ist ein rauer Sport. Wer Menschen anschaut, die ihn professionell betreiben, sieht Leute mit Lücken im Lächeln und Narben im Gesicht. Folgen von Pucktreffern und Stockschlägen. Genauer gesagt sieht man meist Männer, die solcherart gezeichnet sind. Denn erstens sind Frauen, die sich auf Kufen und mit Schläger aufs Eis wagen, weltweit die absolute Minderheit. Und zweitens gibt es im Frauen-Eishockey Sonderregeln, die das Verletzungsrisiko entschärfen sollen. Bodychecks gegen die Bande, bei den Männern an der Tagesordnung, sind verboten und werden strikt mit Zeitstrafen geahndet. Außerdem sind für Frauen Gesichts- und Halsschutz, die in Männerteams meist nur die Torhüter tragen, verbindlich für alle vorgeschrieben.

"Die Männer sind doch selbst schuld, wenn sie ohne Gesichtsschutz spielen", findet Beate Kirchner. Die 34-Jährige ist Spielerin und seit einigen Monaten erste Vorsitzende des EHC Ulm/Neu-Ulm, einem Verein der seit einigen Jahren versucht, wieder eine funktionierende Frauen-Eishockeymannschaft in der Region aufzubauen.

Derzeit sieht es ganz gut aus. Etwa 16 Mädchen und Frauen kommen mehr oder weniger regelmäßig ins Training, die Mannschaft wächst. Kürzlich hatten die Frauen wieder mal ein Spiel unter Wettkampfbedingungen. Das erste seit Jahren. Ein Freundschaftsspiel zwar nur - und es setzte auch eine 0:20-Niederlage gegen die Landesliga-Truppe aus Königsbrunn, aber das Ergebnis war aus Kirchners Sicht eher zweitrangig. "Wir müssen schon ziemlich weit unten wieder anfangen."

Damit meint Kirchner, dass die Mannschaft sehr unterschiedlich besetzt ist. Nicht nur, dass die jüngste Spielerin erst 13 Jahre alt ist und die älteste 47. Es spielen auch einige Anfängerinnen mit. "Wir haben ein paar dabei, die erst noch richtig Eislaufen lernen müssen", sagt Kirchner. Nachwuchs ist aber immer willkommen, ein größerer Kader soll aufgebaut werden. "Es ist schwierig, in Ulm Mädels zu finden. Die wissen oft nicht, dass es eine Damenmannschaft gibt", sagt Anja Kaping, Routinier des Teams. Sie war früher in Memmingen im Einsatz, das dortige Frauenteam spielt in der ersten Bundesliga.

Heute organisiert Kaping die Ulmer Abwehr, gibt auf dem Feld die Kommandos und gehört auch mit zum Trainerteam. Das besteht außer ihr aus zwei Männern: Cheftrainer Sebastian Stach und Assistent Daribor Plsek gehören zu den gut 30 männlichen Mitgliedern des EHC. Montags trainieren bisher auch noch Frauen und Männer des Vereins zusammen, um genügend Leute aufs Eis zu bringen und ordentlich durchwechseln zu können. Mittwochs trainieren die Frauen unter sich. An beiden Tagen in der Eishalle am Neu-Ulmer Wonnemar. Hier können sie auch im Sommer eislaufen.

Cheftrainer Stach (32), der lange Jugendtrainer war, entwirft für jedes Training unterschiedliche Übungspläne, um alle Spielerinnen auf ihrem jeweiligen Niveau zu fördern und das Team möglichst schnell auf einen gemeinsamen Stand zu bringen. "Wir wollen in zwei Jahren wieder im Ligabetrieb spielen", hat er als Ziel ausgegeben.

Bis dahin liegt aber noch viel Arbeit vor der Mannschaft. Vor allem will der EHC noch mehr Frauen und Mädchen zum Mitspielen motivieren. "Frauen-Eishockey ist hier in der Region ein Nischensport", sagt Stach. Zu Unrecht, wie er findet. "Eishockey ist ein vielseitiger und vor allem sehr schneller Sport. Der einzige Unterschied zu den Männern ist, dass es keine Checks gibt - und das finden die meisten Mädels auch gut so."