Biathlon Biathlon: Dahlmeier und Co. versagen die Nerven

Erst im Laufen schwach, nun beim Schießen: Bei Laura Dahlmeier läuft’s einfach nicht.
Erst im Laufen schwach, nun beim Schießen: Bei Laura Dahlmeier läuft’s einfach nicht. © Foto: dpa
Manuela Harant 12.01.2018
Die deutschen Damen liefern beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding ihr schlechtestes Einzelrennen seit langem ab. Das beunruhigt vor allem im Hinblick auf Olympia.

Laura Dahlmeier verschwand ungewöhnlich lange in der Umkleidekabine, ehe sie mit einem gequältem Lächeln zurückkam und sarkastisch sagte: „Super, ich bin so zufrieden, das war so ein tolles Rennen. Und das tolle Schießergebnis: grandios!“ Natürlich war es alles andere als grandios, was die 24-Jährige da im Einzelrennen von Ruhpolding abgeliefert hatte: Platz 48 bedeutete das schlechteste Ergebnis ihrer bislang so glanzvollen Karriere. Und ihren Teamkolleginnen ging es vor der berauschenden Heimkulisse ähnlich: Franziska Hildebrand (17.), Vanessa Hinz (31.) und Franziska Preuß (32.) ließen jeweils drei Scheiben stehen, und die Doppelsiegerin vom Weltcup-­Auftakt, Denise Herrmann, schoss gleich fünfmal daneben. Am besten war noch Maren Hammerschmidt mit zwei Fehlern und Rang 15.

Die Ratlosigkeit war aber vor allem bei Fünffach-Weltmeisterin Laura Dahlmeier groß. „Ich hab mich läuferisch gut gefühlt, ich bin super im Rennen gelegen. Dann kam der erste Fehler, der zweite gleich hintendrauf, und ich wusste gar nicht, woran es liegt“, erläuterte Dahlmeier das dritte Schießen, als sie in Führung liegend dreimal nicht traf. Das „schlüssige Schussbild“, so die fünffache Weltmeisterin, deute auf eine falsche Position im Liegen hin. „Danach habe ich das Rennen abgehakt.“

Die „Biathlon-Königin“ befindet sich in einem Teufelskreis: Krankheitsbedingt waren zunächst die Laufleistungen das große Manko, jetzt funktioniert es plötzlich am Schießstand nicht mehr. Weder Dahlmeier selbst noch Bundestrainer Gerald Hönig konnten sich spontan daran erinnern, wann die sonst so zuverlässige Schützin überhaupt mal einen „Dreier“ hatte: „Ich bin sowieso immer der, der noch lange grübelt, wenn sowas passiert, wie heute“, sagte Hönig, der versuchte, das Positive in den Vordergrund zu stellen: „Mit drei, vier Athletinnen hätten wir heute vorne mithalten können.“

Hätte, wäre, könnte. Diese Wörter konnten jedoch auch nicht verschleiern, dass es im Hinblick auf Olympia bedenklich ist, wenn die deutschen Schützinnen kurz vor Pyeongchang Nerven zeigen. „Winterspiele sind mental genauso anspruchsvoll wie ein Heimweltcup, und da müssen wir sicherlich noch einiges tun“, gestand Hönig, der nach eigener Aussage schon beim Einschießen eine gewisse Nervosität seiner Athletinnen gespürt hatte.

Generalprobe für Pyeongchang

Zumindest einen Tag zur Analyse haben Dahlmeier und Co. jetzt: Denn in Ruhpolding, wo voraussichtlich der Rekord von insgesamt 91 000 Zuschauern aus dem Jahr 2009 gebrochen wird, sind am Freitag (14.30 Uhr/ZDF und Eurosport) die Männer im Einsatz. Für das letzte Staffelrennen vor den Winterspielen nominierte Bundestrainer Mark Kirchner das etablierte Quartett Erik Lesser, Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Simon Schempp. Und auch die Konkurrenz läuft in bester Aufstellung. So ist etwa bei den Franzosen Topmann Martin Fourcade wieder dabei. Nach der Rückkehr des Uhingers Schempp und mit Lesser muss zumindest ein Podestplatz das Ziel sein.

Auch die Damen müssen sehen, dass sie ihr Nervenflattern bis zur Staffel am Samstag in den Griff bekommen. Nicht umsonst gilt Ruhpolding als Generalprobe für die Winterspiele. Und ein Fehlschuss-Spektakel wie das gestrige würde die Diskussion um die Form des Olympia-Teams befeuern. Bezeichnend, dass Hönig gestern bemerkte: „Ich würde jetzt noch nicht von einer Krise sprechen.“ Dabei hatte das Unwort noch niemand in den Mund genommen...

Roman Rees, der Coole aus dem Schwarzwald

Lässig-locker beantwortete Roman Rees einen Tag nach dem großen Coup  die vielen Fragen zu seinem vierten Platz im Einzelrennen: „Es war für mich keine Pflicht, Olympia zu schaffen, aber es gab keinen besseren Zeitpunkt, als sich kurz vor den Spielen in Topform zu zeigen“, sagte der Schwarzwälder. Nun freue er sich riesig auf den Massenstart am Sonntag: „Das war im Fernsehen immer mein Lieblingsrennen.“ Und jetzt darf er selbst dort mitmischen. mha