Biathlon Biathlon-Superstars am Schießstand und vor der Kamera

Gern gesehener Gast: Laura Dahlemeier kommt erneut zur Team Challenge auf Schalke.
Gern gesehener Gast: Laura Dahlemeier kommt erneut zur Team Challenge auf Schalke. © Foto: dpa
Gelsenkirchen / Manuela Harant 28.12.2017
Mit Laura Dahlmeier im Aufgebot und Magdalena Neuner als TV-Expertin ist die World Team Challenge gut besetzt.

Was die Darts-WM kann, das können wir schon lange. So oder ähnlich müssen wohl die Gedankengänge der Verantwortlichen Wintersportart Nummer eins im deutschen Fernsehen, Biathlon, gewesen sein, als sie die Team Challenge auf Schalke vor 15 Jahren ins Leben gerufen haben. Biathlon, das selbst die hartgesottene Anti-Sport-Fraktion vor die TV-Geräte gelockt hat, sollte nun auch weitab der Berge in einem eigens dafür umgebauten Fußballstadion die Massen begeistern. Und was damals vor allem als Vor-Ort-Spektakel volle Ränge in der Veltins-Arena bescherte, holt inzwischen auch Millionen vor die Bildschirme – obwohl die „World Team Challenge“, wie der gemischte Paarkampf auf Ski und mit Gewehr heißt, sportlich keine besondere Bedeutung besitzt.

So kämpft das Favoriten-Duo Laura Dahlmeier/Benedikt Doll am Donnerstag ab 18 Uhr zwar nicht um Weltcup-Punkte, dafür aber um einen ordentlichen Anteil des rund 160.000 Euro hohen Preisgeldes. Aber nicht nur deshalb ist die Sportveranstaltung mit Showcharakter bei den Stars der Szene so beliebt. Sie hat einen ganz eigenen Vorbereitungscharakter auf das, was die Biathleten sechs Wochen später bei Olympia in Pyeongchang erwartet. „Die Atmosphäre auf Schalke ist einzigartig. Da genügt ein kleiner Funke, dann brodelt der Hexenkessel“, sagte Dahlmeier, die im Gegensatz zum Schwarzwälder Doll schon in Gelsenkirchen dabei war.

Trainer überzeugt

Aber auch den Verantwortlichen beim Deutschen Ski-Verband passt Schalke ganz gut ins Konzept. „Eine bessere Trainingseinheit unter Wettkampfbedingungen gibt‘s nicht“, sagte Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig: „Wer in dem Hexenkessel erfolgreich ist, wird mit breiter Brust zum Weltcup nach Oberhof anreisen.“ Dass allerdings Doll und Dahlmeier sowie Erik Lesser und Franziska Hildebrand auf Schalke starten, dafür andere deutsche Stars wie Simon Schempp oder Arnd Peiffer passen, liegt vor allem daran, dass die Bundestrainer es den Sportlern selbst überlassen, ob sie sich den Wettkampf zwischen den Feiertagen antun wollen. „Wer die Stimmung aufsaugen und sich davon tragen lassen kann, wie beispielsweise Erik Lesser, für den ist das Motivation pur“, erklärt Männer-Coach Mark Kirchner. „Anderen hingegen, wie beispielsweise Arnd Peiffer, tut die Ruhe und die besondere Stimmung um die Weihnachtstage für die Regeneration gut.“

Angesichts der geschickten Platzierung in der Fußball-freien Zeit haben die Veranstaltung schließlich auch die Öffentlich-Rechtlichen für sich entdeckt – und treten ebenfalls in Topbesetzung an. Nach ihrer Premiere als TV-Expertin beim Weltcup in Hochfilzen schlüpft Magdalena Neuner auf Schalke erneut in diese Rolle. „Damit kann ich Gott sei Dank mein Geld verdienen und habe auch noch Spaß dabei“, sagt die frühere Biathlon-Königin. Dabei hat die 30-Jährige durch sportlichen Erfolge und lukrative Werbeverträge bereits ausgesorgt und als zweifache Mutter andere Prioritäten: „Die Liebe der Familie und der Kinder, hallen länger als der sportliche Erfolg“, sagt  Neuner. Und doch gibt sie sich auf Schalke die Ehre. Die Veranstalter scheinen einiges richtig zu machen.

Mehr Schießen, weniger Laufen

Die Athleten gehen in Zweier-Teams an den Start, die aus je einem Mann und einer Frau bestehen. Diese wechseln sich nach einer gelaufenen Runde und dem danach folgenden Schießen immer ab. Von den übrigen Biathlon-Veranstaltungen unterscheidet sich die World Team Challenge vor allem durch die kurze Streckenlänge von lediglich 1,2 Kilometern und den dadurch häufiger stattfindenden Schießeinlagen. Die Strafrunde, die für jeden Fehlschuss gelaufen werden muss, ist mit knapp 100 Meter kürzer als bei sonstigen Rennen.

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