Leichtathletik-EM Bärenstarker Mädelsabend

Auch wenn ihr Silber noch vor der Nase weggeschnappt wurde, war Marie-Laurence Jungfleisch vom VfB Stuttgart happy: Hochsprung-Bronze ist ihre erste internationale Medaille.
Auch wenn ihr Silber noch vor der Nase weggeschnappt wurde, war Marie-Laurence Jungfleisch vom VfB Stuttgart happy: Hochsprung-Bronze ist ihre erste internationale Medaille. © Foto: Andrej Isakovic/afp
Berlin / Wolfgang Scheerer 11.08.2018

Sie ist eine echte Vielfliegerin. Nun ist die sechsmalige deutsche Hochsprung- Meisterin auch bei einem internationalen Titelkampf endlich erfolgreich gelandet: Marie-Laurence Jungfleisch, am Start für den VfB Stuttgart, hat gestern Abend ihre erste große Medaille geholt: EM-Bronze in Berlin.

Es war eines der Glanzstücke an einem bärenstarken Mädelsabend mit Speerwurf-Gold von Christin Hussong, Dreisprung-Silber durch Kristin Gierisch und Carolin Schäfers Siebenkampf-Bronze (siehe Extra-Geschichte). Besonders spannend war’s im Fall Jungfleisch. Sie nahm inklusive den 1,96 Metern alle fünf Höhen im ersten Anlauf. Bei 1,98 war Schluss, danach hieß es zittern. Weltmeisterin Maria Lasitskene,  Russin im so genannten „Neutralen Team“, gewann mit 2,00 Metern. Doch dann überraschte Mirela Demirewa aus Bulgarien nach einem Poker mit ausgelassenen Höhen erstmals mit einem Zwei-Meter-Flug und gewann Silber. Marie-Laurence Jungfleisch war dennoch glücklich, dass der Medaillenbann gebrochen ist: „Für mich ist das ein Traum!“ Nicht nur die Form stimmte (und das mit etwas weniger Körpergewicht), sie hat inzwischen auch absolut den Durchblick. Erst seit sie die Augen hat lasern lassen, kann sie ohne Kontaktlinsen in den Wettkampf gehen. Siehe Berlin.

Mitten hinein in die abschließenden 800 Meter der Siebenkämpferinnen feuerte Christin Hussong ihren ersten Versuch mit dem Speer in den Himmel überm Olympiastadion und warf so weit wie bisher keine andere zuvor bei Europameisterschaften: 67,90 Meter. Nahtlos schloss sie an die Qualifikation an, als sie ebenfalls gleich zu Beginn mit 67,29 persönliche Bestweite schaffte. Rund acht Meter lag die 24-Jährige vom LAZ Zweibrücken vor der Konkurrenz und verteidigte die Führung souverän. Nur einen Tag nach dem Doppelsieg von Thomas Röhler (LC Jena) und Andreas Hofmann (MTG Mannheim) gab’s die dritte deutsche EM-Medaille im Speerwurf: erneut Gold!

Dreispringerin Gierisch Zweite

Ebenfalls mit einem Kracher legte Kristin Gierisch (Chemnitz) im Dreisprung los: 14,45 Meter, Bestweite um drei Zentimeter gesteigert. Die 27-Jährige setzte die Konkurrenz gewaltig unter Druck. Nur eine sprang weiter: Die Griechin Paraskevi Papachristou (14,60) schnappte sich den Sieg.

Gregor Traber (LAV Tübingen) hatte sich im Endlauf über 110 Meter Hürden auch mehr erhofft als Platz fünf in 13,46 Sekunden. Dass er mehr kann, war klar. Der 26 Jahre alte deutsche Meister war als einer der saisonbesten zwöf Europäer direkt fürs Halbfinale gesetzt, während Erik Balnuweit (Wattenscheid) und Alexander John (Leipzig) sich in den Vorläufen qualifiziert hatten. Für sie blieb der Endlauf außer Reichweite, Traber trumpfte dagegen gleich mit 13,26 auf, kam bis auf fünf Hundertstel an seine Bestzeit aus dem Jahr 2016 heran.

Doch im Finale lief’s nach gutem Start technisch nicht so rund wie bei den Favoriten: Der Franzose Pascal Martinot-Lagarde gewann nach Fotoentscheid zeitgleich in 13,17 mit Ex-Weltmeister Sergej Schubenkow (Team Neutrale Athleten).

Finale ohne den Titelverteidiger

Der Europameister von 2016 in Amsterdam, Max Heß, ist bereits in der Dreisprung-Qualifikation ausgeschieden. Der 22-Jährige aus Chemnitz verpasste das Finale um neun Zentimeter. Nach seinem ersten Versuch (16,32 Meter) glückte kein gültiger Versuch mehr. Vor zwei Jahren hatte er mit 17,20 Metern sensationell den EM-Titel gewonnen. Diese Saison zählte er nach Rückschlägen nicht zu den Favoriten. Bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg vor knapp drei Wochen brach Heß seinen Wettkampf mit muskulären Problemen vorzeitig ab und wurde Sechster.

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