Skispringen Auftakt der Vierschanzentournee nach Hin und Her auf Montag verschoben

Die Helfer versuchten alles, um das Auftaktspringen zu retten. Am Ende war es eine Kombination aus starkem Schneefall und Wind, die zur Absage führten.
Die Helfer versuchten alles, um das Auftaktspringen zu retten. Am Ende war es eine Kombination aus starkem Schneefall und Wind, die zur Absage führten. © Foto: Getty
Oberstdorf / MANUELA HARANT 29.12.2014
Man kann nicht sagen, sie hätten nicht alles versucht. Trotzdem mussten die Organisatoren der Vierschanzentournee das Auftaktspringen von Oberstdorf auf Montagnachmittag verschieben.

Als Marinus Kraus wild mit den Armen rudernd die Große Schattenbergschanze hinunter trudelte, stockte den Zuschauern der Atem. In höchster Not rettete der 23 Jahre DSV-Adler seinen Flug und landete mit einer wahren Meisterleistung nach 101 Metern im "Tiefschnee" von Oberstdorf. Er war ein Opfer des verzweifelten Versuchs, den Auftakt der 63. Vierschanzentournee trotz starken Schneefalls und heftiger Windböen von bis zu 50 Stundenkilometern irgendwie über die Bühne zu bringen.

Und er scheiterte grandios. Um 19.15 Uhr - fast drei Stunden nach dem geplanten Start - musste das Auftaktspringen von Oberstdorf erstmals in seiner Geschichte abgesagt werden. Wenig später wurde der Wettbewerb auf den heutigen Montag (17.30 Uhr/ARD) verschoben. Glück für Marinus Kraus, der sonst in der Tourneewertung schon abgeschlagen wäre und nun eine neue Chance bekommt.

Neben den schwierigen Wetterbedingungen waren es aber vor allem die ständigen Verschiebungen, welche die Athleten an ihre Grenzen brachten. "Ich musste mit Startnummer 4 über eine Stunde warten, die Jury verschob den Start im Viertelstundentakt. Das ist der Horror für uns", kritisierte Kraus die Salami-Taktik der Jury um Fis-Renndirektor Walter Hofer. Kraus wusste selbst, wie knapp er an einem Sturz vorbeigeschrammt war: "Ich hatte Glück, dass ich nicht auf die Nase gefallen bin", sagte der Oberbayer.

Immer wieder hatten die Verantwortlichen nur ein paar Athleten die Schattenbergschanze hinunter geschickt, bevor wieder minutenlange Unterbrechungen folgten - bis zur endgültigen Absage nach nur elf Springern. "Es ist die alte Geschichte: Wenn Wind und Schnee zusammenkommen, ist es schwierig. Für uns geht es darum, alle Fakten und Daten zu beachten. Es geht darum, uns nach den Bedürfnissen des Athleten zu richten. Und das tun wir", sagte Hofer. Entsprechend erleichtert war Bundestrainer Werner Schuster, als der endgültige Abbruch und die Neuansetzung folgten. "Es war nicht ungefährlich und hat keinen Sinn mehr gemacht. Für den Sport war es die richtige Entscheidung", sagte Schuster.

Die Verschiebung auf Montagnachmittag war unter anderem deshalb möglich, weil der Tournee-Auftakt einen Tag früher als sonst terminiert war. Nun springen die Top 50 der Qualifikation, darunter neun deutsche Starter, praktisch wie bisher am 29. Dezember in Oberstdorf, ehe es am 31. Dezember in Garmisch-Partenkirchen mit der Qualifikation fürs Neujahrsspringen weitergeht. Neben dem ganzen Skisprung-Tross um Severin Freund, Richard-Freitag und Co., der nun einen Tag länger als geplant im Allgäu ausharren muss, bedeutet dies vor allem für den Mitveranstalter, den Skiclub Oberstdorf, einen Kraftakt. Viele der freiwilligen Helfer wollten am Montag eigentlich wieder ihrem Beruf nachgehen.

Dabei hatte die erste Tournee-Station von Beginn an mit dem Wetter zu kämpfen: Bis Weihnachten war überhaupt kein Schnee gefallen. Ab Freitagabend schneite es dann so heftig und ohne Unterlass, dass es fast wieder zu viel war. Schließlich kam auch noch der Wind hinzu. Die Oberstdorfer sind gebrannte Kinder: Vor drei Jahren hatte die Jury den ersten Durchgang nach 35 Sprüngen neu gestartet, was zu hitzigen Diskussionen führte.

Seither stehen auch die Forderungen nach einem Windnetz im Raum - in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck gibt es einen solchen Schutz bereits. Fis-Renndirektor Walter Hofer hatte erst im Sommer auch für Oberstdorf ein Netz gefordert. Sollte es am Montagabend wieder nicht mit einem kompletten Durchgang klappen, werden diese Stimmen wieder lauter.

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