Monza Auf Vettel-Jagd

Monza / SWP 06.09.2013
Es ist angerichtet Im Königlichen Park vor den Toren Mailands: Mit dem Großen Preis verabschiedet sich die Formel 1 von Europa, die restlichen sieben Rennen finden in Asien und in Übersee statt.

Wer die Staus der A8 gewohnt ist, dem macht auch der Stop-and-go-Verkehr um Mailand nichts mehr aus. Endlich gehts dank Passierschein in den wunderschönen Königlichen Park, in dessen Herz traditionsgemäß das Fahrerlager von Monza eingepflanzt ist. Der Blick schweift vorbei an uralten dicht bewachsenen Bäumen, ehe er auf das vorausfahrende schneeweiße Fahrzeug fällt. Ein selten ausgefallenes Heck. Bei Tempo 30, die erlaubt sind, gelingt es, so dicht aufzufahren, um das Typenschild auch lesen zu können. Es ist ein Infiniti mit dem Zusatz: "Ich fahre einen RB9". Darunter die Signatur Sebastian Vettels. An der nächsten Schikane könnte man doch überholen, um zu sehen, ob der Heppenheimer auch drin sitzt. Doch der Vorausfahrer hat den Braten wohl gerochen. Dann gehts durch einen Tunnel hindurch bis zum Einlasstor ins Fahrerlager. Der semmelblonde Vettel steigt aus mit seinem bekannten Lausbubenlächeln und checkt am elektronischen Eingang handgestoppte fünf Sekunden früher ein - um 10.33 Uhr. In der Formel 1, wo es um Tausendstel Sekunden geht, kommt ein solcher Abstand einer Niederlage gleich. Da hätte man einmal den Dreifach-Champion überholen können, nichts wars.

Vettel will immer Erster sein, das hat er schon mehrfach betont. Selbst im Supermarkt an der Kasse ist es ihm wichtig, stets genau an der Schlange zu stehen, die am schnellsten abgefertigt wird.

Die Bezeichnung an seinem Infiniti, der Nobelmarke von Nissan-Renault, entpuppt sich als guter Werbegag. Der "RB9" ist nichts anderes als sein Dienstfahrzeug in der Formel 1, das er am Sonntag beim Italien-Grand-Prix zum sechsten Saisonsieg steuern will. Offiziell handelt es sich um einen FX 50, der nach Vettels Wünschen neu aufgelegt wurde. "Mehr Höchstgeschwindigkeit und stabileres Fahrverhalten", hatte sich der Markenbotschafter für das SUV-Modell gewünscht - und erhalten. 420 PS stehen ihm zur Verfügung, kein Wunder, wenn der Weltmeister nicht zu überholen ist.

Wie viele Vettel-Fahrzeuge es gibt? "Keine Ahnung. So viele wie bestellt werden", entgegnet der Champion und fügt lächelnd an: "Tun Sie sich keinen Zwang an. "

Zahlreiche Formel-1-Piloten werden mit Neuerscheinungen vor den Werbe-Karren gespannt. Und so macht sich auf dem Fahrer-Parkplatz neben dem amerikanischen Luxusmobil Fisker Karma auch ein Nissan GT-R bereit. Oder etwa ein zweitüriger Bentley in einer eigenartigen Tarnfarbe - auf dem für Kimi Räikkönen reservierten Platz. "Der gehört dem Balotelli", glaubt ein Parkplatzwächter zu wissen. Der italienische Fußball-Star, welcher der deutschen Mannschaft nicht nur wegen seines breiten Kreuzes so ungut in Erinnerung blieb, sollte Ferrari einen Besuch abstatten. Dort erzählte Fernando Alonso, dass er nebenher auf zwei Räder setzt. Der Spanier hat mehrere Millionen locker gemacht, um den Radrennstall Euskaltel zu retten, für den es aber noch keinen neuen Namen gibt. "Im Winter habe ich Zeit, mich darum zu kümmern", sagte er, "fürs Jahr 2015 wollen wir etwas ganz Großes aufbauen", so Alonso, der mit 46 Punkten Rückstand schärfster Vettel-Jäger ist.

Für Monza kündigte der Asturier an, "Seb" anzugreifen: "Ich will auf jeden Fall vor ihm ins Ziel kommen." Vettel überholen? Nicht unmöglich, aber sehr, sehr schwierig.