Leichtathletik-EM Arthur Abele krönt den glanzvollen Abend

Im Diskusring übernahm Zehnkämpfer Arthur Abele vom SSV Ulm 1846 die gestern Führung in der Gesamtwertung, machte es durch einen weniger gelungenen Stabhochsprung-Wettbewerb dann aber doch noch einmal spannend.
Im Diskusring übernahm Zehnkämpfer Arthur Abele vom SSV Ulm 1846 die gestern Führung in der Gesamtwertung, machte es durch einen weniger gelungenen Stabhochsprung-Wettbewerb dann aber doch noch einmal spannend. © Foto: Michael Kappeler/dpa
Berlin / Wolfgang Scheerer 09.08.2018

Partytime im Olympiastadion. Die deutschen EM- Leichtathleten haben gestern in Berlin gleich drei weitere Medaillen gewonnen und für mächtig Begeisterung gesorgt. Nach Kugelstoß-Silber von Titelverteidigerin Christina Schwanitz (LV 90 Erzgebirge) mit 19,19 Metern und Weitsprung-Silber in einem kuriosen Wettkampf durch Fabian Heinle (VfB Stuttgart) mit 8,13 Metern krönte Zehnkämpfer Arthur Abele vom SSV Ulm 1846 einen glanzvollen Abend.

Außerdem stark: Abeles junge Vereinskollegin Alina Reh, die beim EM-Debüt im 10 000-Meter-Rennen starke Vierte wurde, in 32:28,48 Sekunden allerdings die erhoffte 31er-Zeit verpasste. Gold holte Lonah Chemtai Salpeter (31:43,29). Die gebürtige Kenianerin ist die erste Europameisterin in der Geschichte des Landes Israel, für das sie startet.

Der vom Publikum besonders gefeierte Lokalmadator Robert Harting, 33, war auf der vorletzten Station seiner Abschiedstournee zwischenzeitlich auf Bronzekurs, musste dann aber mit 64,33 Metern und Rang sechs zufrieden sein. Christina Schwanitz vergoss sogar Tränen, weil sie sich das greifbare Gold im letzten Versuch von der Polin Paulina Guba (19,33) noch wegschnappen ließ: „Das ist schon ärgerlich, wenn man weiß, dass man einen halben Meter mehr drauf hat.“ Ärgerlich auch, dass es immer wieder Probleme mit der Weitenmessung gab, unter anderem Heinle war betroffen. Nach dem Wettbewerb gab es mehrere offizielle Proteste.

Extrem spannend machte es Arthur Abele gestern, sprintete gleich zum Auftakt des zweiten Tages auf seiner Paradestrecke, den 110 Meter Hürden, bis auf 18 Punkte an den lange führenden Briten Tim Duckworth heran. Mit 45,42 Metern, Saisonbestweite im Diskuswurf, ging der 32-jährige dann in Führung, setzte sich mit 75 Zählern Vorsprung an die Spitze – beflügelt vom frenetischen Zuschauerjubel und zudem lautstark unterstützt von knapp 100 Fans aus seinem Vereins SSV Ulm 1846 und seinem Heimatort Hüttlingen auf der Schwäbischen Alb.

Dann leistete er sich in der achten Disziplin, dem Stabhochsprung, einen kleinen Einbruch: Abele schaffte nur 4,60 Meter und scheiterte, ausgepumpt in der Hitze, bei 4,80. Mit 6832 Punkten fiel er wieder hinter Duckworth (6930) und den unter neutraler Flagge startenden Russe Ilja Schkurenjow (6860) zurück, musste als starker Speerwerfer und 1500-Meter-Läufer also ans Limit gehen. Und tatsächlich: Nach Saisonbestleistung im Speerwurf (68,10 Meter) ging er mit 102 Punkten Vorsprung auf Duckworth auf den Bahn und ließ sich in 4:30,84 Minuten Gold nicht mehr nehmen. Und übermannt von Gefühlen ließ er sich dann von Maskottchen Berlin eine Pappkrone aufsetzen: „King of 2018“. Der Sportsoldat machte mit 8431 Punkten den größten Erfolg seiner langen, immer wieder durch Verletzungen unterbrochenen Karriere perfekt – vor Schkurenjow (8321) und dem Weißrussen Witali Schuk (8290). Der junge Mainzer Niklas Kaul (8220) wurde glänzender Vierter. Duckworth lief weit hinterher und verpasste eine Medaille.

Kurzfristig nachnominiert

Schon am ersten Wettkampftag hatte Abele den Grundstein gelegt, lag zur Halbzeit (4285) nur 95 Zähler hinter Duckworth. Der Ulmer Klubkollege Mathias Brugger hatte ebenso Pech wie Frankreichs Weltmeister Kevin Mayer: Sie leisteten sich im Weitsprung jeweils drei Fehlversuche. Abele dagegen trumpfte wie später auch im Hochsprung (1,93 Meter) mit Saisonbestweite (7,42) auf. Während der ursprüngliche Favorit Mayer den Wettkampf gleich aufgab, blieb der 26-jährige Brugger bis zum Hürdensprint gestern weiter dabei – und machte beispielsweise über 400 Meter Tempo für Abele. „Das hat Riesenspaß gemacht mit den Jungs“, sagte der Olympiateilnehmer von 2008 und 2016 und strahlte dankbar. U-20-Weltrekordler Kaul war ganz kurzfristig für den  verletzten Weltmeisterschafts-Dritten Kai Kazmirek nachnominiert worden.

Speerwurf-Trio geschlossen ins Finale

Der deutsche Meister Andreas Hofmann hat seine EM-Pflicht souverän gemeistert und das Speerwurf-Finale heute (20.20 Uhr/ZDF) erreicht. Der Mannheimer, mit 92,06 Metern Zweitbester der Welt in diesem Jahr, kam gleich mit seinem ersten Wurf auf 82,36 und überbot damit die geforderte Weite von 82,00. „Ich bin in guter Verfassung. Das will ich auch im Finale zeigen“. sagte der 26-Jährige kämpferisch.

Olympiasieger Thomas Röhler dagegen hat es spannend gemacht und sich auf den letzten Drücker fürs Finale qualifiziert. Der 26-Jährige aus Jena schaffte 85,47 erst im letzten Versuch. Weltmeister Johannes Vetter, 25, von der  LG Offenburg zeigte die beste Weite des Trios (87,39 Meter). Nun kämpfen die drei deutschen Asse, die auch in der Weltbestenliste ganz oben stehen, um die Medaillen. Die bislang letzte EM-Plakette, Silber, hatte Matthias de Zordo vor acht Jahren in Barcelona gewonnen.

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