Eilat Allein mit sich und dem Wind

Petr Vabrousek kämpfte beim Israman auf 180 Kilometern mit dem Rad gegen den Wind an. Beim Laufen hatte der Tscheche die meisten Reserven. Foto: Ulrike Schleicher
Petr Vabrousek kämpfte beim Israman auf 180 Kilometern mit dem Rad gegen den Wind an. Beim Laufen hatte der Tscheche die meisten Reserven. Foto: Ulrike Schleicher
Eilat / ULRIKE SCHLEICHER 22.01.2014
Er gilt als harte Nuss der Langzeit-Triathlons - der Israman in Eilat. Nicht wegen des Streckenprofils, sondern vor allem wegen Wind und Wetter. 200 Athleten haben sich jetzt der Herausforderung gestellt.

Mal ist es ungewöhnlich warm für Januar, mal ungewöhnlich kalt. Manchmal fegen Regen, Hagel- und Sandstürme über Straßen und Landschaft hinweg: Kaum ein anderer Triathlon hat in seiner bisherigen Geschichte derart viele unterschiedliche Wetterbedingungen erlebt wie der Israman, der 1999 zum ersten Mal in Eilat am Roten Meer ausgetragen worden ist und Platz neun unter den zehn härtesten Langdistanzen der Welt belegt. Und so gehört die Natur im Dreieck Israel, Ägypten und Jordanien zu den größten Herausforderungen auf den 226 Kilometern.

Bei dieser zehnten Auflage war der Wettergott jedoch vergleichsweise gnädig: Die Sonne schien, und der Wind war erträglich. 1200 Amateure und Profis aus 26 Ländern waren dieses Jahr registriert, darunter auch der Tscheche Petr Vabrousek - einer, der in der Szene bekannt dafür ist, so gut wie keinen Wettkampf auszulassen. In seiner 15-jährigen Karriere absolvierte er bislang insgesamt 138 Ironman und als Sieger des Israman im vergangenen Jahr ging der 41-Jährige natürlich als Favorit in den Wettkampf. Diese Herausforderung begann morgens um 6.15 Uhr am Strand von Eilat. Um jene Zeit stand der Vollmond noch am Himmel und das Morgenrot über den Bergen in Jordanien, welches einen Katzensprung entfernt ist, warf nur blasses Licht auf die im Wasser wartenden Athleten. Schwimmen gehört hier zum vergnüglicheren Teil: Das Wasser ist angenehm warm, es hat kaum Wellen und der hohe Salzgehalt trägt zu einem schönen Floating bei.

Vabrousek trat gegen 200 Konkurrenten an. 700 Teilnehmer hatten sich für den halben Israman entschieden und der Rest startete in einer Staffel, in der drei Teilnehmer jeweils eine Disziplin absolvierten. Deutsche suchte man dieses Jahr fast vergeblich. Nicht nur große Namen wie der des zehnfachen Siegers des Inferno-Triathlons, Marc Pschebizin, der den Israman 2011 in 9:43:03 Stunden gewonnen hatte - Deutsche fehlten überhaupt. Alexandros Tamtelen aus Frankfurt, Sebastian Kleinloff aus Rostock und Alina Welfonder aus Frankfurt waren gemeldet. An den Start gegangen ist nur Kleinloff. Er beendete den halben Israman in etwas mehr als sechs Stunden. "Tamtelen musste aus familiären Gründen wieder abreisen und Alina Welfonder erkrankte", teilte die für die Deutschen zuständige Dora Heller mit. Die letztjährige Gewinnerin des Wettkampfes bei den Frauen (12:41:42) ist gebürtige Berlinerin. Trotzdem vertrat sie zusammen mit Monika Haim Deutschland sozusagen nur inoffiziell, denn beide Frauen leben schon seit Jahren in Israel.

Monika Haim, die in Leutkirch geboren ist, trat in einer Staffel aus drei Frauen bestehend beim Radfahren an. "Es sind beim halben Israman 91 Kilometer insgesamt und die ersten sind definitiv die schwersten", sagt sie. Auf 15 Kilometern lässt man rund 800 Höhenmeter hinter sich. Es geht vorbei an faszinierend geformt und gefärbten Hügeln hinauf Richtung Sinai zur ägyptischen Grenze. Danach sind zwischen flachen Abschnitten noch drei Anhöhen zu erklimmen. Was einen oben erwartet, ist nie so ganz klar. "Der Wind dreht hier ständig", sagt sie. Nicht nur das: Böen bis zu 60 Stundenkilometer sind möglich. Unerfahrene Athleten trocknen aus, weil sie zu wenig trinken. Und die Einsamkeit macht ebenfalls vielen zu schaffen. Hier sieht man nur den blauen Himmel, die Berge und den Grenzzaun. "Man ist allein mit sich", sagt die 47-Jährige, "und das erfordert mentale Stärke und viel Selbstmotivation." Aber auch das Laufen hat es in sich, weil man 15 Kilometer zunächst nur bergab läuft. Das geht in die Oberschenkel. Danach dreht man Runden durch Eilat. Petr Vabrousek gewann in 9:55:30 Stunden. Der Wettkampf entschied sich auf den letzten sechs Kilometern: Erst dann konnte er seinen Konkurrenten, den Israeli Tom Marmarelli, abhängen: "Es war schwer, aber die Begeisterung der Zuschauer hier hat mich ins Ziel getragen", lobte der Tscheche. Bei den Frauen gewann Nina Pekerman (Israel) in 11:17:42 Stunden.

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