Leichtathletik Alina Reh holt bei U-20-EM zweimal Gold

Anstrengend und schön: Es war ein Kraftakt – auch gegen den starken Wind über die 3000 Meter. Alina Reh belohnte sich mit doppeltem EM-Gold.
Anstrengend und schön: Es war ein Kraftakt – auch gegen den starken Wind über die 3000 Meter. Alina Reh belohnte sich mit doppeltem EM-Gold. © Foto: Iris Hensel
Laichingen / chu 20.07.2015
Es gibt europaweit keine Langstreckenläuferin, die Alina Reh derzeit das Wasser reichen kann. Für ihre Siege über 3000 und 5000 m bei der U-20-EM in Schweden brauchte sie nicht einmal Bestzeiten zu laufen.

Alina Reh ist die Langstreckenkönigin der U-20-Europameisterschaften im schwedischen Eskilstuna. Nach einem souveränen Sieg über 3000 m am Samstag, ließ sie am gestrigen Sonntag auch noch den Sieg über 5000 m folgen. Wie überlegen die 18-Jährige aus Laichingen der Konkurrenz war, zeigt bereits, dass sie als eine der wenigen in den Finals keine Bestzeit laufen musste, um sich die Goldmedaillen um den Hals hängen zu lassen.

Über die 3000-m-Strecke musste Reh nicht einmal an ihre Grenzen gehen, um einen sicheren Sieg vor der Spanierin Célia Antón und der Dänin Anna Möller zu landen. Einen Kilometer lang hielt sie sich zurück, um nicht schon frühzeitig Kräfte im starken Wind zu verbrauchen, der bei den Sprints zahlreiche Bestleistungen und Rekorde verhinderte, weil er Spitzenwerte von fast vier Meter pro Sekunde erreichte. Nach 3:09 Minuten für die ersten 1000 Meter war es dann Zeit „auf die Tube zu drücken. Denn in dem Bereich können viele laufen“, bekannte Reh hinterher.

Die stramme Tempoverschärfung zerlegte das Feld schnell in seine Bestandteile. Zwei Runden vor Schluss hing nur noch Antón an Rehs Fersen, doch dann musste auch sie dem Tempo Tribut zollen. So wurden die letzten eineinhalb Runden zu einem Triumphzug, bei dem sich der Vorsprung Alina Rehs noch auf vier Sekunden vergrößerte. Mit 9:12,29 Minuten war sie am Ende 15 Sekunden schneller als die letzte deutsche Europameisterin Laura Suffa im Jahre 1997, dem Geburtsjahr Alinas. Dabei hatte das Talent des TSV Erbach nicht alle Reserven aufgebraucht, schließlich ging es danach in die Vorbereitung auf das 5000-m-Rennen fast geschäftsmäßig zum „Auslaufen, Essen und ab zum Physiotherapeuten“. Nach einer unruhigen Nacht, in der es galt, die vielen Eindrücke vom Rennen und den vielen Interviews in der Mixed Zone zu verarbeiten, kam Reh schon aufgeregt ins Stadion, denn als erstes stand für sie die Siegerehrung mit ihrer „ersten Nationalhymne“ an. Gänsehaut-Feeling pur. Im Rennen selbst war von der Nervosität nichts mehr zu spüren.

Das Rennen wirkte wie eine Doublette des 3000ers. Einen eher gemächlichen ersten Kilometer lang führte Rehs deutsche Teamkameradin Franziska Reng. Dann übernahm Reh wieder die Initiative, beschleunigte die Kilometerschnitte auf 3:12 Minuten und sprengte damit das Feld. War es zunächst noch eine Fünfergruppe, so konnte schon ab der Hälfte des Rennens nur noch die Dänin Anna Möller folgen, die im Gegensatz zum Vortag aber bis kurz vor Beginn der Schlussrunde dranblieb. Einem kurzen Antritt Rehs konnte sie dann aber nichts mehr entgegnen und so vergrößerte sich der Abstand zwischen Möller und Reh schnell auf zwanzig Meter.

Mit viereinhalb Sekunden Vorsprung setzte sich Reh letztlich ungefährdet in 16:02,01 Minuten durch und wurde ihrer Ausnahmestellung in Europa mehr als gerecht. Als einzige unter den ersten fünf Konkurrentinnen musste sie noch nicht mal Bestleistung laufen für ihren zweiten Sieg. Diese steht nach wie vor bei 15:55,82 Minuten, und es bedarf wohl schon des Drucks der deutschen Top-Frauen oder der afrikanischen Jugendläuferinnen, um Reh in diesem Tempo anlaufen zu lassen. Das sind keine guten Aussichten für alle anderen Jugendlangstrecklerinnen Europas. Denn ein weiteres Jahr in der Jugendklasse bleibt der erfolgreichen Laichingerin noch.

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