Philadelphia "The German Gretzky": Leon Draisaitl startet NHL-Karriere

Eishockey-Talent Leon Draisaitl im Trikot der Edmonton Oilers.
Eishockey-Talent Leon Draisaitl im Trikot der Edmonton Oilers. © Foto: afp
DPA 30.06.2014
An dritter Stelle, so früh wie noch kein Deutscher vor ihm, wurde Eishockey-Talent Leon Draisaitl beim NHL-Draft ausgewählt. Bei den Edmonton Oilers spielt der 18-Jährige für den früheren Klub seines Vorbilds.

Die hohen Erwartungen an das Eishockey-Wunderkind Leon Draisaitl wurden beim NHL-Draft in Philadelphia weit übertroffen. Seinen Wunsch, als Dirk Nowitzki des deutschen Eishockeys für einen Hype in seiner Heimat zu sorgen, kann "The German Gretzky" beim Ex-Club des großen Wayne Gretzky verwirklichen: den Edmonton Oilers. Die schnappten sich das größte Talent, das das deutsche Eishockey jemals hervorbrachte, bereits an dritter Stelle des diesjährigen Drafts - die verheißungsvolle Karriere des erst 18 Jahre alten Nationalstürmers kann endgültig beginnen.

"Das ist das beste Gefühl, das ich jemals hatte", gestand Draisaitl, der bereits NHL-Geschichte schrieb. Noch nie waren die Klubs der weltbesten Liga so scharf auf einen jungen Deutschen. Draisaitl schaffte das, was keinem Kühnhackl, Schloder, Hiemer, Truntschka, Hegen, Krupp oder Ehrhoff gelang: Der Sohn des früheren deutschen Nationalstürmers Peter Draisaitl wurde so früh ausgewählt wie noch nie ein Deutscher zuvor.

Beim Talentmarkt, bei dem sich die NHL-Clubs die Dienste an den weltweit verheißungsvollsten Nachwuchsspielern sichern, war der einstige Nationaltorhüter Olaf Kölzig bislang der begehrteste Deutsche, als er 1989 von Washington als 19. gezogen wurde. Nationalstürmer Marcel Goc wurde 2001 von San Jose als 20. ausgewählt. Draisaitl übertraf die beiden um Längen.

Entsprechend groß war der Stolz des Ausnahmetalents: "Ich bin einfach sprachlos." Vor allem wohl auch wegen der Symbolik des Abends. Zwei überragende Jahre in der kanadischen Juniorenliga WHL bei den Prince Albert Raiders mit 163 Scorerpunkten aus 128 Spielen brachten dem Kölner in Anlehnung an den größten Star der Eishockey-Geschichte den Spitznamen "The German Gretzky" ein. Nun wählte ausgerechnet das Team Draisaitl aus, bei dem Gretzky mit vier Stanley-Cup-Siegen in den 1980er Jahren einst zum besten Spieler der Welt wurde. "Das gleiche Trikot zu tragen, ist eine große Ehre", sagte Draisaitl, der seinem Vater Peter sofort um den Hals fiel, als Oilers-Generalmanager Craig MacTavish seinen Namen nannte.

Morgen fliegt Draisaitl nach Edmonton, um sich in einem Trainingscamp zu beweisen. Dass der 18-Jährige am 9. Oktober gegen Calgary auch sein NHL-Debüt feiert, ist nämlich noch nicht klar. Die Chancen dafür stehen aber gut. "Wir wissen, wie schwer es ist, große Center zu bekommen oder zu verpflichten. Leon passt da sehr gut in unser Konzept", sagte MacTavish.

Anders als Aaron Ekblad (Florida Panthers) und Sam Reinhart (Buffalo Sabres), die beim Draft noch vor Draisaitl ausgewählt wurden, hat der Deutsche bereits Erfahrung bei den Senioren. Bei der WM im Mai in Minsk spielte Draisaitl bereits für Deutschland und überzeugte die Fachwelt. In Weißrussland verkündete Draisaitl auch sein großes Ziel, Basketball-Star Nowitzki in Nordamerika nachzueifern. "Ich möchte ein Typ werden, der jüngere dazu bringt, Eishockey zu spielen. Ich bin stolz, Deutscher zu sein, und will das Land stolz machen", sagte der Hoffnungsträger schon vor dem Draft.

Dass er das Zeug dazu hat, steht für seinen Vater Peter außer Frage. "Möglich ist es, er ist der Typ Mensch, der damit umgehen wird", sagte der 48-Jährige "bild.de": "Das ist ein weiter Weg. Aber der Anfang ist gemacht. Er hat es selber in der Hand."