Swimrun "Swimrun": Erst Schnapsidee, dann Trendsport

Die Swimrunner Barbara Seidel und ihr Mann Andreas Weiser trainieren am Pfuhler See. Der neue Ausdauersport ist vor zehn Jahren in Schweden entstanden – nach einer Kneipenwette.
Die Swimrunner Barbara Seidel und ihr Mann Andreas Weiser trainieren am Pfuhler See. Der neue Ausdauersport ist vor zehn Jahren in Schweden entstanden – nach einer Kneipenwette. © Foto: Rudi Apprich
Ulm / VIKTOR TASCHNER 18.09.2015
Schwimmen, Radfahren, Laufen: Die drei Disziplinen eines Triathlons sind den Sportfans bekannt. Eine neue Ausdauersportart aus Skandinavien lässt den Drahtesel weg, dafür geht es häufiger ins kühle Nass.

Ein youtube-Video entfachte ihre Leidenschaft für diesen verrückten, neuen Sport. Barbara Seidel (46) sieht im sozialen Netzwerk, wie mutige Schweden sich in die kalte Ostsee stürzen und danach mit nasser Kleidung auf hölzernen Pfaden mehrere Kilometer weit laufen, um von Insel zu Insel zu gelangen. „Swimrun“ nennt sich dieser skandinavische Wettbewerb, der vor knapp zehn Jahren in der fast unberührten Natur des Schärenlands entstanden ist. Seidel und ihr Mann Andreas Weiser (45) gehören zu einer Ulmer Fünfer-Gruppe, die sich nun auch dem Swimrun verschrieben hat. Weltweit gebe es 1000 Swimrunner, die meisten Schweden. „In Deutschland sind es rund 60“, erzählt Barbara Seidel.

Aber was war der Auslöser für diesen ungewöhnlichen Sport? Eine Abmachung unter vier Schweden in einer Bar im Schärenland. Welches Zweierteam erreicht schwimmend und laufend schneller eine 70 Kilometer weit entfernte Insel? Die Verlierer zahlen den Siegern die Hotelkosten im Zielort – sportliches „Wetten, dass . . .“ im hohen Norden.

Wer denkt, Swimrun ist wie Triathlon nur ohne Radfahren, der irrt. „Die Schwierigkeit besteht darin, dass es oft zwischen Schwimmen und Laufen hin- und herwechselt“, erzählt Barbara Seidel. Die Teilnehmer laufen in Neoprenanzügen, da nach einer Laufstrecke bald der nächste Wasserabschnitt folgt. Nach dem Schwimmen sind die Schuhe patschnass, die man als Swimrunner im Wasser anlässt. „Das unterschätzen viele erfahrene Triathleten, die Swimrun ausprobieren“, weiß Andreas Weiser.

Das Paar bildet auch im Swimrun ein Team. Die promovierte Ärztin und der Buchhändler arbeiten montags und dienstags in ihren angestammten Berufen, von Mittwoch bis Samstag betreiben sie ein Geschäft in der Ulmer Zeughausgasse. Sie bieten Ausrüstung für Ausdauer- und Extremsportarten an, auch fürs Swimrun. „Es gibt schon spezielle Neoprenanzüge. Sie haben vorne und hinten einen Reißverschluss und im Inneren kleine Taschen für die Ausrüstung“, klärt Seidel auf. Oft gibt der Veranstalter vor, welches Equipment die Teilnehmer mitnehmen müssen. Neoprenanzüge, Badekappen, Karten und Kompass sind fast immer Pflicht. Die Teams dürfen auch Schwimmpaddles oder Schwimmflossen verwenden, aber sie müssen dieses zusätzliche Gewicht wegen des stetigen Wechsels zwischen Land und Wasser kilometerweit über Stock und Stein mitschleppen. „Manche starten mit Unterhemd, damit sie beim Schwimmen nicht so frieren. Andererseits wird es ihnen beim Laufen warm“, verdeutlicht Weiser.

Aber warum dürfen keine Einzelstarter bei einem Swimrun dabei sein? Aus Sicherheitsgründen. „Damit keiner bei einem Schwächeanfall alleine zurückbleibt. Höchstens zehn Meter darf der Abstand zwischen den Partnern betragen“, sagt Seidel. „Beim letzten Wettkampf in den Schweizer Alpen betrug die Distanz 53 Kilometer, sechs mussten wir schwimmen. Die Bergseen hatten vielleicht 12 bis 14 Grad. Das Schwimmen im kalten Wasser entzieht dem Körper viel Energie. Nur 55 Prozent der Teams sind ins Ziel gekommen“, berichtet sie.

Zum Trainieren eigne sich die Region um Ulm perfekt, meint Seidel. Viele Seen an Iller und Donau bieten genügend Möglichkeiten, speziell den Wechsel zwischen Laufen und Schwimmen zu üben. Den ersten Swimrun in Deutschland soll es im Oktober 2016 im Allgäu geben.

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