WM „Staatenlose“ Russen als Mogelpackung zur Leichtathletik-WM

London / sid/dpa 02.08.2017

Keine Hymne, keine Flagge – kein Problem: Kurz vor den Weltmeisterschaften ist die Sperre gegen Russlands Leichtathletik-Verband bestätigt worden. Die Titelkämpfe in London werden wohl dennoch zum großen Comeback der Doping-Nation – auch wenn dies (noch) undercover über die Bühne geht. „Wir haben Fortschritte erkannt“, sagt Sebastian Coe, Präsident des Weltverbandes IAAF, vor dem Start am Freitag über die Causa Russland: „In London sind 19 Russen am Start, die unter neutraler Flagge teilnehmen, weil sie die Anforderungen im Antidopingprogramm erfüllt haben.“

Im Herbst 2015 war der russische Verband Rusaf wegen flächendeckenden Betruges suspendiert worden. Bei Olympia 2012 waren unter 53 russischen Finalisten 29 Dopingsünder – Nachtests sowie der McLaren-Report enthüllten das Ausmaß des staatlich gelenkten System.

Zwar habe in Russland inzwischen ein Umdenken stattgefunden, trotzdem sagt Taskforce-Chef Rune Andersen: „Es gibt noch Probleme, die zu lösen sind.“ Unter anderem erkennt Russlands (Sport-)Politik den entlarvenden Bericht des Wada-Sonderermittlers Richard McLaren nicht an.

Die russischen Athleten dürften derweil in London keineswegs leer ausgehen: Hochspringerin Marija Lasizkene, in Peking unter ihrem Mädchennamen Kutschina Weltmeisterin, wird kaum zu schlagen sein. In Hürdensprinter Sergej Schubenkow ist ein weiterer Peking-Sieger dabei, in Weitspringer Alexander Menkow gar ein Weltmeister von Moskau 2013, als die Russen bei ihren Heimspielen maßlos betrogen.

Digel meldet sich zu Wort

Derweil hat sich Helmut Digel zu Wort gemeldet, um den es ruhig geworden war, seitdem der Betrugsskandal im Leichtathletik-Weltverband um den früheren IAAF-Präsidenten Lamine Diack auch einen Schatten auf ihn warf. Zwei Jahre nach dem Ausscheiden aus der IAAF-Führung empfindet der 73-jährige Sportwissenschaftler aus Tübingen die Vorwürfe „nach wie vor als äußerst verletzend und beleidigend“. Der Senegalese Diack soll unter anderem positive Dopingproben gegen Geld vernichtet haben. Digel habe davon nichts mitbekommen und könne versichern, dass bei keiner Councilsitzung, bei der er anwesend gewesen sei, solche Dinge ein Thema waren. 

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