Herr Abele, Sie sind nach knapp vier Jahren zurück im Kreis der Ulmer Leichtathleten. Was hat Sie zur Rückkehr bewogen?

ARTHUR ABELE: Dafür gibt es einige gute Gründe. Letztlich ausschlaggebend war beispielsweise, dass ich am Olympiastützpunkt in Stuttgart wegen der groß angelegten Sanierung der Molly-Schauffele-Halle meine Technik-Disziplinen nicht mehr trainieren kann - Stabhochsprung, Hürden, Diskus. Daheim in Hüttlingen habe ich keine Halle zur Verfügung. Schon letzten Winter ist es dann passiert, dass ich bei einem halben Meter Schnee und Minus 16 Grad alleine draußen trainieren musste.

Ostalb-Winter klingt ungastlich. . .

ABELE: . . . und die Verletzungsgefahr steigt. Die eine oder andere kleine Blessur hätte sonst sicher vermieden werden können.

Ulm ist inzwischen zum Mehrkampf-Landesstützpunkt avanciert. Wie reizvoll ist das für Sie?

ABELE: Das Umfeld ist in der Tat sehr, sehr attraktiv geworden. Mathias Brugger, Julius Sommer und Stefanie Saumweber sind ja nur die bekanntesten der vielen starken Mehrkämpfer und Talente. Alles hat sich in Ulm nach oben entwickelt. Ich war mit meinem bisherigen Trainer Martin Seeger ja quasi Einzelkämpfer. Jetzt möchte ich gerne noch einmal den ganz anderen Weg ausprobieren - in der Gruppe zu sein zusammen mit Top-Leuten, die mitziehen und auch leistungsorientiert trainieren.

Und mit einem neuen Trainer. . .

ABELE: Erst mal will ich meinem ehemaligen Trainer Martin Seeger danken. Er hat mich auch sehr fürs Leben geprägt und mich im sportlichen Bereich auf ein neues, höheres Level gebracht. Jetzt zu Ulm: Stefan Preß, der neue Leichtathletik-Cheftrainer des SSV 46, war ja selbst Zehnkämpfer. Auch er hat die Leidenschaft gespürt, die es braucht. Und er ist ein erstklassiger junger Coach, der mir neue Impulse geben kann. Ich sehe Ulm darüber hinaus wieder als das Zentrum, in dem ich alles trainieren kann - ohne das bisherige Hin und Her und mit einem Trainer, der mich ständig im Blick hat, der genau weiß, wie ich mich fühle. Denn das kann nur ein Coach, der das Zehnkampf-Training selber durchlebt hat.

Eine Schambein-Entzündung hat Sie von Anfang 2009 an zweieinhalb Jahre lang quasi matt gesetzt, bei Comeback-Versuchen gab es immer wieder bittere Rückschläge. Auch 2012 lief nach starkem Beginn nicht nach Plan - wie fit sind Sie aktuell?

ABELE: Die Schambein-Entzündung ist komplett ausgeheilt, ich bin momentan verletzungsfrei und sehr froh darüber. Zu Jahresbeginn bei den deutschen Mehrkampf-Meisterschaften in Dortmund war ich auf Medaillenkurs, zog mir aber beim Weitsprung eine Verletzung am Sprunggelenk zu. Ich wollte, weil es ja die Olympiasaison war, nichts riskieren und bin schließlich nach dem Kugelstoßen aus dem Hallen-Siebenkampf ausgestiegen. Ich war dann auch in der Freiluftsaison auf sehr gutem Weg. Zwei Wochen vor der Olympia-Qualifikation in Ulm wurde ein Ermüdungsbruch diagnostiziert - damit wars gelaufen.

Welche Ziele sind jetzt realistisch?

ABELE: Ich habe Ziele, will sie aber nicht zu hoch stecken. Ich war Anfang dieses Jahres wirklich in gigantischer Form. Aber es ist eben oft genug etwas dazwischen gekommen. Ich will Schritt für Schritt reinfinden. Zehnkampf ist eine große Belastung für den Körper - und ich hatte wirklich ein sehr lange Durststrecke. Ich wünsche mir einfach, wieder einen Mehrkampf machen zu können und durchzukommen, am liebsten im Januar bei der Hallen-DM. Wenn ich dann die Leistung abrufen kann wie 2012 in Dortmund, ist definitiv etwas möglich.

Hat Ihr bisheriger Klub VfL Sindelfingen dem Wechsel zugestimmt?

ABELE: Sindelfingen hat mir grünes Licht gegeben. Vom 1. Januar an starte ich offiziell wieder im Trikot des SSV Ulm 1846.

Ihr ehemaliger Ulmer Trainer Wolfgang Beck hat zwar inzwischen altershalber den Cheftrainer-Posten an Stefan Preß übergeben, er bleibt aber treibende Kraft im neuen Ulmer Mehrkampf-Team. Sind zwischen Ihnen beiden alle Unstimmigkeiten von damals ausgeräumt?

ABELE: Wir hatten nie ein großes Problem miteinander. Mir war damals in der Zeit der großen Erfolge einfach manches zu euphorisch, zu hektisch. Einiges hat sich auch hochgeschaukelt. Ich habe da vielleicht ein bisschen überreagiert. Das war einfach blöd damals. Tatsache ist: Ich kann mit Wolfgang Beck sehr gut - das alles ist zwischen uns kein Thema mehr.

Empfinden Sie es inzwischen als Fehler, dass Sie den SSV Ulm 1846 nach der Olympia-Saison 2008 verlassen haben?

ABELE: Ja, ich denke, mein Weggang war ein Fehler. Aber man lernt halt immer hinterher. Ich weiß aber auch nicht, was passiert wäre, wenn ich in Ulm geblieben wäre. Wie das mit der fiesen Verletzung gelaufen wäre. Jetzt ist es leider so: Ich bin gewechselt, dann kam diese unendliche Schambein-Geschichte. Sie hat mich mehr als drei Jahre gekostet.

Was ist sportlich Ihre schönste Erinnerung an Ihre erste Zeit in Ulm?

ABELE: Da ist natürlich die WM-Teilnahme 2007 in Osaka, mein neunter Platz mit 8234 Punkten. Und dann die Olympia-Qualifikation 2008 in Ratingen. Mit 8372 Punkten, noch immer meine Bestleistung, habe ich mich da für die Sommerspiele in Peking qualifiziert. Logisch, auch der Olympia-Start selbst war eine Riesensache - obwohl ich im ersten Moment total gefrustet war, weil ich verletzt aufgeben musste und mein großer Traum geplatzt war. Alles in allem ist es aber eine sehr schöne Zeit gewesen. WM und Olympia waren die vielleicht prägendsten Dinge in meinem Leben.