Chaos, Pannen und Peinlichkeiten ziehen sich wie ein roter Faden durch die WM im amerikanischen Tryon. Nach der Absage der Dressur-Kür – zunächst war sie noch auf Montag verschoben worden – wegen Tropensturm Florence mussten sich die Organisatoren erneut Kritik gefallen lassen. Klar, für das Wetter in North Carolina können die Veranstalter nichts. Aber: „Es war seit einigen Tagen absehbar, dass schwere Regenfälle kommen werden“, merkte die Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth an, der in Tryon nach Gold mit dem Team und im Grand Prix Special die Chance auf den Titel-Hattrick verwehrt blieb: „Deshalb hätte man die Kür frühzeitig verschieben können.“ Denkbar wäre etwa gewesen, schon am Samstag auf das kleinere Stadion auszuweichen, wo kein Wettkampf stattfand. „Das hätte wunderbar gepasst, die Option wäre die beste gewesen“, sagte Werth: „Aber die wurde nicht wahrgenommen.“

Ein organisatorisches Armutszeugnis war auch schon der katastrophale Distanzritt am Mittwoch. Erst wurden die Reiter aus noch ungeklärten Gründen von zwei verschiedenen Startlinien losgeschickt, das Rennen Stunden später dann neu gestartet und schließlich wegen zu großer Hitze und zu hoher Luftfeuchtigkeit komplett abgebrochen. „Ein Schlag in die Fresse für den gesamten Sport“, urteilte der deutsche Distanzreiter Bernhard Dornsiepen.

Die traurige Bilanz des Wettbewerbs, laut Weltverband FEI: ein wegen Nierenproblemen eingeschläfertes Distanzpferd, 53 von 95 gestarteten Pferden mit Problemen in der Tierklinik. Es scheint, als wären die Organisatoren mit der Durchführung der Weltreiterspiele völlig überfordert.

Für Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke soll beim abschließenden Springen der erste WM-Titel im Einzel folgen, und sie ist zuversichtlich: „Ich weiß, dass Bobby ein guter Springer ist.“

Anders als für Klimke geht es im Team nur noch um Schadensbegrenzung. „Die Enttäuschung ist schon groß“, gestand Bundestrainer Hans Melzer, nachdem seine Equipe im Gelände am Samstag vom ersten auf den sechsten Platz abgestürzt war. Diesen Platz zu halten sei nun das Ziel, um das Minimalziel Olympia-Qualifikation zu erreichen, so Melzer.