Laguna Seca/USA "Das ist schon Wahnsinn"

Laguna Seca/USA / SID 23.07.2013
Stefan Bradl küsste den Pokal und strahlte unter der Sonne Kaliforniens über das ganze Gesicht. Dass bei der Siegerehrung trotzdem wieder die spanische Hymne lief, war dem Zahlinger komplett egal.

Stefan Bradl war überwältigt. Mir fällt ein großer Stein vom Herzen", sagte der 23-Jährige nach dem besten Rennen seiner Karriere. Endlich hat es Bradl in der MotoGP auf das Podium geschafft, endlich hat das Warten ein Ende - der Zahlinger wurde Zweiter hinter dem Spanier Marc Marquez.

Bradl hat in Laguna Seca Motorrad-Geschichte geschrieben. Als Zweiter beim Großen Preis der USA, der ersten Top-3-Platzierung eines deutschen Fahrers in der Königsklasse seit 24 Jahren. Kein Wunder, dass der Honda-Pilot sein Glück kaum fassen konnte, obgleich er den Grand Prix auch noch lange angeführt hatte.

"Es war fast ein perfektes Wochenende", sagte Bradl nach seinem Coup. Er konnte es verschmerzen, dass der spanische Überflieger Marc Marquez ihm erneut ein Schnippchen geschlagen und wie vor einer Woche am Sachsenring gewonnen hatte. Bradl stand am Ende auf dem Treppchen. Dort, wo er schon die ganze Saison sein wollte. Neben Marquez und vor allem: nur wenige Meter entfernt von Valentino Rossi.

"Vor zehn, elf Jahren, als ich angefangen habe, war er der große Hero. Ich bin ausgeflippt, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe", sagte Bradl über den italienischen Superstar, "und jetzt stehe ich mit ihm auf dem Podium. Das ist schon Wahnsinn."

So gut wie alles hatte gepasst. Bradl war im Training schnell, dominierte wie nie zuvor und holte sich die Pole Position - als erster Deutscher in der schwersten Klasse überhaupt. Auch der Rennstart war perfekt, Bradl sammelte Führungskilometer, so wie am Sachsenring. Bis wie schon in Moto2-Zeiten der Rookie aus Cervera dazwischen funkte.

"Als mich Marc eingeholt hat, habe ich gesehen, dass er besseren Seitengrip hatte als ich. Ich habe mich nachher darauf konzentriert, Platz zwei und mein erstes Podest heimzubringen", sagte Bradl.

Sachlich analysierte der Bayer seine Fahrt. Das Lächeln blieb. Das war vor einer Woche noch völlig anders. Unzufrieden sah Bradl nach dem Heimrennen aus, auch wenn er etwas anderes erzählte. Denn Platz vier, ein gutes Ergebnis, war nach der zwischenzeitlichen Führung zu wenig.

Bradl hat daraus gelernt. Fehlerfrei und vor allem konstant schnell - von der ersten bis zur letzten Runde - spulte der Moto2-Weltmeister von 2011 sein Programm ab. Marquez mit seiner Werks-Honda war nicht zu halten, doch den neunmaligen Champion Rossi mit der Werks-Yamaha kontrollierte Bradl souverän. Als bislang letzter Deutscher hatte Michael Rudroff 1989 bei dem von vielen Fahrern boykottierten Grand Prix in San Marino einen Podiumsplatz in der schwersten Klasse geholt. In einem Lauf gegen die gesamte Konkurrenz war dies zuletzt Dieter Braun 1974 im belgischen Spa gelungen (beide 500ccm/3.).

Der Erfolg von Laguna ist für Bradl mehr als nur ein gefühlter Sieg. Er hat nun beste Aussichten, schon in Kürze einen neuen Vertrag beim Satelliten-Team LCR-Honda zu bekommen. "Wir werden uns bald zusammensetzen", hatte sein Boss Lucio Cecchinello bereits vor dem Rennen angekündigt. Die Verhandlungsposition hat sich für Bradl nicht gerade verschlechtert.

Das Podium erreicht, die Maschine für 2014 so gut wie sicher und jetzt vier Wochen Pause. Dass auch noch Vater Helmut (51) in den Staaten dabei war, war am großen Tag das i-Tüpfelchen. "Ich freue mich, dass der Papa hier ist und wir dieses wichtige Ergebnis zusammen feiern können", sagte der Junior.

Deutsche Motorrad-Geschichte
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