Horb/Stuttgart: Kommentar: Die Chance, sich im Profigeschäft zu etablieren

Nico Willig, hier beim Ergenzinger Pfingstturnier im vergangenen Jahr, debütiert heute als Trainer in der Fußball-Bundesliga. Ulmer
Nicht gesetztEs ist eine schwierige Aufgabe, vor der Nico Willig steht: In kürzester Zeit muss er einer total verunsicherten Mannschaft Selbstvertrauen einflößen, muss ihr Unsicherheiten nehmen und gleichzeitig spielerische Lösungen finden, die zuletzt harmlose Offensive zu beleben - und doch ist die Aufgabe auch ein Stück weit dankbar.
Es war die Meldung des vergangenen Wochenendes: Der gebürtige Tübinger und ehemalige Landesligist des TuS Ergenzingen ist neuer Trainer der Profimannschaft des VfB Stuttgart. Für den 38-Jährigen ein weiterer Schritt in seiner Karriere, auch wenn dieser auf vier Spiele plus eine mögliche Abstiegsrelegation beschränkt ist - zumindest vorerst.
Im ganzen Ländle - und natürlich auch auf den Sportplätzen im Nördlichen Schwarzwald - wird die Personalie Willig das Gesprächsthema Nummer eins an diesem Wochenende sein. Gelingt sein Einstand? Ist er generell der Richtige für den Job? Die Floskel „Zu verlieren hat er ja nichts“ wird dabei auch häufiger fallen. Ist schließlich schnell dahergesagt - und trifft durchaus zu.
Was die fußballerische Leistung angeht, hat es ihm die Mannschaft zuletzt - und vor allem mit der 0:6-Niederlage in Augsburg - nämlich recht einfach gemacht. Die Latte liegt nicht wirklich hoch. Sie liegt auf dem Boden. Vergraben.
Bei den U17- und U19-Mannschaften des VfB stand der ehemalige Jugendkoordinator der TSG Balingen für Offensivfußball. Für hohes Anlaufen, frühes Pressing. „Ich will die Spieler aus der Tristesse holen. Und ich will einen aktiven Spielstil entwickeln“, sagte Willig bei seiner ersten Pressekonferenz im Profigeschäft am Mittwoch. Kann Willig seine Vorstellung vom Fußball bei den Profis etablieren, hat er schon ein Stück weit gewonnen. Denn eigentlich erwartet kein Fan und kein Verantwortlicher Hurra-Fußball vom VfB. Dafür ist die Situation zu angespannt, der Druck zu hoch, die Erinnerungen an das Debakel gegen Augsburg zu präsent.
Andererseits ist das Profigeschäft enorm ergebnisorientiert: Gelingt der Klassenerhalt trotz Verbesserungen im Spielstil nicht, wird das bei Verantwortlichen anderer Vereine hängen bleiben. Willig wird dann derjenige sein, der den VfB eben nicht vor der 2. Liga bewahren konnte - obwohl die größten Fehler, die in einer langen Saison zum Abstieg führten, schon davor gemacht wurden.
Etliche Weggefährten aus Ergenzingen, Balingen und generell dem Fußballbezirk Nördlicher Schwarzwald werden daher heute Abend ab 18.30 Uhr umso fester die Daumen drücken, wenn der sympathische Trainer mit dem VfB Stuttgart gegen Borussia Gladbach seinen Einstand gibt. Ein Einstand, der für Nico Willig ein früher Karrierestopp sein kann, vor allem aber auch der Auftakt für noch höhere Aufgaben im Profigeschäft.