Themen in diesem Artikel

Olympische Spiele
Walheim / Von Gregory Rech  Uhr

Der Walheimer Maik Baier hat sich eindrucksvoll auf der internationalen Wettkampfebene zurückgemeldet. Bei den BMX-Weltmeisterschaften im belgischen Heusden-Zolder setzte sich der 30-jährige kürzlich im Finale der Master Class gegen die Konkurrenz durch und sprintete im Racing zum Weltmeistertitel.

Ein toller Erfolg für den gebürtigen Bietigheimer, bedenkt man, dass Baier bereits 2016 aus dem Leistungssport ausgestiegen war und auch sonst widrigen Bedingungen trotzen musste. Denn im September vergangenen Jahres zog er sich eine Unterschenkelfraktur zu. Erst im April bekam Baier wieder grünes Licht der Ärzte für den Wettkampfsport. Außerdem trainiert sich der ehemalige Sportsoldat seit geraumer Zeit selbst. Stark verkürzte Vorbereitungszeit, ein eigens erstellter Trainingsplan – um diese Herausforderungen zu meistern, half sicherlich auch die jahrzehntelang gesammelte Erfahrung in dieser durchaus nicht ungefährlichen Sportart. „Am besten kennt man seinen Körper eben selbst“, wie es Baier formuliert. „Ziel war es aber erstmal das Finale in Zolder zu erreichen.“ Welches er dann zu seinem Glück deutlich übertraf.

Früher mit Schüle auf dem Eis

Aufgewachsen ist Baier in Walheim. In der Kindheit spielte er im Winter – neben dem BMX-Fahren im Sommer – vor allem Eishockey in Bietigheim, wo er unter anderem mit Steelers-Neuzugang und -Rückkehrer Tim Schüle zusammen auf dem Eis war. Mit dreizehn Jahren wurde das Pensum dann allmählich zu hoch. Trotz der Entscheidung gegen das Eishockey ist Baier dieser Sportart bis heute sehr verbunden und schaut sich öfter Heimspiele der Steelers an. Mit 18 Jahren kam Baier – wie zu jener Zeit noch Pflicht – zum ersten Mal zur Bundeswehr. Im Anschluss absolvierte er bei Daimler eine sportunterstützende Ausbildung zum Industriemechaniker. Die Sportunterstützung zeigte sich unter anderem darin, dass die Ausbildungszeit gestreckt wurde, von 2008 bis 2013.

In jener Zeit gelang dem Schwaben der größte Coup seiner bisherigen Karriere: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen. „2012 in London war sicherlich mein größtes Highlight – positiv wie negativ“, erinnert sich Baier. Negativ war, dass sich der damals 23-Jährige im Vorfeld mehr ausgerechnet hatte. Im Viertelfinale war für ihn und seinen deutschen Mitstreiter Luis Brethauer Schluss. Dennoch können nicht viele Sportler behaupten, bei Olympischen Spielen dabei gewesen zu sein.

2015 bis 2016 genoss der damals als beste deutsche BMX-Fahrer geltende Baier die Unterstützung der Sportfördergruppe, als er einen der maximal zwei Plätze für BMX-Fahrer ergatterte. In jener Zeit legte der mittlerweile seit drei Jahren in Fichtenberg bei Schwäbisch Hall lebende Walheimer den Fokus komplett auf den Leistungssport, mit dem Ziel, 2016 in Rio de Janeiro noch einmal für sein Land an den Start zu gehen.

Abschied vom Leistungssport

Letztendlich verpasste Baier dieses Ziel jedoch, was ihm laut eigener Aussage bis heute nachhängt. Daraufhin kündigte er sein Ausscheiden aus dem Leistungssport an. „Als Sportler plant man ja auch in gewissen Zyklen“, erklärt Baier. „Bei den nächsten Olympischen Spielen 2020 in Tokio wäre ich dann schon zu alt gewesen.“ Schließlich gelten BMX-Fahrer mit 28, 29 oder 30 bereits als Seltenheit in der Weltklasse. In der Master Class, in der Baier im Juli triumphierte, treten 30- bis 39-Jährige an. Dennoch ist dies eine Leistungsklasse mit einem hohen Niveau.

Warum es Baier wieder zum Leistungssport gezogen hat? „Nachdem ich wieder beim Daimler einsteigen konnte, bin ich weiterhin hobbymäßig dabeigeblieben. Aber jeden Tag an die Grenze zu gehen – psychisch wie physisch – das hat mir schon gefehlt.“

Die Liebe zu dieser rasanten Sportart hat also nicht nachgelassen. Seitdem BMX 2008 in Peking zum ersten Mal olympisch wurde, hat sich einiges getan: „Zwar ist es in Deutschland noch nicht so wie in Holland und Frankreich, Länder in denen der Sport richtig boomt, aber es geht schon viel mehr in Richtung Leistungssport“, sieht Baier den Trend durchaus positiv.