Auf der Tribüne applaudierte Edelfan Dennis Schröder mit breitem Lächeln, auf dem Feld lagen sich die Spieler in den Armen, bei Bundestrainer Henrik Rödl kullerten die Tränen. Mit einer bärenstarken Vorstellung haben sich die deutschen Basketballer ihren Olympia-Traum erfüllt und kehren in Tokio nach 13 Jahren auf die große Bühne zurück. Beim Qualifikationsturnier in Split feierte das Team im Finale einen hochverdienten 75:64 (36:34)-Sieg über den Favoriten Brasilien und sicherte sich den Startplatz für die Sommerspiele in Japan (23. Juli bis 8. August).
Zuletzt hatte eine DBB-Mannschaft 2008 in Peking mit dem Fahnenträger Dirk Nowitzki als Anführer bei Olympia gespielt. In Japan kommt es zur insgesamt sechsten Teilnahme. Auch 1936, 1972, 1984 und 1992 in Barcelona, damals mit Nationalspieler Rödl im Aufgebot, war die deutsche Mannschaft dabei gewesen.

Wie damals mit Nowitzki

Für Rödl ist die Qualifikation nach der enttäuschenden WM 2019 in China (18. Platz) der größte Erfolg seiner Amtszeit. Sein auslaufender Vertrag hat sich nun automatisch bis zum Ende der Spiele verlängert.
Nach den beiden mühevollen Vorrundensiegen über Mexiko (82:76) sowie Russland (69:67) und der überzeugenden Vorstellung beim Halbfinalerfolg gegen Gastgeber Kroatien (86:76) stand die deutsche Mannschaft vor der mit Abstand schwierigsten Aufgabe. Denn die starken Brasilianer hatten ihre drei Spiele in Split jeweils mit mehr als 25 Punkten Unterschied gewonnen.
Rödl nahm die Außenseiterrolle an, war aber dennoch optimistisch. „Wir sind ein sehr unangenehmer Gegner“, sagte der Trainer. Die deutsche Mannschaft, die wegen einer Knöchelverletzung aus dem Kroatien-Spiel ohne Isaac Bonga auskommen musste, erwischte mit zwei schnellen Dreiern einen perfekten Start. Doch das brachte keine Sicherheit. „Die Würfe sind nicht gut im Moment“, sagte Rödl in der ersten Auszeit.

Moritz Wagner trumpft auf

Beide Teams taten sich in der Offensive zunächst äußerst schwer. Es fiel wenig, die DBB-Auswahl fand zuerst aus ihrem Loch. Besonders Moritz Wagner trumpfte jetzt mit starken Aktionen auf, dreimal traf der Berliner von der Dreierlinie. Nach einem Lauf hieß es 34:23 (18. Minute), der Vorsprung war erstmals zweistellig. NBA-Star Schröder, der wegen zu hoher Versicherungskosten fehlte, feuerte von der Tribüne an, es lief, doch dann kam es plötzlich zum Bruch. In der Schlussphase der ersten Hälfte meldete sich Brasilien trotz weiterhin großer Probleme mit einem 8:0-Lauf zurück.

Im Stile eines Spitzenteams

„Unsere Defensive war exzellent, leider haben wir in den letzten zwei Minuten den Fokus verloren“, sagte Co-Trainer Alan Ibrahimagic in der Pause. Nach der Rückkehr aus der Kabine war die volle Konzentration aber sofort wieder da, erneut gelang ein Lauf (51:42/29.). Die deutsche Mannschaft hatte alles im Griff, Topscorer Wagner (28 Punkte) war kaum zu stoppen, das DBB-Team löste die Aufgabe in der Schlussphase im Stile eines Spitzenteams.

28

Punkte erzielte Moritz Wagner für das deutsche Team und war damit bester Werfer der DBB-Auswahl. Zudem wurde er zum besten Spieler des gesamten Turniers gewählt.