Neuer Rückschlag für Japans Olympia-Macher: Der Kreativdirektor für die Sommerspiele in Tokio, Hiroshi Sasaki, ist am Donnerstag – vier Monate vor den in Tokio geplanten Olympischen Spielen – wegen erniedrigender Äußerungen über eine bekannte japanische Entertainerin von seinem Amt zurückgetreten. Er gab zu, im vergangenen Jahr gegenüber Mitarbeitern die Idee vorgebracht zu haben, dass die korpulente Naomi Watanabe, bekannt als Plus-Size-Modell,  Schauspielerin und Modedesignerin mit mehr als neun Millionen Followern in den Sozialen Netzwerken, bei der Eröffnungszeremonie der Spiele als Schwein verkleidet auftreten könnte. In einem rosafarbenen Kostüm erschiene sie dann als ein „Olympig“, witzelte der Japaner – pig bedeutet auf englisch Schwein. Die Zeitschrift „Shukan Bunshun“ hat den Fall jetzt  ans Licht gebracht.
Die neue Präsidentin des Olympia-Organisationskomitees, Seiko Hashimoto, nahm Sasakis Rücktrittsgesuch an und nannte seine Äußerungen „sehr unangemessen“. Sasaki habe in einer schriftlichen Erklärung gesagt, dass seine Worte „beleidigend“ gewesen seien. So etwas hätte „nie passieren dürfen“, sagte Hashimoto auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz.

Notstand soll beendet werden

Rund vier Monate vor den geplanten Spielen in Tokio wird das Organisationskomitee damit von einem weiteren Skandal erschüttert. Und das, nachdem erst kürzlich Olympia-Organisationschef Yoshiro Mori wegen sexistischer Kommentare vom Amt zurückgetreten war. Hashimoto trat seine Nachfolge an und erklärte, sich verstärkt für die Gleichbehandlung von Frauen einzusetzen. Einen Monat später nun der nächste Skandal um erniedrigende Äußerungen über eine Frau.
Dabei haben die Olympia-Macher schon mit genug Problemen zu kämpfen, darunter die Corona-Pandemie und die rekordhohen Kosten. In der kommenden Woche, am 25. März, beginnt in Fukushima der Fackellauf für die Spiele. Japans Organisatoren und das Internationale Olympische Kommitee (IOC) beharren darauf, dass die Spiele mit 11 000 Athleten und die anschließenden Paralympics mit 4400 Athleten ungeachtet der andauernden Corona-Pandemie wie geplant stattfinden. Sie waren wegen der Pandemie um ein Jahr verschoben worden.
Unterdessen will die japanische Regierung den Corona-Notstand für den Großraum Tokio trotz Sorgen vor einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen wie geplant an diesem Sonntag beenden. Die Regierung von Ministerpräsident Yoshihide Suga entschied am Donnerstag, dass eine Verlängerung des im Januar verhängten Notstands nicht nötig sei, da die Infektionszahlen gesunken seien und die medizinische Versorgung im Großraum der Millionenstadt nicht mehr so belastet sei.
Einige Experten warnen jedoch davor, dass es Tokio zwar gelungen sei, die Neuinfektionsrate zu senken, der Rückgang sich jedoch abgeflacht habe und wieder ansteigen könnte. In Tokio steht die Kirschblütenzeit an, in der sich Japaner traditionell zum „Hanami“, der Blütenschau, mit viel Essen und Alkohol unter den blühenden Bäumen versammeln.
Laut mehreren Umfragen halten sich die Zweifel an einer Austragung der Sommerspiele. In Japan sprach sich zuletzt einer klare Mehrheit der Befragen für eine erneute Verlegung oder eine Absage der Spiele aus.

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Tage sind es noch bis zum geplanten Beginn der Olympischen Sommerspiele in der japanischen Hauptstadt Tokio im Juli.