Sieger Grand Prix von Kanada Sieg mit Pathos: Vettel erinnert an Schumacher

Sebastian Vettel küsst auf dem Podium in Montréal seine Siegestrophäe. Foto: Paul Chiasson/The Canadian Press/AP
Sebastian Vettel küsst auf dem Podium in Montréal seine Siegestrophäe. Foto: Paul Chiasson/The Canadian Press/AP © Foto: Paul Chiasson
Montréal / Von Claas Hennig, dpa 11.06.2018

Kurz vor dem Ende seiner grandiosen Siegesfahrt beim Grand Prix von Kanada hatte Sebastian Vettel noch Zeit, sich an sein Idol Michael Schumacher zu erinnern.

„In den letzten Runden habe ich noch gezittert, dass alles hält, dass das Auto hält, und an Michael gedacht, an seinen letzten Sieg hier“, berichtete der Ferrari-Pilot und wurde ungewohnt emotional. „Es ist schade, dass er heute nicht dabei sein kann, den Tag nicht genießen kann, als Ferraristi.“ So sei es schwer gewesen, die letzten Runden, die Augen auf der Strecke zu halten.

14 Jahre war es her, dass die Scuderia in Schumacher ihren letzten Sieger in Montréal stellte, ehe nun Vettel Kanada wieder zum Ferrari-Land machte. Auch wenn der mittlerweile 49-Jährige seit seinem folgenschweren Skiunfall Ende 2013 nicht mehr in der Öffentlichkeit ist, ist er bei echten Ferrari-Fans unvergessen. Sein Nachfolger und Schüler Vettel hat gelernt, auf der Pathos-Klaviatur zu spielen, um die Formel-1-Anhänger der Scuderia zu erwärmen. „Roter Engel“, dichtete der „Corriere dello Sport“ und erinnerte auch an den ersten Sieg von Ferrari-Idol Gilles Villeneuve vor 40 Jahren in Kanada.

Bei aller Geschichtsverklärung geriet fast in Vergessenheit, dass der 30-Jährige als vierter Fahrer überhaupt die Marke von 50 Grand-Prix-Siegen erreichte und zudem die WM-Führung von seinem Daurrivalen und Titelverteidiger Lewis Hamilton im Mercedes übernahm. „Ein netter Nebeneffekt“„, meinte Vierfach-Champion Vettel nur. „Die Saison ist noch lang.“

Doch sein Sieg am Sonntag könnte wie damals für Schumacher ein gutes Omen sein. 2004 war auch das Jahr, in dem der Rekordweltmeister seinen siebten und letzten Titel gewann. Vettel ist jetzt selbst auf dem besten Weg, einen eigenen Platz in der Geschichte des ruhmreichen Rennstalls zu erobern. Und das in einer Saison, in dem neben Ferrari im Weltmeister-Team Mercedes und Red Bull gleich zwei gleichwertige Teams im Titelkampf als Gegner hat.

Die Souveränität von Vettels Auftritt in Montréal ließ zumindest Parallelen zu Schumachers besten Zeiten erkennen. Die spanische Zeitung „El Pais“ erkannte „einen Spaziergang“ des Deutschen. Die Überlegenheit beeindruckte und erschrak vor allem die silberne Konkurrenz. „Zu keinem Zeitpunkt hatten wir eine Chance zu gewinnen“, meinte Mercedes-Teamchef Toto Wolf. Das Resultat mit Platz zwei für Valtteri Bottas und Rang fünf für den sechsmaligen Kanada-Sieger Lewis Hamilton nannte er „beschissen“.

Aufsichtsrat Niki Lauda sah Mercedes von Ferrari „in allen Disiplinen überholt, in denen wir mal vorne lagen“. Cheffahrer und Vierfach-Champion Hamilton, der im Rennen mit Motorproblemen zu kämpfen hatte, forderte: „Wir müssen die schlechten Tage verringern.“ Die silberne Hoffnung: die neue Motorausbaustufe, die nun für das Rennen in Le Castellet in zwei Wochen angekündigt ist und ursprünglich für Montréal schon vorgesehen war.

Vettel muss das aber nicht sonderlich beunruhigen. Auch nicht der knappe Vorsprung von einem Punkt auf Hamilton. In seinem vierten Jahr bei Ferrari scheint er seinem Ziel, den WM-Titel mit der Scuderia, endlich näher zu kommen. Nach dem ersten Drittel hat Ferrari das derzeit beste Gesamtpaket aller Konkurrenten.

„Wir haben ein fantastisches Auto für einen fantastischen Fahrer bereitstellen können“, sagte Vettels Teamchef Maurizio Arrivabene nach dem Rennen. Und er klang dabei wie Jean Todt, wenn dieser einst als Ferrari-Teamchef über Schumacher sprach.

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