Truck Trial Nur noch einen Schritt bis zum Titel

Am Mittwochnachmittag wurde der Renn-Truck auf den riesigen Transporter verladen. Jan Plieninger (links) und Marc Stegmaier  sind bereit für die rund zwölfstündige Fahrt an den Genfer See, wo sie sich heute und morgen beim letzten Wettbewerb erstmals den Europameistertitel sichern können.
Am Mittwochnachmittag wurde der Renn-Truck auf den riesigen Transporter verladen. Jan Plieninger (links) und Marc Stegmaier  sind bereit für die rund zwölfstündige Fahrt an den Genfer See, wo sie sich heute und morgen beim letzten Wettbewerb erstmals den Europameistertitel sichern können. © Foto: Ralf Mangold
Kirchberg / Ralf Mangold 08.09.2018

Eine gehörige Portion Mut und Disziplin gehört dazu, wenn man Truck Trial fährt.  Zu Wettbewerben in ganz Europa unterwegs ist  Marc Stegmaier zusammen  mit seinem Beifahrer Jan Plieninger.  Doch nicht nur dieses gefährliche Hobby verbindet sie, die Großcousins haben beide Führungspositionen bei  verschiedenen Sparten des Traditionsunternehmens Stegmaier und führen so  den Betrieb ihres Urgroßvaters in vierter Generation.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr den EM-Titel beim letzten von sechs Wettbewerben in Châtel (Frankreich) holt?

Marc Stegmaier: Wir haben 15 Punkte Vorsprung, ein sechster Platz würde also auf jeden Fall genügen – und das sollte sportlich machbar sein. Bislang waren wir nie schlechter als Dritter, zweimal haben wir sogar den Siegerpokal geholt.  Aber es kann noch viel passieren. Ein technischer Defekt oder ein Fahrfehler  und wir rutschen ganz schnell ans Ende des Feldes und sind weg. Ähnlich erging es uns vor vier  Jahren, wo wir auch schon dicht vor dem Titelgewinn standen, aber das wird sich hoffentlich nicht wiederholen.

Wie sieht so ein Rennwochenende eigentlich aus?

Jan Plieninger: Am Mittwoch wurde der Truck auf den Tieflader aufgeladen und dann ging es am Donnerstag auf die rund zwölfstündige Fahrt in die Nähe des Genfer Sees nach Châtel. Mit dem Renn-Truck können wir allerdings nicht fahren. Die Reifen würden das wohl nicht mitmachen und eine längere Fahrt bei der Federung wäre sicherlich eine Herausforderung (schmunzelt).  Zudem ist das Fahrzeug ja gar nicht zugelassen. Drei Mechaniker sind immer in einem Begleitfahrzeug dabei, in dem auch die wichtigsten Ersatzteile und Werkzeuge sind. Das ist dann  wie eine kleine Werkstatt. Am häufigsten geht die Blattfeder kaputt.

Stegmaier:  Gestern war dann die technische Abnahme und abends die Teamvorstellung. Am Wochenende sind dann die verschiedenen Sektionen zu durchfahren und dabei gilt es, möglichst wenige Strafpunkte zu kassieren.  Am Sonntagabend ist dann die Siegerehrung, wo wir hoffentlich einen Grund zum Feiern haben werden und Montag geht es wieder zurück nach Kirchberg.  Wir schlafen entweder im Truck oder im Wohnmobil.

Ist Truck Trial wirklich so gefährlich, wie es  für den Laien aussieht?

Stegmaier: Normale Serien-Trucks werden nach strengen Sicherheitsvorschriften zusätzlich ausgerüstet, wie beispielsweise mit speziellen Hosenträgergurten, anderen Sitzen und Überrollbügel. Gefährlich ist es  dennoch,   wenn man an einer Felskante entlang fährt. In Frankreich haben wir den Renn-Truck aufs Dach gelegt. Bis tief in die Nacht haben unsere Monteure geschraubt, damit wir am nächsten Tag wieder an den Start gehen konnten.  Auch wenn ich mir schon zweimal den Arm gebrochen habe, denke ich, dass Truck Trial der wohl ungefährlichste Motorsport ist, den es gibt, weil wir bei den Prüfungen  doch recht langsam fahren.

Habt ihr manchmal auch Angst?

Plieninger: Ein bisschen Nervosität gehört dazu, Respekt vor der Strecke ist ganz wichtig. Man darf nie leichtsinnig werden und muss immer voll konzentriert sein. Es gibt aber manchmal auch Sektoren, da sagen wir oder auch gemeinsam mit den anderen Teams, das machen wir nicht und nehmen lieber die Minuspunkte in Kauf – auch wegen der Fahrzeuge, um größere Schäden auszuschließen.  Jede Sektion ist nur ein Angebot von den Kommissaren.

Wie seid ihr eigentlich zum Truck Trial gekommen?

Stegmaier: Wir haben anfangs für Marcel Schoch die Mechaniker gestellt und sind öfters mit ihm zu Wettbewerben mitgegangen. Er ist ein guter Bekannter von uns und mehrfacher Europameister. Er brachte uns auf die Idee, es selbst auszuprobieren.  Ich bin vorher schon Motocross gefahren, ich hatte vorher schon eine gewisse Affinität zum Motorsport im Gelände. Wir haben dann ganz schnell Spaß daran gefunden, das ist Adrenalin pur. Außerdem ist es eine gute Marketing-Maßnahme für unseren Betrieb und auch für die Mitarbeiter eine zusätzliche Motivation, denn jeder kann ein Teil unseres Teams sein. Zu einem Wettbewerb waren sogar mal 20 Mann von uns dabei.  Wir sind inzwischen  auch bei Vorführungen oder man kann uns mieten für Firmenevents.

Wie oft trainiert ihr?

Stegmaier: Es ist schwierig, Truck Trial zu trainieren, denn  jeder Lauf ist anders. Ich bastle viel an unserem Fahrzeug und immer, wenn etwas Neues eingebaut ist, dann testen wir es gleich. Mit den Wettbewerben, Tests und Vorführungen kommen wir so ungefähr auf zwanzig Einsätze im Jahr. Und sportlich muss man auch sein, denn während der Fahrten wirken enorme Kräfte. Zudem muss man unter Stress jederzeit konzentriert bleiben – das ist wirklich eine Kunst bei zehn Sektionen an einem Tag.

Bekommt man von den vielen Zuschauern an der Strecke eigentlich etwas mit?

Plieninger: Es kommen zu jedem Lauf mindestens 10 000 Zuschauer, zuletzt in Frankreich waren es sogar rund 20 000. Während der Wettbewerbe bekommt man im Fahrzeug nicht viel mit, da ist man voll konzentriert. Aber man hat schon tolle Erlebnisse, in Montalieu-Vercieu zuletzt sind wir zur Teamvorstellung  im Konvoi  durch die Innenstadt  gefahren. Am Straßenrand warteten zahlreiche Menschen, die uns zugejubelt haben. Einige kommen schon viele Jahre und haben sogar Fan-Shirts von unserem Team.

Gibt es irgendwann wieder einen Truck-Trial-Wettbewerb in der Region?

Plieninger: Wir waren dreimal im Steinbruch Heldenmühle, zuletzt vor vier Jahren.  Das war ein Riesenaufwand, weil wir alles selbst organisieren mussten. In den nächsten Jahren wird es wohl nichts, auch wenn es immer ein tolles Gefühl war, vor heimischem Publikum zu fahren. Wir fahren aber jedes Jahr einmal in der Region, zuletzt waren wir im Juli in Langenaltheim.

Könnten Sie den Parcours eigentlich auch ohne Ihren Co-Pilot bewältigen?

Stegmaier:  Auf keinen Fall, der macht 50 Prozent aus.  Das ist ähnlich wie bei einer Rallye, Jan ist mein Navigator. Wir laufen vorher zusammen die Sektion ab und besprechen dann unsere Route, um fehlerfrei durchzukommen.  Während der Prüfung hat Jan jedes Streckendetail im Kopf und immer die Zeit sowie die rechte Seite im Blick. Er führt mich praktisch durch den Parcours.  Das erfordert jede Menge Vertrauen, aber auch Flexibilität, denn oftmals funktioniert es nicht ganz so, wie wir es geplant haben.

Wenn ihr morgen den Europameistertitel holen solltet, gibt es dann überhaupt noch ein Ziel?

Plieninger (lächelnd): Dann wollen wir unseren Titel verteidigen. Das ist nochmal eine ganz neue Herausforderung. Wir haben viel zu großen Spaß an unserem Sport, deshalb würden wir auch nie einen Gedanken ans Aufhören verlieren.

Stegmaier: Und irgendwann wollen wir vielleicht auch mal bei einer Rallye wie Paris – Dakar mitfahren. Das wäre ein Traum.

Dreimal Vize-Europameister,  zweimal Bronzemedaille

Das Team, bestehend aus Fahrer Marc Stegmaier und Beifahrer Jan Plieninger, nimmt seit 2012 an der Europameisterschaft teil. 2013, 2014 und 2016 ist das BFS-Team Vize-Europameister in der Klasse der seriennahen Dreiachser geworden, 2015 und 2017 errang es die Bronzemedaille.

Beim Truck Trial kommt es auf geschicktes Fahren mit Nutzfahrzeugen in extremen Geländepassagen an. Die Läufe finden in Steinbrüchen, Sandgruben und Kohleabbaugebieten statt. Schlamm, Geröll, steile Abfahrten und Felsblöcke stellen die Teams immer wieder vor Hindernisse. Strafpunkte gibt es beispielsweise für das Umknicken einer Torstange, das Berühren der Außenbegrenzung, das Auslassen von Toren oder das Überschreiten des Zeitlimits. Sieger eines Laufs wird, wer die Passagen möglichst fehlerfrei meistert. Die Wettbewerbe laufen über zwei Tage.

Das BFS-Trucksport-Team ist benannt nach dem bundesweit agierenden Truckvermieter BFS Business Fleet Services GmbH, der in Kirchberg an der Jagst ansässig ist. Das BFS-Trucksport-Team bietet für Interessierte auch Fahrerschulungen im Gelände an. Carsten Lange 

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