Nico Hülkenberg könnte zum Nutznießer des ersten prominenten Coronavirus-Falls in der Formel 1 werden. Wie das Fachportal „motorsport.com“ am späten Donnerstagabend berichtete, soll der 32-Jährige aus Emmerich den Mexikaner Sergio Perez an diesem Wochenende kurzfristig beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone ersetzen. Eine Entscheidung über das freie Cockpit beim Rennstall Racing Point muss bereits am Freitagvormittag fallen, denn schon um 11.00 Uhr Ortszeit (12.00 Uhr MESZ) steht das erste Training zum vierten Saisonlauf auf dem Programm.

Nico Hülkenberg derzeit ohne Vertrag – zuletzt für Renault

Hülkenberg fuhr bis 2016 mehrere Jahre für Racing Points Vorgänger Force India und ist derzeit ohne Vertrag. Zuletzt war der Deutsche von 2017 bis 2019 für Renault aktiv und hatte im Vorjahr keinen neuen Kontrakt mehr erhalten. Sein Cockpit bekam anschließend der Franzose Esteban Ocon. Wenn Hülkenberg den Job im bekannten Umfeld übernehmen sollte, muss er zunächst kurzfristig mit einem Test nachweisen, nicht mit dem Coronavirus infiziert zu sein.
„Unter diesen Umständen würden wir einem Fahrerwechsel zustimmen und der Fahrer könnte den Rest des Wochenendes bestreiten“, sagte Renndirektor Michael Masi vom Internationalen Automobilverband Fia.

Rennen an sich nicht gefährdet – Perez fällt jedoch für bei britischen Wettkämpfe aus

Zuvor war Perez positiv auf das Virus getestet worden. Der 30-Jährige darf nicht mehr am Grand Prix am Sonntag (15.10 Uhr/RTL und Sky) teilnehmen und muss in Quarantäne bleiben. Auch ein Start eine Woche später an gleicher Stelle scheint eher unwahrscheinlich. Die Austragung des Rennens ist aber nicht in Gefahr, Perez hatte sich noch gar nicht direkt an der Rennstrecke aufgehalten.
Er sei körperlich gesund und bei guter Stimmung, teilte sein Rennstall mit. „Er wird sich weiterhin nach den Richtlinien der zuständigen Gesundheitsbehörden selbst isolieren, wobei die Sicherheit für das Team und den Sport oberste Priorität hat“, hieß es in einer Mitteilung. Personen, mit denen Perez direkten Kontakt hatte, wurden ebenfalls unter Quarantäne gestellt.

Erster Test war uneindeutig – Perez wurde daraufhin isoliert

Erst der zweite Test von Perez fiel am Donnerstag positiv aus. Zuvor hatte es ein nicht eindeutiges Ergebnis gegeben und der Pilot wurde fernab der Strecke vorsorglich isoliert. Der WM-Sechste hätte nur bei einem negativen Ergebnis am Freitag in sein Auto steigen können. Racing Point muss nun reagieren. Es sei das Ziel, beide Autos an den Start zu schicken, hieß es vom Team, das auch Zugriff auf die Mercedes-Ersatzfahrer Stoffel Vandoorne aus Belgien und Esteban Gutierrez aus Mexiko hat. Obwohl beide über Formel-1-Erfahrung verfügen, könnte trotzdem eine Entscheidung für Hülkenberg fallen.

Bei 15 000 Test in der neuen Formel-1-Saison nur zwei positive Test

Bei den ersten drei Rennen nach dem Formel-1-Neustart hatte es zuvor keinen positiven Corona-Fall unter den Fahrern oder den Angestellten der Teams gegeben. Bei rund 15 000 Tests lieferten zwei Helfer in Ungarn die einzigen positiven Ergebnisse. Sie hatten jedoch keinen Kontakt mit dem direkten Umfeld der Rennställe und konnten so leicht isoliert werden. Im März hatte es beim ursprünglichen Saison-Auftakt in Melbourne einen Corona-Fall im Team von McLaren gegeben, aber ebenfalls nicht unter den Fahrern. Das Rennen in Australien wurde zu Beginn der Corona-Krise kurzfristig abgesagt.