Grand Prix in Le Castellet Duell ohne Atempause: Vettel bereit für Hamiltons Konter

Auch in Frankreich beliebt: Ferrari-Star Sebastian Vettel. Foto: Claude Paris/AP
Auch in Frankreich beliebt: Ferrari-Star Sebastian Vettel. Foto: Claude Paris/AP © Foto: Claude Paris
Le Castellet / Von Christian Hollmann, dpa 22.06.2018

Den nächsten Kick im ewigen Zweikampf mit Sebastian Vettel holte sich Lewis Hamilton mit einer verbotenen Spritztour. Auf dem Motorrad brauste der 33-Jährige gleich nach seiner Anreise über die noch gesperrte Formel-1-Strecke von Le Castellet.

„Ich habe gehofft, dass mich niemand erwischt, zum Glück hat es geklappt“, sagte der Mercedes-Pilot vor dem ersten Grand Prix von Frankreich seit zehn Jahren. Auf dem Circuit Paul Ricard wird der Titelverteidiger am Sonntag versuchen, aus einem WM-Punkt Rückstand auf Vettel wieder eine Führung zu machen. Im Training am Freitag hängte Hamilton den Deutschen auch dank eines verbesserten Motors schon mal ab.

Das achte Saisonrennen auf dem erstaunlich farbenfrohen Kurs in den Bergen nahe Marseille ist der Auftakt für die hektischste Formel-1-Zeit des Jahres. Fünf Rennen in sechs Wochen, drei davon in den kommenden 14 Tagen - ein derart verdichtetes Programm gab es in der Historie dieses Sports noch nie. Wer jetzt schwächelt, könnte bis zur Sommerpause entscheidende Zähler im Titelkampf verloren haben. Nervös, Herr Vettel? „Unsere Form der vergangenen Wochen macht uns selbstbewusst für die nächsten Rennen.“

Entspannter als in diesem Jahr hat man den 30 Jahre alten Hessen nur selten in seiner Formel-1-Karriere gesehen. Das Vertrauen in seinen Ferrari ist nach drei Siegen in den ersten sieben Grand Prix gefestigt, Vettel fühlt sich endlich zumindest auf Augenhöhe mit den jahrelang übermächtigen Silberpfeilen. Auf Rückschläge wie die unnötigen Punktverluste in China und Aserbaidschan reagiert Vettel mit Gleichmut. „Höhen und Tiefen sind normal. Wir arbeiten hart, dass es mehr Höhen als Tiefen sind“, sagte der Hesse.

Im Krisenmodus fährt stattdessen Mercedes. „Wir alle schwitzen Blut, Schweiß und Tränen, damit wir diese Saison wieder gewinnen“, versicherte Hamilton. Die jüngste Pleite von Kanada verarbeitete der Branchenführer mit knallharter Fehleranalyse und offenen Therapiegesprächen. „Wenn wir aus diesen Meetings kommen, hat jeder das Gefühl, was er noch besser machen kann“, beteuerte Hamilton.

Für ungewohnte Verunsicherung sorgte beim Seriensieger der Vorjahre zuletzt eine Panne bei der Motorenentwicklung. Die neue Version des Triebwerks, eigentlich der Stolz des Autobauers, kam diesmal fehlerhaft aus der Fabrik. Der für Kanada geplante Einsatz des um mindestens zehn PS stärkeren Motors wurde verschoben. Auch in Frankreich machte Mercedes bis zur letzten Minute ein Geheimnis aus seiner Entscheidung, ehe der Rennstall am Freitagabend den Einbau des verbesserten Motors bestätigte.

Vettel indes kann im Ferrari schon eine neue Ausbaustufe zünden. In den ersten beiden Trainingseinheiten von Le Castellet allerdings war der Deutsche als Fünfter rund eine Sekunde langsamer als Hamilton bei seiner Bestzeit. Ein Signal, dass Mercedes zurück in der Spur ist?

„Diese WM wird durch Kleinigkeiten entschieden“, sagte Hamilton. Sein Glaube an das Team, mit dem er drei seiner vier Titel gewann, sei durch das wechselhafte erste Saisondrittel keinesfalls erschüttert. „Es sind diese Phasen, in denen man am meisten dazulernt“, sagte der Weltmeister. Auch die seit langem erwartete Verlängerung seines am Saisonende auslaufenden Vertrags sei „näher als je zuvor“, betonte Hamilton. Jetzt bloß nicht noch mehr Unruhe.

Diese WM ist reine Nervensache. Seltsam nur, dass sich die Formel 1 trotz des quietschengen Gigantenduells zwischen Vettel und Hamilton schon wieder einer Langeweile-Debatte stellen muss. Kaum Überholmanöver, zu wenig Action und Entertainment nörgelten Kritiker nach den jüngsten drei Rennen. „Das ist nicht gerecht. Schaut Euch die Fußball-WM an, viele Spiele werden nicht aufregend sein, einige aber unglaublich. Genauso sind einige Rennen spannend, andere eben nicht“, konterte Vettel. Geht es nach ihm, hätte er ohnehin nichts gegen weitere Solo-Siegesfahrten wie zuletzt in Montréal.

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