Ute Gallbronner  Uhr

Sie gehören zu den besten deutschen Nachwuchs-Biathleten: Sabrina und Mareike Braun vom DAV Ulm. Am Freitag beginnen die Deutschen Jugendmeisterschaften in Oberhof, bei denen die 16-jährigen Zwillinge aufs Podest wollen.

Die Saison ist bisher toll gelaufen...
Sabrina: Ja, das ist für uns beide die bislang beste Saison.
Mareike: Vor allem war die Leistung konstant. Bis auf ein paar Mal beim Schießen bei mir.

Ist das die Verteilung bei euch? Sabrina hat ihre Stärken beim Schießen, Mareike beim Laufen?
Mareike: Stimmt. Die Trainer wetten auch immer gerne, wer jetzt in der Komplexleistung besser ist.
Im Deutschland-Pokal habt ihr euch in der Führung abgewechselt. Aktuell liegt Mareike zwölf Punkte vorn.
 Sabrina: Am Anfang hatte ich Vorteile, dann waren wir punktgleich bis zu den letzten Rennen.

Nach neun Rennen genau gleichauf?
Mareike: Wir hatten gleich viele Punkte, genauso viele Siege und zweite Plätze. Nur bei den dritten hatte Sabrina einen mehr. Wir sind halt Zwillinge.
Sabrina: Zum Schluss waren es zu viele Wettkämpfe. Meine Laufleistung ist immer schlechter geworden. Wir hatten drei Deutschland-Pokal-Wochenenden im Januar, dazu SV-Cups, da ist keine Zeit zum Regenerieren geblieben. Außerdem haben wir weiter trainiert. Wir sind schon müde.

Ihr wart auch in den Jahren zuvor meistens vorne dabei in der deutschen Spitze, aber nicht so oft ganz vorne. Was hat sich geändert?
Sabrina: Wir haben letztes Jahr unsere Mittlere Reife gemacht und sind dann ans Skif gezogen, das Skiinternat in Furtwangen. Da sind die Bedingungen, um auf diesem Niveau trainieren zu können, natürlich besser als zuhause. Schon allein wegen des Schnees und der Berge. Die haben wir in Dornstadt einfach nicht.
Mareike: Wir trainieren jeden Tag, meistens ab nachmittags um drei. Nur dienstags nach Wettkämpfen ist trainingsfrei. Es ist insgesamt mehr und dadurch abwechslungsreicher. Außerdem haben wir hier leistungsmäßig eine gute Mannschaft.

Schauen auch mal die Stars vorbei?
Mareike: Schon. Letzten Freitag war Benedikt Doll da. Als wir im Herbst in Norwegen waren, haben sie uns in der Hütte besucht.

Benedikt Doll hat an der Robert-Gerwig-Schule Abitur gemacht. Dort seid ihr jetzt auch. Wie läuft es?
Sabrina: Es läuft. Wir haben unseren Vertrauenslehrer, der uns die Information von der Schule weiterleitet, wenn wir auf Lehrgängen und Wettkämpfen weg sind. Außerdem regelt er es auch, wenn wir Nachhilfe benötigen.
Mareike: Über den Winter sind wir vom Sportunterricht befreit, ab April müssen wir wieder hin.

Und was fällt euch am schwersten? Wieder in einem Zimmer zu wohnen?
Mareike: Nein, das geht schon. Jeder hat seine Ecke.
Sabrina: Die Familie fehlt. Wir können ja nicht jedes Wochenende nach Hause, weil sich das nicht lohnt. Die Schwarzwälder gehen heim und wir müssen da bleiben. Das ist nicht immer leicht.

Wie weit ist es nach Hause?
Mareike: Genau 204 Kilometer bis zur Haustüre.

Am Freitag beginnen die Deutschen Meisterschaften in Oberhof? Was rechnet ihr euch aus?
Mareike: Man soll ja nicht rechnen, vor allem weil im Biathlon viel passieren kann. Ich will auf jeden Fall gut schießen und eine Staffel-Medaille holen. Am liebsten zusammen mit Sabrina. Eigentlich will ich auch im Einzel aufs Podest.
Sabrina: Bei mir kommt es drauf an, was mein Kopf macht. Ich würde schon gern eine Medaille haben.

Was fehlt dem Kopf?
Sabrina: Mir ist vor drei Wochen im Krafttraining beim Reißen die Langhantel drauf gefallen. Eigentlich war es nur eine Beule, ich habe weiter trainiert, habe aber immer noch ständig Kopfschmerzen. Um sicher zu gehen, dass es nichts Schlimmeres ist, hat man das jetzt in Ulm genauer untersucht. Es scheint alles okay zu sein.
Was schätzt ihr an der anderen?
Mareike: Wir halten immer zueinander, egal was kommt, das finde ich richtig gut. Sicher gibt’s die ein oder andere Stelle, an der es schwierig wird, weil wir uns halt rund um die Uhr sehen. Die Zeiten sind aber zum Glück immer sehr kurz und gehen schnell vorbei. Ich bin jedenfalls froh, dass meine Schwester mit mir ans Internat gegangen ist.
Sabrina: Mareike ist für mich meine beste Freundin,  sie weiß alles über mich. Manchmal redet sie einfach meinen Satz zu Ende. Die letzten Wochen waren wegen der Verletzung schwer für mich, aber Mareike hat immer zu mir gehalten. Eine Zwillingsschwester zu haben ist einfach gut.

Zur Person

Werdegang

Mareike und Sabrina Braun kommen aus Reutti. Nach ihrem älteren Bruder Max haben sie schon früh mit Biathlon beim DAV Ulm begonnen. Ihre Trainer: Werner Rösch und Anna Wahls sowie Matthias Rösch in der Jugend. Beide sind im D/C-Bundeskader.

Oberhof

Am Freitag fällt bei der Deutschen Meisterschaft die Entscheidung im Einzel, morgen im Sprint. Sonntag werden die Staffel-Titel vergeben.