Tennis Zwei Talente, eine Leidenschaft

So gut wie unzertrennlich: Arina Vasilescu (rechts) und ihre jüngere Schwester Miruna spielen gemeinsam für die erste Tennis-Damenmannschaft des SSV Ulm 1846. Während der abgelaufenen Württembergliga-Saison waren sie im Doppel kaum zu schlagen.
So gut wie unzertrennlich: Arina Vasilescu (rechts) und ihre jüngere Schwester Miruna spielen gemeinsam für die erste Tennis-Damenmannschaft des SSV Ulm 1846. Während der abgelaufenen Württembergliga-Saison waren sie im Doppel kaum zu schlagen. © Foto: Volkmar Könneke
Alexander Finck 02.08.2018

Kraftvolle Aufschläge und geballte Fäuste bei Punktgewinnen, aber auch laute Schreie, Diskussionen über eigene Fehler und Streitereien auf Rumänisch. Wenn Arina Vasilescu und ihre jüngere Schwester Miruna gemeinsam auf einem Tennisplatz in der Friedrichsau stehen und sich im Trikot des SSV Ulm 1846 mit zwei anderen Damen aus der Württembergliga in einer Doppelpartie messen, geht es heiß her. Das südosteuropäische Temperament der beiden Spielerinnen kommt zum Vorschein.

Sobald sie aber den Platz verlassen, wird schon wieder gescherzt, gelacht und die lockere, immer positiv gestimmte Art des Geschwisterpaars wird deutlich. „Wir spielen gut zusammen, aber wir streiten uns sehr viel auf dem Platz“, sagt Miruna Vasilescu: „Abseits vom Platz sind wir dann wieder die besten Freunde.“

Die 19-Jährige schlägt seit zwei Spielzeiten für das erste Damenteam des SSV 46 und seit dem vergangenen Jahr auch für die Universität von Akron im amerikanischen Bundesstaat Ohio auf. Dort erhielt sie, nach erfolgreichem Abitur in Ulm und dank ihres Tennistalents, ein Vollstipendium und studiert Personalmanagement.

„Viele Freundinnen vom Tennis haben schon den Schritt ins Ausland gewagt und studieren auch dort“, erklärt Miruna Vasilescu: „Für mich stand nur ein Studium hier in Ulm oder in den USA zur Wahl. Die Entscheidung ist mir dann leicht gefallen.“

Das Angebot von der Universität in Akron sagte ihr am meisten zu: „Ich hatte ein gutes Gefühl, da der Trainer einen sehr professionellen Eindruck machte“. Dazu gab es für die Erstsemester-Studentin ein monatliches Taschengeld von circa 1000 Euro.

Maximal vier Stunden besucht sie täglich Uni-Kurse, die restliche Zeit wird mit Kraft- und Konditionstraining, wie ausgiebigem Tennisspielen verbracht. „An den Wochenenden stehen dann die Spiele und Turniere gegen andere Universitäten an“, sagt sie.

Schon in ihrer Debütsaison in der Mid-American Conference stellte die Linkshänderin ihr Können für die Uni-Sportmannschaft der „Zips“ unter Beweis. Sie avancierte sofort zur Tennis-Newcomerin des Jahres – mit einer Bilanz von 17 Siegen und fünf Niederlagen im Einzel.

Trotz der Ehrung möchte sie sich im Moment weniger auf eine sportliche Laufbahn konzentrieren, schließlich will sie sich beruflich absichern. „Aber ich werde in drei Jahren sehen, wie gut ich bin und ob ich es nicht doch noch versuchen soll“, sagt Vasilescu über ihre Zukunft.

Profikarriere vor Augen

Ihre große Schwester Arina geht einen komplett anderen Weg. Sie strebt eine Karriere als Tennis-Profi an. Seit ihrem fünften Lebensjahr schlägt die 21-Jährige den gelben Filzball über den roten Sandplatz und kann sich nichts anderes mehr vorstellen.

Im Jahr 2014 wechselte die Rechtshänderin zum SSV Ulm 1846 in das erste Damenteam. Zu dieser Zeit musste sie täglich pendeln, da sie in Ravensburg lebte und in Tettnang zur Schule ging. „Das war ziemlich hart. Ich musste jeden Tag um vier Uhr aufstehen und bin nicht vor 22 Uhr zuhause gewesen“, sagt sie. Dann folgte der Umzug nach Ulm mit samt der restlichen Familie.

Trainiert wurde sie ihr ganzes Leben lang von ihrem Vater, bis in Ulm ihr heutiger persönlicher Coach Sebastian Bättger, Spielertrainer der Ulmer Herren, auf sie aufmerksam wurde. Er war von ihrer „außergewöhnlichen Spielweise, die zwar noch wild und ohne Plan, aber unfassbar schnell“ war, begeistert. Und da Bättger großes Potenzial in der jungen Spielerin sah, fing er an sie täglich zu coachen und Struktur in ihren Spielstil zu bringen.

Vor zwei Jahren fasste Arina Vasilescu dann den Entschluss, eine sportliche Profikarriere einzuschlagen. Doch die vielen durchfeierten Stunden im Ulmer Nachtleben halfen ihr dabei nicht. „Ich hab ihr dann erklärt, dass es so schwierig wird und sie sich für eine Sache entscheiden muss – Tennis oder Spaß“, sagt Bättger.

Die Ansage fruchtete und ab Januar 2017 war knallhartes Training, vier bis sechs Stunden täglich, für Vasilescu angesagt. Drei Monate später trat sie bei ihren ersten internationalen Turnieren an. Sie spielte sich innerhalb von einem Jahr von null auf Platz 865 der WTA-Weltrangliste.

Trotzdem verlor die Ulmer Spielerin durch das Partymachen wertvolle Zeit und ihre Eltern wendeten sich von ihrem Traum ab, da sie strikt gegen die Tennis-Karriere waren. „Ich bekomme keine Unterstützung und ziehe mein Ding komplett alleine durch“ sagt Vasilescu. Sie steht bislang bei den Turnieren noch ohne eigenen Sponsor auf dem Platz und finanziert sich ihren Traum von der Tennis-Karriere mithilfe von den Ersparnissen, die durch die Spielzeiten beim SSV Ulm 46 und einem französischen Verein nahe Dijon anfallen.

„Ich verdiene in den Tennis-Klubs gerade so viel, dass ich die Turniere und Reisen bezahlen kann“, sagt die Nummer 51 der deutschen Rangliste, die noch auf ihren ersten Triumph bei einem Turnier wartet.

Ihr großes Ziel ist, in den kommenden Jahren viele Punkte bei internationalen Turnieren zu ergattern und dadurch sich auf die Liste der Top-100-Spielerinnen der Welt zu arbeiten. „Erst dann kann ich vom Tennisspielen leben“, sagt sie. Ihr Coach Bättger sieht dem positiv entgegen: „Sie hat das Talent, die Bälle sehr früh zu spielen und dadurch viel Druck zu entwickeln. Dazu bewegt sie sich gut und ist mental sehr stark.“ Einzig und allein „die Konsequenz in den entscheidenden Spielphasen fehlt.“

Schwer zu schlagen

Konsequent war Arina Vasilescu dagegen mit ihrer Schwester Miruna in der abgelaufenen Württembergliga-Saison. Sie standen fünfmal gemeinsam für den SSV bei einem Doppel auf dem Platz. Vier Partien gewannen sie – bei einem Spiel mussten sie sich knapp geschlagen geben. Auch kommende Spielzeit wird das Geschwister-Duo wieder für das erste Ulmer Damenteam spielen. „Beide treten uneigennützig auf und haben sich als wertvolle Teamspielerinnen etabliert. Mit ihrer positiven Art sind sie ein Gewinn für unsere Mannschaft“, schwärmt Damen-Coach Christian Stich vom SSV 46.

Der erfahrene Tennis-Trainer wird es mit einem Lächeln hinnehmen können, wenn es im nächsten Jahr wieder energievoll, hitzig und temperamentvoll zur Sache geht, sobald die Schwestern Arina und Miruna Vasilescu gemeinsam die Schläger bei einer Doppelpartie schwingen.

Langer Weg bis in die Münsterstadt

Geboren und aufgewachsen sind Arina und Miruna Vasilescu in der Nähe der rumänischen Hauptstadt Bukarest. Die beiden Töchter einer Lehrerin und eines In­ge­n­ieurs fingen schon im Kindesalter an Tennis zu spielen. Ihr Coach dabei war ihr Vater, der nie eine Trainerausbildung gemacht hatte. Er hatte, als die Mädchen im Teenager-Alter waren, die Idee nach Spanien auszuwandern, um sie auf eine Tennis-Akademie in Madrid zu schicken. Da die Eltern aber keine Arbeit fanden, gingen sie nach nur einem Jahr zurück. Erst 2012 kam Familie Vasilescu dann nach Deutschland und zog unzählige Mal um, damit Arina und Miruna ihrer Leidenschaft nacheifern konnten. Letztendlich folgte der Umzug nach Ulm. Dort stellte die Tennis-Abteilung des SSV 1846 der Familie eine Wohnung über der Jahnhalle zur Verfügung und organisierte Schulplätze für die Kinder. Dazu fand die Mutter einen Arbeitsplatz im „HaLo“ des SSV. Arina und Miruna helfen im Verein, wo auch immer sie können – sie fühlen sich wohl beim SSV und in Ulm. af

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel