Rudern Ulmerin Clara Oberdorfer auf dem Weg zur Ruder-WM

Clara Oberdorfer verbringt fast jede freie Minute im Rennboot auf der Donau.
Clara Oberdorfer verbringt fast jede freie Minute im Rennboot auf der Donau. © Foto: Hansjörg Käufer
Ulm / Hansjörg Käufer 05.07.2018

Zwölf Jahre ist es mittlerweile her, dass der Ulmer Erfolgsverein Teilnehmer zu einer Junioren-WM senden konnte. Damals waren es zwei gute Bekannte: Kerstin Hartmann und Maximilian Reinelt. In Clara Oberdorfer zeichnet sich nun ein neuer Stern am Ulmer Ruder-Himmel ab.

Schon früh im Jahr ließ die talentierte Athletin des Ulmer Ruderclubs Donau (URCD) ihr Talent aufblitzen. Für Trainer Marcus Maier lag es deshalb auf der Hand, Clara Oberdorfer mit der Hanauerin Celina Waldschmidt in den Zweier zu setzen. Auf Anhieb fuhr das Duo in die deutsche Spitze. Zudem darf es als glückliche Fügung angesehen werden, dass beim Hanauer Ruderclub zwei weitere Juniorinnen rudern. Deshalb lag es nahe, einen schlagkräftigen Vierer zu bilden. „Allerdings musste ich mich erst mal gegen zwei Mitbewerberinnen durchsetzen“, erinnert sich Clara Oberdorfer.

Letztlich fiel dem Hanauer Coach Volker Lechtenberg, die Entscheidung leicht und der Vierer-ohne mit Clara Oberdorfer, Celina Waldschmidt, Lisa Holbrook und Shirin Dragusha war vom Stapel gelassen. „Es passt von der Leistung und Technik gut – und an Land verstehen wir uns ebenfalls super“, sagt die Ulmerin über die Crew.

Das Quartett eilte von Erfolg zu Erfolg, siegte auf den internationalen Regatten in München, Köln und Hamburg. Dabei zeigten die Vier der Konkurrenz immer klar und deutlich ihre Grenzen auf. Und da der deutsche Jugendmeister in dieser Bootsklasse die Direktnominierung zur Junioren-WM erhält, gab es für die jungen Damen nur ein Ziel: bei den nationalen Titelkämpfen sollte es Gold werden.

Doch diesmal wartete um die Ecke eine Wendung der unguten Art. Wenige Tage vor der Meisterschaft erkrankte Celina Waldschmidt. Mit der Ersatzfrau fehlte es an der Feinabstimmung, im Finale reichte es eine Länge hinter dem Team Nord-West nur zu Silber. Für Clara Oberdorfer der Super-Gau: „Das war wirklich bitter: Da fahren wir ungeschlagen zur Meisterschaft und müssen anderen das WM-Ticket überlassen“, erinnert sich die 16-Jährige. Immerhin sprang anschließend noch ein deutlicher Sieg im Achter heraus. „Das war wenigstens ein kleiner Trost, zumal wir mit dem Süd-Team noch keinen Achter-Sieg verbuchen konnten“, sagt die Schubart-Gymnasiastin.

Positive Überraschung

Das blieb auch Bundestrainerin Sabine Tschäge nicht verborgen. Sie wollte auf keinen Fall auf Oberdorfer und Co. verzichten und lud das Quartett aus Ulm und Hanau zum WM-Vorbereitungslehrgang ein. „Im Prinzip geht es nur noch darum, wer im Achter und wer im gesteuerten Vierer sitzt“, erklärt Marcus Maier. Schon am kommenden Samstag beginnt der Lehrgang in Berlin-Grünau. „Wir müssen einen Ergometertest fahren, außerdem werden im Messboot verschiedene Parameter zu Druckverhalten, Wasserweg und Schlaglänge geprüft“, sagt die Ulmerin. Der Schock von der deutschen Meisterschaft ist inzwischen verdaut. Und egal ob im Achter oder Vierer: „Es bieten sich neue Chancen.“ Clara Oberdorfer ist auf alles vorbereitet.

Über die Zeitung ins WM-Boot gekommen

3 Jahre ist es her, dass Clara Oberdorfer vom Hockey („hat mir jetzt nicht so gefallen“) zum Rudern gewechselt ist. Die Anregung kam von ihrer Mutter, als sie davon in der Zeitung las. Erste Rennen fuhr die Schülerin noch im selben Jahr. 2017 schaffte sie es in die Landesauswahl und wurde bei den B-Junioren gleich Sechste im Doppelvierer.

20 Stunden Training pro Woche nimmt die Leistungssportlerin auf sich, um in der Weltspitze mitzurudern. Hinzu kommen die Fahrzeiten zum Training nach Hanau und die vielen Regattabesuche. Das bedingt Fehlzeiten in der Schule. „Da bin ich unserer Schulleiterin für die Unterstützung sehr dankbar““, sagt Oberdorfer.

6 Wochen Vollgas liegen jetzt noch vor die Ulmer Schülerin. Direkt im Anschluss an  die WM, also ab Mitte August, will sich Clara Oberdorfer aber erst einmal bei ihrer Familie entspannen. Spätestens Ende September steigt sie dann wieder ins Training ein – denn sie ist sich sicher: „Ich habe große Lust, weiter Rennen zu fahren.“

16 Jahre ist Clara Oberdorfer jung – und wird erst im Dezember 17. Damit ist sie eine der jüngsten Teilnehmerinnen bei der Junioren-WM, wo fast nur 17- und 18-Jährige starten. Doch die Einteilung der Ruderklassen nach Jahrgängen macht es möglich, dass sich auch 16-Jährige qualifizieren können, was jedoch äußerst selten ist.

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