Um sein Argument zu untermauern, wählt Wolfgang Leißa eine historische Analogie – und zwar aus dem römischen Reich. Dort wird Cato dem Älteren zugeschrieben, jede seiner Reden mit dem Satz „Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss“ beendet zu haben.

Beim Wasserball-Trainer des SSV Ulm 1846 geht es nicht um Zerstörung, sondern um einen Neubau – und zwar den eines wasserballtaugliches Hallenbads in Ulm. Für die Heimspiele muss der Oberligist in die rund 58 Kilometer entfernte Heidenheimer Aquarena ausweichen, weil es in Ulm kein entsprechendes Bad gibt – und auch noch nie gab, wie der Trainer betont. Dass Oberbürgermeister Gunter Czisch verkündete, dass es in den kommenden fünf Jahren auch kein neues Bad geben wird, brachte für Leißa das Fass zum Überlaufen.

Der 54-Jährige hat sich, frei nach Cato, vorgenommen, jedes öffentliche Statement mit dem Hinweis zu beenden, dass es in Ulm kein wasserballtaugliches Hallenbad gibt. Er setzt darauf, ein Bewusstsein in der Bevölkerung zu schaffen: „Es wissen ja auch viele Ulmer, dass wir eine jämmerliche Situation bei den Hallenbädern haben.“ Leißa betont, dass es nicht nur um Wasser-, sondern auch um den Schulsport gehe – und um die Entlastung der Bäder für reguläre Besucher: „Es ist für normale Bürger nicht einfach, ins Hallenbad zu gehen. Entweder sind Schulen oder Vereine drin.“

Nürnberg als Vorbild

Um im Ligabetrieb Wasserball spielen zu können muss ein Becken mindestens 25 Meter lang eine durchgängige Wassertiefe von mindestens zwei Meter haben. Idealerweise auf sechs Bahnen, hier könnte man allerdings mit Ausnahmegenehmigungen arbeiten. In Ulm sind alle Becken zu flach. Leißa schlägt vor, dass Ulm sich Nürnberg zum Vorbild nehmen sollte. In der mittelfränkischen Stadt gab es große Probleme mit der Überlastung der Bäder. Die Stadt hat daraufhin ein neues, modernes Hallenbad gebaut. Mit 50-Meter-Becken, 25 Meter breit und drei Mittelwänden, die hochgefahren werden können. Für den 54-Jährigen eine „vernünftige Lösung“, von der letztlich alle profitieren. Der gesamte Schulsport findet dort statt, am Abend nutzen dann die Vereine das Bad. Und die restlichen Bäder in der Stadt werden enorm entlastet, was der Bevölkerung entgegenkommt.

Eine denkbare kurzfristige Lösung für das Problem der Ulmer Wasserballer könnte das Bundeswehr-Schwimmbad sein. Das Problem: „Das steht uns schlicht und ergreifend nicht zur Verfügung, da dürfen wir nicht rein“, erklärt Leißa. Er ist sich allerdings nicht sicher, ob es überhaupt die wasserballtauglichen Maße mitbringen würde: „Ich war da seit meiner eigenen Bundeswehrzeit nicht mehr – und da auch nur einmal.“