Extremsport In zwölf Minuten auf dem Empire State Building

Ralf Hascher (Mitte/Nr. 13) beim Start zum „Empire State Building Run Up“. Vor 15 Jahren hat ein Bericht über diese Veranstaltung sein Interesse am Treppenlauf geweckt.
Ralf Hascher (Mitte/Nr. 13) beim Start zum „Empire State Building Run Up“. Vor 15 Jahren hat ein Bericht über diese Veranstaltung sein Interesse am Treppenlauf geweckt. © Foto: Mark Millar
Ulm / Detlef Groninger 08.03.2018
Ralf Hascher hat ein ungewöhnliches Hobby: Er ist Treppenläufer und gehört zur erweiterten Weltspritze. Warum ein Stuhl zu Beginn seiner Laufbahn eine zentrale Rolle spielte, lesen Sie hier.

Was die Lektüre eines Reiseführers so bewirken kann... Der Ulmer Ralf Hascher hatte vor 15 Jahren erstmals in einem Buch vom New Yorker Empire State Building-Lauf gelesen. Inzwischen gehört der 38-jährige Mechatronik-Ingenieur zur erweiterten Weltspitze im Treppenlauf. „Ich habe in den letzten Jahren ziemlich viel Fortschritte gemacht“, sagt Hascher.

Das konnte er im Februar mit Platz vier unter 300 Teilnehmern beim „Empire State Building Run up“ in New York unter Beweis stellen, dem wohl bekanntesten Treppenlauf. Die 1576 Stufen des imposanten Gebäudes absolvierte er in zwölf Minuten und elf Sekunden. Und bei der Treppenläufer-Veranstaltung am vergangenen Wochenende in Warschau gelang ihm wie in der Regel bei jedem Rennen die Qualifikation für das Finale der zehn Top-Athleten.

160 Höhenmeter und 836 Stufen galt es dabei zu bewältigen. Hascher benötigte im Vorlauf vier Minuten und fünf Sekunden. Im Finale am gleichen Tag war er dann fünf Sekunden langsamer und wurde Zehnter. Zum Vergleich: Der Sieger und Weltranglistenerste Piotr Lobodzinski (Polen) war im Endlauf 28 Sekunden schneller. „Das ist Leistungssport und kein Kinderfasching“, betont der Schwabe, im vergangenen Jahr in der Weltcup-Wertung auf Rang elf von 100 Athleten.

Zwischen sechs und zwölf Mal die Woche absolviert er mindestens 60-minütige Trainingseinheiten, die aber auch fernab den Trainingsstufen in der Ulmer Schapfenmühle der Grundlagenausdauer, Koordination und Stabilisierung dienen. Und das alles auch noch zusätzlich zur beruflichen Beanspruchung. „Die Spitzenläufer arbeiten alle. Im Augenblick lässt sich mit diesem Sport der Lebensunterhalt sicher nicht finanzieren“, erklärt Hascher, der mittlerweile bei zwölf bis 15 internationalen Rennen pro Jahr am Start ist. Schließlich hat er längst einen Ehrgeiz entwickelt. „Ich will möglichst unter die Top fünf der Welt“, kündigt er an.

2005 hatte der frühere Hobbysportler (Turnen und Triathlon) seine Treppenläuferpremiere im Chicago Sears Tower gefeiert. Damals hatte er in Aalen für möglichst wenig Unterbrechung auf seiner eigenen Trainingsstrecke gesorgt. Das 14-stöckige Studentenwohnheim war er mit einer Zehnkilogramm-Weste hochgerannt. Gleichzeitig hatte er einen Stuhl im Aufzug im obersten Stockwerk deponiert, damit der Fahrstuhl bis zu seiner Ankunft blockiert war und er gleich wieder nach unten fahren konnte.

Seine Begeisterung für diese exotische Sportart ist nun ungebrochen. Hascher: „Ich habe aber Spaß an sehr vielen Dingen. Ich bilde und entwickle mich ständig weiter und habe ein weltweites Netzwerk aufgebaut. Zudem bin ich aktiv bei Human Connection. Ich sehe mich als Bürger der Welt und nicht eines Landes.“

WM-Start im Mai in Taipeh

Ehrenamt Ralf Hascher ist beim Treppenlauf-Weltverband ehrenamtlich als „Sports Media Marketing Director“ tätig. Zudem startet er bei der WM am 5. Mai. Dabei müssen in Taiwans Hauptstadt die 2109 Stufen des Taipeh 101, dem mit 508 Metern siebtgrößten Wolkenkratzer der Erde, eineinhalb Mal überwunden werden.

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