Turnen Turnerin Janine Berger vor vierter Operation

Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere: Mit 16 Jahren war Janine Berger in London 2012 jüngste deutsche Olympia-Teilnehmerin.
Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere: Mit 16 Jahren war Janine Berger in London 2012 jüngste deutsche Olympia-Teilnehmerin. © Foto: dpa
Ulm / Von Manuela Harant 15.12.2016

Eigentlich ist Janine Bergers Platz beim Gymixed in der Kuhberghalle an den Geräten. Doch diesmal muss die Kunstturnerin des SSV Ulm 1846 wie schon im vergangenen Jahr auf der Tribüne Platz nehmen. Am Ende eines Jahres voller Rückschläge ist dies der traurige Höhepunkt einer Ausnahme-Athletin, der mit 20 Jahren doch noch die sportliche Zukunft offen stehen sollte. Doch das Gegenteil ist aktuell der Fall.

Dass ihr Überraschungserfolg mit dem vierten Platz bei den Olympischen Spielen 2012 in London für lange Zeit der sportliche Höhepunkt ihrer Laufbahn war, das dachte die damals 16-Jährige sicher nicht. Doch zwei Bänderrisse und drei Operationen später steht nun der Gedanke im Vordergrund, die eigene Gesundheit über die sportliche Laufbahn hinaus nicht zu gefährden.

Denn nach Monaten der Schinderei im Training mit immer wiederkehrenden Schmerzen wurde jetzt eine Verletzung diagnostiziert, die Janine Berger bei ihren unermüdlichen Comeback-Versuchen erneut ausbremst: Wohl schon im September erlitt die SSV-Turnerin ihren dritten Meniskusriss, der jedoch erst im Rahmen einer Zweituntersuchung in München entdeckt wurde. Die vermutlich schon das ganze Jahr über angeschlagene Knorpelscheibe im Knie hat im Herbst erneut unter den starken Belastungen im Training am Ulmer Leistungszentrum kapituliert.

Für Janine Berger ist diese Nachricht zwar einerseits ein neuerlicher Rückschlag, weil sie nun vor ihrer insgesamt vierten Operation am linken Knie – und der dritten am Meniskus – steht. „Je mehr man daran rumschnippelt, desto geringer wird natürlich die Funktion des Menikus als Stoßdämpfer für die Gelenke“, sorgt sich Janine Berger um eventuelle Folgeschäden.

Andererseits bedeutete die späte Diagnose auch eine Erleichterung, endlich zu wissen, woher die immer wiederkehrenden Schmerzen kommen. „Ich wusste schon lange, dass mit meinem Knie etwas nicht stimmt, aber das ganze Jahr über hieß es immer: Da ist nichts. Ich habe aber gespürt, dass der Meniskus bei den Landungen immer wieder rausspringt“, erklärt die 20-Jährige rückblickend ihr Dilemma. Dabei wechselten sich völlig unerwartet gute Tage mit denkbar schlechten ab. Dass ihr Umfeld beim SSV Ulm 1846 mit der Zeit an der Existenz eines gesundheitlichen Problems zweifelte, kann sie zwar verstehen, „weil ich es ja selbst irgendwann nicht mehr verstanden habe, was mit meinem Körper los ist“. Dennoch wurde die Olympia-Vierte am Sprung dadurch zusätzlich verunsichert.

Ehrgeiz auch im Studium

Aber es gab in diesem Jahr nicht nur Rückschläge. Positiv war für Janine Berger vor allem, dass sie ihr Studium in Sport-, Event- und Medienmanagement in München aufnehmen konnte und damit einen wichtigen Grundstein für die Karriere nach der aktiven Sportler-Laufbahn legen konnte. „Mir war ja immer klar, dass ich vom Turnen allein nicht leben kann. Aber es ging für mich immer um Erfolg, und den strebe ich beruflich natürlich genauso an wie im Sport“, sagt die ehemalige Ulmer Schülerin.

Auch deswegen steht nun die Gesundheit ihres Knies zunächst für den Alltag im Vordergrund. „Ich hätte es eben gerne auch mit 40, 50 oder auch 70 Jahren noch“, sagt Janine Berger, die keine Prognose für ihr Sportjahr 2017 abgeben will. „Natürlich würde ich gerne wieder auf Bundesliga-Niveau turnen, aber nicht auf Kosten meiner Gesundheit.“ Auch die Ärzte, die ihr malträtiertes Knie gesehen haben, hätten sie diesbezüglich gewarnt und auf den Boden der Tatsachen gebracht.

„Gleich im Januar werde ich operiert, danach denke ich Schritt für Schritt“, blickt Janine Berger vorsichtig voraus. Und wenn es doch nicht mehr für ein Turn-Comeback reicht, hat sie Familie, Freunde und eine berufliche Perspektive, die ihr in der vergangenen schwierigen Zeit gezeigt haben, dass das Leben auch abseits der Geräte weitergeht.

Langer Weg mit Höhen und Tiefen

2008

Janine Berger vom SSV Ulm 1846 wird mit zwölf Jahren Deutsche Jugendmeisterin im Mehrkampf, Sprung und Boden.

2011

Bei der Jugend-Olympiade dominiert Berger die Sprung-Konkurrenz.

2012

Als neue Deutsche Meisterin im Sprung darf sie in ihrer Spezialdisziplin auch bei Olympia in London antreten und verpasst als Vierte aufgrund eines Wertungsfehlers nur knapp das Treppchen.

2013

Im April bei einem Weltcup-Turnier in Frankreich erleidet Janine Berger nach der Landung einen Innenbandriss im linken Knie, der operiert werden muss und sie fast die komplette Saison außer Gefecht setzt.

2014

Am 24. August wagt Berger bei den Deutschen Meisterschaften erstmals wieder ihren schweren Olympia-Sprung – und zieht sich bei der Landung einen Kreuzbandriss mit Außenbandriss und Meniskusschaden zu. Zuvor war sie an ihrem Parade-Gerät bei der EM Vierte geworden und hatte das Turnier der Meister gewonnen.

2015

Janine Berger wagt nach einer weiteren OP wegen einer Zyste bei der Deutschen Meisterschaft im September ihr Comeback und tritt auch in der Bundesliga an. Doch beim Gymixed im Dezember muss sie mit erneuten Knieproblemen wieder pausieren.

2016

Trotz intensiver Reha- und Trainingsmaßnahmen kann Janine Berger keinen Wettkampf mehr turnen und verpasst auch Olympia in Rio. Anfang Dezember wird ein erneuter Meniskusriss diagnostiziert, die Operation ist für Januar 2017 geplant.

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