Tanzen Stuttgarter Turnier ohne Segatori/Sudol

Fehlen beim GOC: Simone Segatori und Annette Sudol.
Fehlen beim GOC: Simone Segatori und Annette Sudol. © Foto: imago/Pressefoto Baumann
Stuttgart / Elina Korechkovski 08.08.2018

Die Landeshauptstadt versprüht noch bis Samstag in ihrer Liederhalle internationalen Tanzsport-Flair. Im Rahmen der German Open Championships (GOC) findet das größte Grand Slam Turnier der Welt statt. In den Vorjahren gab es für Deutschland immer wieder Gold oder Silber. Diesmal wird vieles anders: Die Standardweltmeister von 2014 und die amtierenden Deutschen Profimeister, Simone Segatori (36)/Annette Sudol (34), sind erstmals nicht dabei.

Anfang Juni 2018 gaben sie ihren Wechsel zum „British Dance Council“, dem ältesten Tanzverband der Welt bekannt. Damit sind sie aus dem Deutschen Tanzsportverband (DTV) sowie aus der World Dancesport Federation, dem Veranstalter der Grand Slam Turniere, ausgetreten. Mit diesem Wechsel platzt die Hoffnung, dass sie in die Fußstapfen der vor einem Monat zurückgetretenen, zweifachen Profiweltmeister Benedetto Ferruggia/Claudia Köhler (beide 37) vom TSC Astoria Stuttgart treten werden.

Üblicherweise starten die Paare nur bei Turnieren des eigenen Verbandes. Daher müssen die GOC auf die Teilnahme ihres Aushängeschildes wohl für immer verzichten. Derzeit gibt es kein deutsches Paar, dem sich eine vergleichbare tänzerische Reife zuschreiben ließe.

Dreimal waren Segatori/Sudol Kürweltmeister im Standard, der Titel in den fünf Standardtänzen ließ aber lange auf sich warten. Immer wieder mussten sich mit Silber begnügen. Dank ihrer Beharrlichkeit und Ausdauer bescherten sie Deutschland im Jahr 2014 aber den lang ersehnten Weltmeistertitel. Im Oktober 2017 wechselte das Stuttgarter Duo ins Profilager – zu einem Zeitpunkt, als der Rücktritt ihrer ehemaligen Vereinskameraden Köhler/Ferruggia bereits absehbar war. Auch damit geht eine Ära für den DTV zu Ende.

Eigenen Stil entwickelt

Immer wieder reisten zahlreiche Fans zum Stuttgarter Turnier, um die beiden deutsch-italienischen Ausnahmepaare live zu sehen. In den 14 Jahren ihrer Tanzpartnerschaft prägten Segatori/Sudol die Geschichte des deutschen Tanzsports. Sie bleiben den Zuschauern in Erinnerung als ein Paar, welches weitgehend auf spektakuläre Posen verzichtet und einen besonderen Wert auf natürlichen Bewegungsfluss und Musikalität legt. In einer Zeit, als der Trend zu mehr Akrobatik ging, setzten sie ein Zeichen: „Wir wollen den Zuschauern ein ästhetisch schönes Tanzen zeigen, das leicht aussieht“, sagte Simone Segatori.

DTV-Präsidentin Heidi Estler findet den Wechsel bedauerlich, reagiert jedoch mit Verständnis: „Es ist normal, dass ein Spitzenpaar an einem gewissen Punkt der Karriere nach den besten Entwicklungsmöglichkeiten sucht.“ Estler sieht kurz- bis mittelfristig keinen direkten Nachfolger am Tanzsporthimmel. „Wir haben jedoch Nachwuchspaare und ich bin zuversichtlich, dass wir in Deutschland langfristig wieder ein Spitzenpaar im Standard haben werden“, fügt sie hinzu. Das heißt aber zugleich, dass Deutschland bei den kommenden GOC im Medaillenkampf vorerst nicht mitreden wird.

Im Stuttgarter Latein-Turnier kann sich Deutschland hingegen berechtigte Hoffnungen auf  Gold machen. Nach dem Wechsel der amtierenden Weltmeister aus Moldawien zum Profilager ruhen die Hoffnungen auf dem Pforzheimer Spitzenpaar Marius-Andrei Balan/Kristina Moshenkska. Ihre ehemaligen Vereinskollegen Timur Imametdinov/Nina Bezzubova, die jetzt für den Grün Gold Club Bremen starten, wollen ebenfalls in den Kampf um Gold eingreifen.

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