Eishockey Sport vor 50 Jahren: Der Beginn der Eiszeit

In den 70er Jahren: Spieler des EC Ulm/Neu-Ulm im Trikot mit dem Klubnamen auf der Brust.
In den 70er Jahren: Spieler des EC Ulm/Neu-Ulm im Trikot mit dem Klubnamen auf der Brust. © Foto: Archiv
Ulm / Wolfgang Scheerer 22.03.2018

Olympische Spiele können so eine Art Katalysator fürs regionale Sportgeschehen sein. Das war und ist so. Kaum gingen 1968 die Winterspiele in Grenoble zu Ende, meldete die Schwäbische Donau Zeitung (SDZ), Vorläuferin der SÜDWEST PRESSE, eine richtungsweisende Vereinsgründung: die des EC Ulm/Neu-Ulm im März vor 50 Jahren. Von Anfang an weckte der neue Eissport-Club großes Interesse.

Auf Anhieb gelang es, 50 Mitglieder zu werben.  Und: Der prominente Traditionsverein EC Oberstdorf wurde für eine Patenschaft gewonnen. Der Zweck des neuen Klubs war schnell umrissen: „Allen Mitgliedern die Ausübung des Eissports und die Teilnahme an eissportlichen Wettkämpfen zu ermöglichen sowie werbend und fördernd für den Eissport zu wirken.“

Der zum Vorsitzenden gewählte Theodor Klinger aus Neu-Ulm skizzierte, wie sich bereits am 15. Dezember 1967 zunächst ein „dreiköpfiges Aktionskomitee“ zusammenfand. Für die Gründungsversammlung war dann auch genügend Personal gefunden, um alle Positionen zu besetzen: Klingers Stellvertreter war zugleich „Obmann Kunstlaufen und Eistanz“. Außerdem gab es einen „Spartenleiter für Eishockey“, und der Schriftführer war zudem verantwortlich für die „Fachgebiete Eisstockschießen und Curling“.

Damit war schon einiges gewonnen, denn bisher hatte sich „Eissport“ in Ulm und Neu-Ulm vor allem auf die kurze Phase gefrorener Seen in der Umgebung und einige Natureisbahnen beschränkt, wie sie beispielsweise bei den Tennisplätzen der TSG 46 entstand, wenn bei entsprechenden Minustemperaturen künstlich gewässert wurde.

Auch der neue EC Ulm/Neu-Ulm wollte sich „mit einer Natureisbahn, die allerdings möglichst lange über die ganze Wintersaison 1968/1969 zur Verfügung stehen soll, begnügen“, so hieß es im SDZ-Bericht. Und: „Klinger vertrat die Meinung, daß sich zunächst einmal private Initiative und Begeisterung für den Eissport zeigen müsse, bevor man von den Städten die Schaffung von Kunsteisbahnen verlangen können“. Das führte um 1978 dazu, dass im „Exil in Illertissen“ (SDZ) trainiert werden musste.

Weitere zehn Jahre sollte es von da an noch dauern, bis die heutige Eishalle beim Donaubad gebaut war. Im so genannten Donau Ice Dome mit rund 400 Sitzplätzen und einem Fassungsvermögen von insgesamt 2500 Zuschauern trainieren und spielen aktuell die Eishockey-Teams der Ulm/Neu-Ulm Devils. Hier und auf der unüberdachten Eisfläche nebenan sind außerdem die Eiskunstlauf-Talente des EV Ulm/Neu-Ulm aktiv. Was die heutigen Klubs mit dem ursprünglichen verbindet: Beide tragen städteübergreifend „Ulm/Neu-Ulm“ im Namen wie einst. Einen EC Ulm/Neu-Ulm gab es bis 1997, bis zum Jahr 2000 dann den EHC Ulm/Neu-Ulm, den ECU 2000 in variierender Form bis Ende 2007, als nach dem Insolvenzantrag die damalige Mannschaft der „Riverhawks“ vom Spielbetrieb der bayerischen Eishockey-Landesliga abgemeldet werden musste. Danach entstand 2008 der VfE Ulm/Neu-Ulm. Zunächst, um dem Nachwuchs des ECU 2000 ein Weitermachen zu ermöglichen. Seit dieser Saison schließlich treten die Mannschaften des VfE, der kürzlich zehnjähriges Bestehen feierte, unter dem Namen „Devils“ an.

Erfolgreicher Patenverein

Während es hier zahlreiche Namenswechsel gab, existiert der „Patenverein“ EC Oberstdorf, dessen Eishockey-Mannschaft 1967 in die Bundesliga aufgestiegen war, quasi unverändert seit der Klubgründung 1924.

Von Anfang an zählte auch der Eiskunstlauf fest zum Vereinsprogramm – und tut es immer noch. Das zeigt nicht zuletzt der Olympiasieg der Paarläufer Aljona Sav­chenko und Bruno Massot bei den Spielen in Südkorea.

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