Ulm Sport vor 50 Jahren: "Ebo" Eberles Rückkehr macht nicht alle froh

In seinem letzten Jahr bei den Spatzen: Hans „Ebo“ Eberle (rechts), ein Klasse-Verteidiger.
In seinem letzten Jahr bei den Spatzen: Hans „Ebo“ Eberle (rechts), ein Klasse-Verteidiger. © Foto: Archiv
Ulm / WOLFGANG SCHEERER 26.08.2016
Die Fußballer des SSV Ulm starteten als Aufsteiger stark in die Saison der 1. Amateurliga. Dann kam Ex-Spatz Hans Eberle mit dem VfR Heilbronn . . .

Eine Ski-Weltmeisterschaft mitten im August. Das gab es tatsächlich: vor 50 Jahren im Winter von Chile. Die Schwäbische Donau Zeitung (SDZ) war voll mit Berichten aus einem kargen Ort in den Anden oberhalb der Baumgrenze namens Portillo. Was die Leser wussten: Diese Alpin-WM war die erste auf der Südhalbkugel. Was sie damals nicht wissen konnten: Es war bis heute auch die einzige dort und wird’s wohl bleiben. August und Wintersport, während die Fußball-Bundesliga beginnt, das wäre inzwischen undenkbar.

Unvorstellbar war lange Zeit auch, dass die ehemaligen Erstliga-Kicker der TSG 46 in der SDZ-Berichterstattung viel kleiner wegkommen würden  als der 1. SSV Ulm 1928. Doch im August 1966 änderte sich die Gewichtung: Denn der SSV war aufgestiegen in die 1. Amateurliga Nordwürttemberg, die Spatzen abgestiegen in die 2. Amateurliga Nordwürttemberg. Sie waren also in einer ähnlichen sportlichen Situation wie heute: viertklassig.

Der SSV Ulm stahl dem Lokalrivalen TSG 46 auch so gehörig die Schau: Mit einem Bilderbuchstart ging es in die Saison. Die „Schwimmsportler“ standen an der Tabellenspitze – bis ein einstiger Ulmer auftauchte: Hans Eberle. Der gebürtige Söflinger zählte zu den ruhmreichen Vertragsspielern der Spatzen, war dort von 1946 bis 1953 am Ball, danach bis 1957 bei den Stuttgarter Kickers. Der rothaarige Verteidiger brachte es auf insgesamt 241 Spiele in der damals höchsten Klasse, der Oberliga Süd, und erzielte sechs Tore.

Die SDZ-Redaktion wurde fast ein wenig sentimental: „Ein Wiedersehen mit einem klangvollen Namen aus der guten alten Ulmer Fußballzeit gibt es im Stadion: Hans Eberle trainiert seit Saisonbeginn den VfR Heilbronn.“  Auch für ein B-Länderspiel war „Ebo“ Eberle nominiert, dazu kamen neun Amateurländerspiele, und er war Olympiateilnehmer 1952 in Helsinki. Nach der aktiven Karriere folgte die Trainerlaufbahn, parallel arbeitete Eberle als Lehrer (später Rektor) in der Grundschule in Gaisburg, quasi in Sichtweite des VfB Stuttgart.

Der Ulmer Trainer Feri Beseredy hatte gegen den VfR Heilbronn immerhin seinen Stammkeeper wieder zur Verfügung: „Bei Torhüter Wenig sind die drei (!) Nasenbrüche aus dem Freundschaftsspiel gegen den Karlsruher SC endgültig wieder verheilt“, berichtete die SDZ. Und trotzdem: Hans Eberle kam zurück und sah seine Mannschaft mehr als glücklich siegen.

Die Ulmer spielten überlegen, hatten aber Pech. Die SDZ: „Bei einem der wenigen Gästeangriffe wehrte Jankowsky im Fallen einen Bombenschuss mit dem Fuß ab. Der Ball sprang im an die Hand. Elfmeter – und Speidel verwandelte zum 1:0.“ Die SSV-Elf resignierte nicht, stürmte mit allen Mann, schaffte aber nicht mehr den Ausgleich und kassierte vor rund 1000 Zuschauern die erste Saisonniederlage. Nicht nur das: Auch die Tabellenführung war verloren. Die Ulmer rutschten mit nun 4:2 Punkten auf den vierten Platz ab. Vorne drei weiterhin ungeschlagene Klubs: der FC Eislingen vor Germania Bieitgheim und Eberles VfR Heilbronn (alle 5:1 Zähler).

Die Bietigheimer sollten am Ende sogar noch absteigen, die Heilbronner Vierte werden. Der SSV Ulm als Aufsteiger verkaufte sich sehr gut und schloss die Saison als Tabellensechster ab – während die Spatzen den erhofften Wiederaufstieg verpassten.

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