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Knapp zwanzig Minuten vor Mitternacht war es, als für den Kickboxer Hamza Sivro von der Ulmer Kampfsportschule Zam-Zam der langersehnte Traum in Erfüllung ging. Nach fünf atemberaubenden Runden gegen seinen Kontrahenten Matas Miliunas vom TSV Langenau, in denen beide Kämpfer spektakuläre Schlagkombinationen zeigten, hob der Ringrichter den Arm des 19-Jährigen in die Höhe. Mit dem Triumph ergatterte sich der Bosnier den Europameisterschafts-Gürtel des Kickbox-Verbandes ISKA in der Gewichtsklasse bis 78 Kilogramm. „Es fällt mir schwer, das schon zu begreifen“, sagte Sivro kurz nach dem Kampf. Beim Blick auf den weißen Gürtel schimmerten seine Augen feucht.

Weiterer Titel für Zam-Zam

Sivros Triumph war der Höhepunkt eines spektakulären Kickbox-Abends auf dem Ulmer Kuhberg. Unter dem Motto „Aus der Region – für die Region“ bekamen die rund 1000 Zuschauer 14 Kämpfe talentierter Nachwuchs-Fighter aus Ulm und Umgebung zu sehen. Gekämpft wurde dabei nach den Regeln der K-1.

„Wir wollten in diesem Jahr vor allem den jüngeren Athleten eine Bühne geben“, erklärte Zahir Tahunic, der bei Zam-Zam als Cheftrainer für die Kickboxer zuständig ist.

Sein Plan ging auf: Dank der kurzen Anfahrtswege brachten viele Kämpfer Freunde und Familie mit – lautstarker Support in Form von Sprechchören und Anfeuerungsrufen war garantiert. Gerade beim Duell zwischen Onur Isleyen (Zam-Zam) und Florian Wiltschka (Mekong Gym Neu-Ulm) um die Deutsche Meisterschaft in der Gewichtsklasse bis 85 Kilogramm verwandelte sich die Kuhberghalle in einen Hexenkessel. Am Ende gewann Isleyen knapp nach Punkten. Doch der Deutsch-Türke war an diesem Abend nicht der Einzige, der sich die deutsche Kickbox-Krone aufsetzte. Auch Radenko Kristic aus Schwabmünchen ergatterte sich in der Gewichtsklasse bis 88 Kilogramm mit einem klaren Punktsieg gegen den Augsburger Bilal Langhans den deutschen Meistertitel.

Baldiges Comeback von Jemai?

Neben den Kämpfen im Ring sorgte der Showact von Mervana Tahunic und ihrer Taekwondo-Gruppe für einen aufregenden Einblick in die asiatische Kampfkunst. Dies war ein Grund mehr, warum ihr Vater Zahir  nach dem Abend vor Glück strahlte: „Ich bin hochzufrieden damit, wie alles abgelaufen ist“, so Tahunic, der alle Kämpfer der Zam-Zam Kampfschule betreute.

Hilfe bekam er dabei vom einstigen K-1-Weltmeister Kerim Jemai. Der 1,89-Meter-Hüne konnte bei dieser Fightnight wegen seines Jobs bei der Bundeswehr nicht selbst in den Ring steigen.  Doch dies könnte sich bereits nächstes Jahr wieder ändern: „Ich will endlich wieder selber kämpfen“, so Jemai, der das Hauptmatch der ersten Zam-Zam Fightnight im Jahr 2013 bestritt. Damals gewann er den Kampf um die Europameisterschaft – ein gutes Omen für den frischgebackenen Triumphator  Hamza Sivro.

Organisation und Regelwerk zugleich: K-1

Die japanische Kampfsportorganisation K-1 hat aus verschiedenen Kampfsport-Techniken ihr eigenes Regelwerk entwickelt. Durch den erlaubten Einsatz von Händen und Füßen sind die K-1-Regeln eine Abwandlung des Kickboxen und ähneln stark denen des Muay Thai.  Ein Kampf geht für gewöhnlich über fünf Runden. Tiefschläge sowie Schläge auf den Hinterkopf und Rücken sind nicht erlaubt. Ein Kämpfer gewinnt durch einen Knock­out, durch einen technischen Knock­out oder durch das Urteil der Kampfrichter.