Ulm / Amrei Groß

Neue Abteilungsleitung, neue Ziele: Nach knapp neun Monaten im Amt haben Nicole Schwab und ihr Team die Turbulenzen der vergangenen Saison längst überwunden und die Schwimmabteilung des SSV Ulm 1846 neu aufgestellt. Unter der Führung des neuen Cheftrainers Paul Kondratev sollen die Ulmer Schwimmer zu alter Stärke zurückkehren. „Wir wollen wieder oben mitschwimmen“, sagt Stefan Enderle, neuer Koordinator Verwaltung und Organisation im Ausschuss.

Die Ziele, die sich die neue Führungsmannschaft gesteckt hat, sind hoch: Bis zum Herbst soll die Zahl der Kaderschwimmer aus den Reihen des SSV von drei auf sechs steigen. Im Frühjahr findet ein Landes-Vielseitigkeitstest in Tübingen statt – wer hier gut abschneidet, hat beste Chancen. „Wir haben mindestens zwei Kandidaten, die hochgradig verdächtig sind, den Sprung zu schaffen“, sagt Schwab. Derzeit bereite sich der Nachwuchs mit speziellen Trainings darauf vor. Denn die Anforderungen, die der Test stellt, sind hoch: Neben Spitzenleistungen im Becken müssen die jungen Schwimmer unter anderem mit Athletik, Beweglichkeit, Kraft und Aus­dauer punkten.

Mehr Kaderschwimmer bedeuten für die Abteilung mehr Sichtbarkeit – und damit unmittelbar verbunden eine höhere Attraktivität des Leistungsstützpunkts Ulm. „Wir wollen ein Magnet sein für die Talente aus der Region“, sagt Schwab – und das dauerhaft. Zukünftig solle die Donaustadt nicht nur eine Notlösung für talentierte Schwimmer sein, sondern eine attraktive Alternative neben Städten wie dem Olympiastützpunkt Heidelberg, um Leistungssport und Studium, Ausbildung oder Beruf zu verbinden.

Sportbad dringend benötigt

Ohne die passende Infrastruktur freilich gehe dies nicht: „Wir brauchen dazu ein Sportbad“, betont Schwab auch in Richtung der Stadt. Das 1974 errichtete SSV­-Hallenbad sei nicht mehr in der Lage, die Anforderungen des modernen Schwimmsports zu erfüllen – unter anderem deshalb, weil es nicht über eine 50-Meter-Bahn verfügt. Auch die Wasserballer, die ebenfalls Teil der Schwimmabteilung sind, blieben auf der Strecke: In Ermangelung eines geeigneten Becken in Ulm (wir berichteten) müssten sie ihre Heimspiele in der Hallensaison derzeit im 50 Kilometer entfernten Heidenheim austragen. „Das ist schwierig fürs Training, aber auch schwierig für die Nachwuchsgewinnung“, findet Enderle.

„Langfristig ist es sehr, sehr schwierig, unter diesen Voraussetzungen auch mal groß zu denken“, sagt Schwab. Und noch etwas gibt die Abteilungsleiterin zu bedenken: Ein Sportbad-Neubau könnte den öffentlichen Badebetrieb in SSV- und Westbad entlasten, der derzeit unter den Einschränkungen durch Schulsport und Vereinsaktvitäten leidet. „Für mich ist das ein Thema, das ganz oben auf die Agenda gehört“, sagt Schwab. Sie sieht ebenso wie Enderle ein neues Sportbad eher in fünf als in zehn Jahren als wichtige „Voraussetzung für unseren nächsten großen Schritt“.

Leistungs- und Breitensport

Den ersten großen Schritt hat die neue Abteilungsleitung mit der Verpflichtung des neuen Cheftrainers Paul Kondratev gemacht. Der 57-Jährige A-Trainer, Diplom­Sportlehrer und Physiotherapeut übernahm zum 1. Oktober die sportliche Leitung des Vereins. Er kann in seiner Trainerkarriere auf allerlei Highlights zurückblicken – unter anderem den Gewinn der zweiten Bundesliga West, Gold-, Silber- und Bronzemedaillen bei europäischen Meisterschaften sowie die Entdeckung und Förderung der späteren deutschen Meisterin über 200 Meter Schmetterling, Lena Kalla.

In Ulm sieht Kondratev „leistungsstarke Schwimmmannschaften in allen Alterklassen“ – dies sei auch der Hauptgrund für seine Entscheidung gewesen, in die Donaustadt zu kommen, erklärte er im Interview für die vereinseigene SSV-Zeitschrift „Wir im Blick“. Die Notwendigkeit zum Spagat zwischen Leistungs- und Breitensport sieht er nicht: „Wir fördern beides.“

Gesundheitssport wird ausgebaut

Neustart Bislang lag die Sparte Gesundheitssport bei den Ulmer Schwimmern weitgehend brach. Dies soll sich nun ändern: Der neue Sportbeaufragte „Freizeitsport“ Eddi Schlosser will den Bereich neu beleben und ausbauen. Vor wenigen Tagen startete ein Aqua-Fitness-Kurs, weitere Angebote sollen folgen. 

Ziel Der Ausbau des Gesundheitssports passt bestens zum selbstgesteckten Ziel der neuen Abteilungsführung: „Leute unterschiedlichster Leistungsstufen sollen bei uns ein Zuhause finden“, sagt Ausschussmitglied Stefan Enderle. Ein Angebot im Bereich Gesundheitssport sei lange geplant gewesen.