Badminton Schach mit 300 km/h

Volle Konzentration für die schnellen Ballwechsel: Justin Geiger (links) und Moritz Miller im Training. Wenn die beiden ein Spiel verlieren, schieben sie Sonderschichten „wie bekloppt“, berichtet ihr Trainer Pit Geiger.
Volle Konzentration für die schnellen Ballwechsel: Justin Geiger (links) und Moritz Miller im Training. Wenn die beiden ein Spiel verlieren, schieben sie Sonderschichten „wie bekloppt“, berichtet ihr Trainer Pit Geiger. © Foto: Volkmar Könneke
Dornstadt / Dominik Guggemos 13.12.2018

Gemütlich auf der Straße Federball spielen – für viele eine Kindheitserinnerung. Badminton als Leistungssport läuft da ein bisschen anders ab. Wenn Moritz Miller und Justin Geiger von den SF Dornstadt hochspringen und den gefederten Ball gut treffen, erreicht dieser eine Geschwindigkeit von bis zu 200 Stundenkilometern. Und die beiden sind noch Teenager – Miller ist 14 Jahre alt, Geiger 15. Bei der Weltelite im Badminton werden sogar bis zu 400 Stundenkilometer gemessen. Nicht umsonst gibt es unter Spielern den Spruch: Badminton sei wie Schach im Formel-1-Tempo.

Miller und Geiger nehmen den Ball kaum mit der Hand auf. Das wäre zu einfach. Stattdessen wird er durch eine schnelle Bewegung mit dem Schläger angehoben und dann direkt geschlagen. Sie erinnern dabei an Fußballer, die mit dem Ball jonglieren und Tricks machen. Die beiden Teenager sind sehr talentiert. Miller steht auf der Südostdeutschen Rangliste (umfasst die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen) in seiner Altersklasse auf Platz eins im Doppel. Geiger kann bereits auf Platz drei im Südwesten und Platz neun bei der Südostdeutschen Meisterschaft zurückblicken, jeweils im Einzel.

Die beiden sind manchmal Rivalen (Geiger: „Wenn wir beide bei Bezirksturnieren spielen, sehen wir uns meistens im Finale“), in jedem Fall sind sie Freunde. In Dornstadt trainieren sie zweimal die Woche miteinander, dazu kommen ein bis zwei Trainingseinheiten in Söflingen. Je nachdem, wie es die Schule – beide gehen aufs Gymnasium – erlaubt.

„Das spielerische Talent von Justin war schon früh erkennbar“, erklärt sein Vater Pit Geiger, der zugleich auch Jugendtrainer bei den SF Dornstadt ist. Moritz Miller habe enormen Ehrgeiz, der positiv auf seinen Sohn abgefärbt habe. „Bei Niederlagen schieben die beiden Sonderschichten wie bekloppt“, erklärt Geiger.

Millers Ehrgeiz geht einher mit einem gesundem Selbstbewusstsein. Seine sportlichen Ziele: in der Württembergliga (die vierthöchste Klasse im Badminton) spielen. Mindestens. „Wenn ich so weitermache wie bisher, ist das auf jeden Fall machbar“, fügt er lapidar hinzu. Der 14-Jährige kommt beim Training kaum zur Ruhe. Er muss sich auspowern. Seinem Trainer stellt er viele W-Fragen, also warum, wie und wann sie etwas machen.

Seine Leidenschaft für Badminton begann, als er mit neun Jahren bei einem U-11-Turnier Dritter wurde. Da hatte er erst drei Monate Badminton gespielt.  Justin Geiger hatte „den Schläger seit der Geburt in der Hand“. Der Grund: sein Vater. Pit Geiger ist ein Badminton-Verrückter – und er hat seine Familie angesteckt. Sein jüngerer Bruder arbeitet als Trainer im Baden-Württembergischen Badmintonverband. Die achtjährige Tochter trainiert mit dem Bruder und dem Vater.

Geiger leitet seit vier Jahren das Jugendtraining in Dornstadt. Er ist dabei, mit zwei weiteren Betreuern, für rund 20 Kinder zuständig. Die Jüngste ist sieben Jahre alt. Der 47-Jährige, der bei einer Fensterbaufirma in Biberach arbeitet, geht sehr herzlich mit den Kids um, aber er kann auch streng sein. „Hab ich was von aufhören gesagt, oder was?“, sagt er laut, als er merkt, dass die Konzentration beim Stretching nachlässt. Die Badminton-Abteilung muss viel ehrenamtlich regeln, Förderungen vom Verband gibt es kaum.

Sechs Turniere über zwei Tage

Es gibt im Jahr zwölf große Turniere. Eines davon wird in Dornstadt ausgetragen. Für die anderen muss die Mannschaft zum Teil weit fahren. Die Eltern wechseln sich dabei ab. Sechs Turniere gehen über das gesamte Wochenende, was dann eine Übernachtung im Hotel nötig macht. Bisher konnte der Verein diese Kosten übernehmen, mit Einnahmen aus den Turnieren, die er selbst ausrichtet.

Durch einen Wasserschaden nach Starkregen im Mai konnten die Dornstadter das Turnier dieses Jahr nicht veranstalten – und auch nicht in ihrer Halle trainieren. Doch Geiger ist Pragmatiker: „Nächstes Jahr richten wir vier Turniere aus, um die verlorenen Einnahmen wieder reinzuholen.“

Mit viel Engagement haben es die Sportfreunde geschafft, die Mannschaftsstärke in den letzten Jahren zu halten und immer wieder junge Spieler für den Sport zu begeistern. Mit Justin Geiger und Moritz Miller habe man „jetzt mal Juwelen“, so der Trainer. Er legt allerdings Wert darauf, dass die beiden nur so gut sein können wie ihre Trainingspartner: „Nur wer im Training gefordert wird, kann sich weiterentwickeln.“

Fast jedes Kind hat Talent für Badminton

Der soziale Aspekt ist beim Badminton größer, als man es bei einer Einzelsportart vermuten würde. Pit Geiger, Trainer bei den SF Dornstadt, sagt: „Wenn wir mit 16 Spielern auf einem Turnier sind, feuern die älteren Spieler die jüngeren an der Seitenlinie an. Es entsteht eine enge Bindung zwischen den Jahrgängen.“ Das sei so im Mannschaftssport nur schwer möglich, weil dort nach Altersklassen getrennt wird. Wert legt er darauf, dass „fast jedes Kind Talent für Badminton“ habe. Besonders für Kinder, die Probleme haben, ruhig zu sitzen, sei Badminton wegen der hohen Geschwindigkeit eine geeignete Sportart. Geiger: „Kinder mit ADHS zum Beispiel sind sehr willkommen bei uns“.

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