Sport vor 50 Jahren Meister der Akrobatik

Starke Jungs im Leoparden-Look: Horst Maier, Theo Härle, Gerhard und Günter Hübner (v.li.), die frühen „Georgis“.
Starke Jungs im Leoparden-Look: Horst Maier, Theo Härle, Gerhard und Günter Hübner (v.li.), die frühen „Georgis“. © Foto: SWP-Archiv
Ulm / Wolfgang Scheerer 08.11.2018

Sie hießen Kunstkraftsportler und hatten ihren festen Platz im Sportteil der SÜDWEST PRESSE. Erstmals traten dort im September 1954 die neuen „Georgis“ in Erscheinung, muskulös und in Tarzan-Shorts.

Lang sollten sie das Publikum begeistern, über die Region hinaus. Noch Mitte November 1968 kämpften Horst Maier und die Brüder Gerhard und Günter Hübner in Gingen/Fils um den fünften deutschen Meistertitel.

Sie fielen auf und gefielen, trugen hohe Schnürstiefel wie die Boxer, hatten ähnlich kräftige Körper und in ihrem Fach die Hosen an: oft  kesse Shorts  in Leoparden-Dessin, geschneidert vom Ulmer Kürschnermeister Desselberger in der Olgastraße. Darin zeigten sie kurz und knapp ihre spektakulären Übungen.

Die „Georgis“ – der Name stammte von Georg Hübner, bis 1951 Chef einer Vorgängertruppe. Bereits seit 1927 waren „Drei Georgis“ in Aktion – Hübner, Eugen Fleck und August Hirsch. 1929 schloss sich Wilhelm Winkler der Gruppe an. Eugen Fleck wurde bald Profi und ging in die USA zu den berühmten „Valentas“-Hochseilartisten. „Schorsch“ Hübner blieb lieber bei der Bodenakrobatik. Um seine Söhne Gerhard und Günter baute er eine neue, junge Formation auf: Zuerst kam Horst Maier hinzu, Schwerathlet, Gewichtheber und wichtiger „Untermann“, der die oben Balancierenden sicher stützen und halten musste. Der württembergische Meistertitel des Trios 1953 war ein erster ermutigender Erfolg.

 Dann komplettierte der 19-jährige Theo Härle als ältester Athlet die Mannschaft, zu der später vorübergehend auch eine Frau zählte: Brigitte Schmidt-Weber.

Hübner senior hatte den begabten Baienfurter Turner Härle, der den kerzengeraden Handstand so perfekt beherrschte, nach Ulm gelotst und ihm auch gleich eine Lehrstelle besorgt. Theo Härle war bis 1960 dabei und widmete sich dann dem Reitsport. Von 1970 bis 2002 war der heute 73-Jährige Pfingstturnier-Leiter im Oberelchinger Klosterhof.

 Ihre größten Erfolge feierten die „Drei Georgis“ Horst Maier, Gerhard und Günter Hübner in den 60er Jahren. Bis 1978 aktiv, starteten sie 13 Mal bei Deutschen Meisterschaften und gewannen insgesamt fünf Titel. Nur die Zeit der nackten Oberkörper war längst passé. Sie trugen nun Hemden mit aufgenähntem „G“ und Faltenhosen. Im Februar 1977, 50 Jahre nach der Premiere der „Georgis“ um Hübner, Fleck und Hirsch, feierte die Kraftsportabteilung des SSV Ulm 1846 das Jubiläum ihrer „Stars“. Die Ulmer Hübner-Brüder und Maier, zeigten noch einmal ihr atemberaubendes Können, darunter den „Synchron-Fall“.

Bei der deutschen Meisterschaft in Gingen hatte die schwierigste Übung nur hinter dem Vorhang geklappt, auf der Bühne jedoch erst im zweiten Versuch. Zu spät für die Wertung. Im Jahr zuvor scheiterte die Titelverteidigung, weil Gerhard Hübner sich an der Achillessehne verletzt hatte. Nur zu Rang sechs reichte es in Gingen. Die „Drei Hapenos“, Vorjahrsmeister aus Hamburg, gewannen vor den „Drei Edis“, den „Drei Elmer Jungs“, den „Drei Siegfrieds“ und den „Drei Peheiros“. Aber die „Drei Georgis“ sollten so schnell nicht aufgeben.

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