Aus 14 700 Kilometern Entfernung haben Tim Nowak und Teamkollegen die Entwicklung der vergangenen beiden Wochen verfolgt. Der Zehnkämpfer des SSV Ulm 1846 war mit dem Bundeskader, zu dem aus Ulm auch Arthur Abele, Manuel Eitel, Mathias Brugger sowie Bundestrainer Christopher Hallmann zählen, in Stellenbosch, Südafrika. Über 30 Grad warm, hervorragendes Trainingsumfeld, vor Ort kaum Bedenken wegen des Coronavirus. Bis sich die Nachrichten aus Deutschland und Europa häuften.

Leichtathletikverband schließt Bundes- und Landesstützpunkte

„Wir haben alles verfolgt“, sagt Nowak. „Das hat uns dann schon Sorgen bereitet.“ Am Freitagabend wurde ein Team-Meeting einberufen, dann ging alles ziemlich schnell, zur Überraschung der Athleten. „Es hieß, wir nehmen den nächsten Flieger“, sagt Nowak. Der ging am Samstag um 18 Uhr. Mittlerweile ist der 24-Jährige zurück in Ulm.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat die Bundes- und Landesstützpunkte vorerst geschlossen, geplante Trainingslager wurden gestrichen. Ob die deutschen Spitzenathleten gegebenenfalls eine Sondergenehmigung fürs Training erhalten, ist offen.

SSV 46-Abteilungsleiter Wolfgang Beck reiste am Sonntag aus Portugal zurück

„Wir dürfen im Moment nichts tun“, sagt Wolfgang Beck. Auf den Abteilungsleiter der Ulmer Leichtathletik wartete am Montag ein Krisengespräch nach dem anderen. Vieles steht in der Diskussion: Welche Veranstaltungen sagt man ab? Was kann vielleicht in den Herbst verschoben werden, ohne dass sich zu diesem Zeitpunkt dann alles ballt? Wie kann das Trainingsniveau der Top-Athleten aufrecht erhalten werden? „Wir wissen nicht, ob und wie es weitergeht“, sagt er.

Beck kam selbst erst Sonntagnacht aus Portugal zurück nach Ulm. Dort war er mit Fynn Zenker, Florian Obst und Luca Dieckmann, den Ulmern Zehnkämpfer, die nicht zum Bundeskader zählen, in Monte Gordo im Trainingslager.

Ernüchterung macht sich breit

„Am Samstag wurde das Stadion zugemacht“, erzählt er. Schulen und Sportstätten wurden geschlossen, das öffentliche Leben kam in Portugal zum Erliegen. Für die Ulmer Truppe wäre es aber ohnehin das letzte Training gewesen, am nächsten Tag ging es für die vier noch planmäßig zurück nach Deutschland. „Es war ein Traumtrainingslager“, sagt Beck. Mit hervorragenden Bedingungen, von denen alle profitiert hätten. Durch die Folgen, die die Corona-Krise nach sich ziehen wird, macht sich aber auch bei Beck solangsam die Ernüchterung breit: „Im Prinzip war’s für die Katz’“.

Kein Olympischen Spielen wären „ein Schlag“ für Beck

Ähnlich sieht auch Tim Nowak die Situation: „Das Training lief bei uns allen sehr gut. Das macht es umso blöder, dass die Wettkämpfe nun wahrscheinlich abgesagt werden.“ Auf der Kippe stehen die Mehrkampf-Meetings im Mai, was Qualifikations-Möglichkeiten für die Olympischen Spiele wären. Ob es die überhaupt braucht, ist fraglich „Ich bin überzeugt, dass die Olympischen Spiele so nicht stattfinden werden“, sagt Nowak. Wolfgang Beck, der privat zu den Spielen fahren wollte und bereits Tickets hat, will an eine Absage noch nicht denken: „Das wäre ein Schlag für mich.“

Stabhochspringerin Stefanie Dauber und Läuferin Alina Reh noch in Südafrika

Leichtathletik Regionalameisterschaften Stabhochspringerin Stefanie Dauber legt in Ulm nach

Ulm

Die Ulmer Stabhochspringerin Stefanie Dauber und Läuferin Alina Reh aus Laichingen sind noch in Südafrika. Reh hat einen Flug, der am Dienstag über Dubai nach Düsseldorf gehen soll, ergattert. Dauber hofft, am Mittwoch in den Flieger steigen zu können. Ein früherer Versuch wurde gecancelt. Weil die 33-Jährige nicht zum Bundeskader der Stabhochspringerinnen gehört, musste sie die vorzeitige Abreise selbst organisieren.

„Die Athleten haben jetzt drei Tage Pause“, erklärt Abteilungsleiter und Trainer Beck den weiteren Ablauf: „Dann werden wir sehen.“ Etwas mehr Klarheit, darauf hofft er zumindest. Die Sportler hoffen es auch.

SSV Ulm 1846 sagt bis 19. April alles ab – Sportzentrum HaLo geschlossen


Der Verein teilt mit: „Als Sportverein mit fast 10.000 Mitgliedern und mehreren 1000 Personen im regelmäßigen Sportbetrieb sehen wir uns in der Pflicht, unserer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen und Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des COVID-19 Virus zu ergreifen.“ Der SSV Ulm 1846 hat damit auf die Empfehlung des Landessportbundes WLSB reagiert. Bereits am Freitag fiel deshalb im Verein die Entscheidung, den Trainings- und Sportbetrieb in allen Abteilungen (Kinder- und Jugendsport, Erwachsenensport und Vereinskursprogramm) bis einschließlich 19. April 2020 auszusetzen. Am Samstag folgte die Schließung des vereinseigenen Hallenbades, auch das HaLo hat seit Montag zu.