Golf Langenauerin Helen Schenk in der Bundesliga

Perfekte Haltung nach dem Abschlag, die Augen verfolgen die Flugbahn des Balls: Helen Schenk gilt im nationalen Golfsport als aufstrebendes Talent.
Perfekte Haltung nach dem Abschlag, die Augen verfolgen die Flugbahn des Balls: Helen Schenk gilt im nationalen Golfsport als aufstrebendes Talent. © Foto: Schenk
Langenau / Christian Kern 06.06.2018

Als sich Helen Schenk zum Abschlag bereit macht, herrscht auf dem Stuttgarter Golfplatz gespenstische Stille. Hochkonzentriert steht die 19-Jährige neben ihrem Golfball und schaut noch einmal in die Richtung, in die das Spielgerät gleich hinfliegen soll. Dann wenden sich ihre Augen vom anvisiertem Ziel ab und fokussieren sich voll und ganz auf die weiße Kugel auf dem Boden. Noch einmal geht sie den Schlagablauf mit einem Probeschwung durch. Danach holt sie nochmal tief Luft. Dann geht plötzlich alles ganz schnell. Schenk holt aus und schickt den Golfball mit einem kraftvollen Stoß auf eine weite Reise. Die Langenauerin schickt der Kugel noch einen prüfenden Blick hinterher, danach packt sie ihr Eisen zufrieden in die Tasche – endlich ist der Schlag vollendet.

Für die Teenagerin ist es, obwohl sie es schon unzählige Male gemacht hat, immer noch ein ganz besonderes Gefühl, den Golfball in die Luft zu katapultieren. „Beim Golfen hat man nie ausgelernt, man schlägt nie perfekt und trotzdem streben alle nach der Perfektion. Das fasziniert mich einfach“, erklärt Schenk. Doch nicht nur diese Faszination hat sie in Deutschlands höchste Spielklasse gebracht. Denn ihr Erfolg ist, wie der Schlag, das Produkt von harter Arbeit und einer konzentrierten Vorbereitung.

Ein Schotte als Mentor

Begonnen hat Schenk ihre Karriere auf Initiative ihrer Eltern im zarten Alter von sieben Jahren auf dem Golfplatz in Hochstatt bei Dischingen. Bereits bei den ersten Schlägen entdeckte sie ihre Leidenschaft für den Sport. Fortan verbrachte sie mit anderen Kindern viele Nachmittage auf dem Golfplatz, eine wirkliche Förderung bekam sie in ihren Anfangsjahren allerdings nicht.

Dies änderte sich im Jahr 2012 jedoch schlagartig. Dort stieß der schottische Trainer Bill Pringle zum Hochstatter Golf-Club. Der erfahrene Coach entdeckte sofort das Talent der damals 13-jährigen Helen und wollte dieses weiter fördern. Die beiden standen daraufhin unzählige Stunden gemeinsam auf den Golfplatz. Pringle nahm sich dabei viel Zeit für die Teenagerin und schulte sie in Sachen Technik und Spielverständnis. „Er hat mich wirklich mitgezogen“, schwärmt Helen Schenk heute noch von dem 60-Jährigen. Dank der akribischen Arbeit von Pringle wurde Schenk zum Aushängeschild der Hochstatter Jugend und spielte so gut, dass andere Vereine auf die Langenauer Schülerin aufmerksam wurden.

Dazu zählte auch der Stuttgarter Golf-Club Solitude. Im vergangenen Jahr kam der Verein auf Schenk zu und bot der Golferin einen Platz in ihrem Bundesliga-Team an. „Da habe ich mich natürlich geehrt gefühlt“, meint Schenk. Vor wenigen Wochen feierte die 19-Jährige im Stuttgarter Dress ihr langersehntes Bundesliga-Debüt. „Es war ein wunderschönes Gefühl, in der Liga zu spielen“, sagt  Schenk mit einem stolzen Lächeln auf den Lippen. Mit ihrer Leistung war sie an dem Spieltag war sie allerdings nicht vollends zufrieden: „Meine Runde war ordentlich, aber da ist noch Luft nach oben.“

In den kommenden Monaten will sie deswegen weiter an ihrem Spiel feilen. Dabei wird sie, neben ihrem Trainer Pringle, auch von ihren Teamkollegen unterstützt. „Sie stehen mir immer zur Seite und geben wertvolle Tipps“ berichtet Schenk. Ganz nebenbei will sie im Sommer auch ein Studium zur Landschaftsarchitektin beginnen. „Mein Traum ist es, später einmal Golfplätze zu entwerfen“, verrät die 19-Jährige. Bis es soweit ist, wird sie allerdings weiterhin selbst die Eisen als Bundesligaspielerin in die Hand nehmen. Ihre akribische Vorbereitung vor jedem Schlag wird Helen Schenk dabei nie ablegen: „Das ist eben meine Routine.“

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im Leistungssport erfolgreiche Mitglieder zählt die Familie Schenk aus Langenau: Helen als Golfspielerin, Bruder Henrik als Handballer der HSG Langenau/Elchingen und Vater Hartwig als ehemaliger Bundesliga-Handballer von Frisch Auf Göppingen und aktueller Coach der Langenauer.

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