Zehnkampf Interview mit WM-Starter Mathias Brugger: „Ich kann noch was herausquetschen“

Beim Zehnkampf Ende Mai in Götzis sicherte er sich das WM-Ticket: Mathias Brugger, 24, vom SSV Ulm 1846.
Beim Zehnkampf Ende Mai in Götzis sicherte er sich das WM-Ticket: Mathias Brugger, 24, vom SSV Ulm 1846. © Foto: dpa
ws 02.08.2017
Zehnkämpfer Mathias Brugger vom SSV 46 startet bei der WM in London, die am Freitag beginnt. Sein Ziel: Wieder an die Bestleistung von knapp 8300 Punkte herankommen.

An diesem Sonntag, wenn er den 25. Geburtstag feiert, wird Mathias Brugger vom SSV 46 die Weltmeisterschaft im Trainingslager der deutschen Leichtathleten in Kienbaum bei Berlin noch am Fernseher verfolgen. Tags darauf fliegt der Zehnkämpfer, der sich mit neuer Bestleistung von 8294 Punkten qualifiziert hat, dann selbst nach London. Zum Finale der WM sind die „Könige der Athleten“ gefordert. Im Interview spricht er über sein Ziel und das wichtige Team im Hintergrund.

Herr Brugger, was geht einem so unmittelbar vor seiner ersten Weltmeisterschaft durch den Kopf?
Mathias Brugger:
Es ist eine tolle Sache, Teil einer Weltmeisterschaft zu sein. Wirklich cool. Ich fühle mich geehrt, dass ich als Athlet in London dabei sein darf.

Bei der Hallen-WM 2016 waren Sie Dritter . . .
Draußen ist es noch mal was ganz anderes. Da kommt die komplette Elite. Und man kann sein Können in allen zehn Disziplinen zeigen, nicht nur in sieben.

Stimmt die Form für London?
Absolut! Auch wenn es ab und zu mal irgendwo zwickt: Ich bin top in Form. Nach meiner Bestleistung Ende Mai in Götzis habe ich ja auf den Zehnkampf in Ratingen verzichtet und noch einmal ordentlich trainieren können, zum Beispiel auch im Bundesleistungszentrum Kienbaum. Jetzt ist vor allem Erholung angesagt. Es geht darum, auf den Punkt fit zu sein. Ich habe da ein gutes Gefühl.

Ihr Klubkollege, Olympiateilnehmer Arthur Abele, hat sich in Ratingen verletzt und das WM-Ticket verpasst, für Sie war der Weg frei.
Es ist natürlich sehr schade für Arthur, weil er ungeheuer viel drauf hat. Ein entscheidender Punkt aus meiner Sicht war: Ich konnte schon sehr früh gezielt ins Training einsteigen, bereits vergangenen September, während Arthur nach Rio nicht in der körperlichen Verfassung dazu war und erst vier Monate später richtig loslegen konnte. Da hatte ich schon viel Grundlagenarbeit gemacht. Das hat sich ausgezahlt.

Sie waren schon zweimal bei einer EM dabei: 2012 in Helsinki mussten Sie nach sieben Disziplinen verletzt aufgeben, 2016 in Amsterdam wurden Sie mit 7886 Punkten Neunter. Draußen haben Sie bei einer großen Meisterschaft noch nicht so recht zeigen können, was Sie drauf haben.
Ja, ich hatte halt auch öfter mal Pech. Ich würde mich freuen, wenn ich in London einen drauflegen könnte. Zumindest will ich das Niveau von Götzis erreichen. Dann kann es letzten Endes auch auf eine gute Platzierung hinauslaufen, je nachdem, wie der Wettkampf sich entwickelt. Ich bin guter Dinge.

Der Hallenser Rico Freimuth ist mit der Weltjahresbestleistung von 8663 Zählern Medaillenkandidat, Kai Kazmirek von der LG Rhein-Wied mit 8478 ebenfalls stark einzuschätzen. Wie sehr motiviert das?
Ich muss sagen: Wir sind ein super Team, auch ein sehr lustiges. Wir kennen uns natürlich lange, verstehen uns aber auch prima. Das hat sich schon im ersten Trainingslager in Kienbaum bestätigt, als wir auch abends öfter mal zusammengesessen sind. Das gute Verhältnis ist auch für die WM wichtig.

Was ist für Sie möglich?
Ich habe in Götzis nicht alles zeigen können, was ich im Moment drauf habe. Jetzt kann ich noch einmal etwas herausquetschen.

Wo lässt sich noch quetschen?
Vor allem im Sprungbereich. Da war in Götzis, obwohl es insgesamt ein sehr guter Wettkampf war, noch etwas mehr drin. Im Weitsprung war der letzte Versuch, der sehr weit ging, zum Beispiel leicht übertreten. Im Hochsprung haben wir den Anlauf etwas umgestellt. Auch im Stabhochsprung ist mehr drin, da war ich bei großer Hitze schon nach der Einstiegshöhe groggy.

Ihr Ulmer Heimtrainer Christopher Hallmann ist in London quasi auf SSV 46-Initiative mit dabei. Wie wichtig ist das Umfeld für Sie?
Das ist mir sehr, sehr wichtig. Mein Trainer arbeitet so engagiert und professionell. Er ist ein großer Rückhalt. Außerdem bin ich ein sehr familiärer Mensch. Ich freue mich total, dass meine Freundin Maria und auch meine Mutter Ingrid mich im Stadion in London anfeuern werden. Das motiviert  enorm. Genau wie unser Vereinsprojekt „Der Weg nach Tokio“, das einen Olympiastart 2020 zum Ziel hat. Ohne diese Unterstützung würde es nicht funktionieren.

Auch Ihre Vereinskollegin Alina Reh startet bei der WM. Über 5000 Meter. Was trauen Sie ihr zu?
Ich freue mich für sie, werde den Vorlauf am Donnerstag in einer Woche auf jeden Fall verfolgen und hoffe, dass sie es ins Finale schafft. Das traue ich ihr absolut zu, denn auch sie ist in starker Form. Sie hat sich sehr gesteigert und einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Ulmer Duo im Aufgebot für London

Ein 72-köpfiges Team hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) für die 16. Weltmeisterschaften nominiert, die von Freitag an bis Sonntag, 13. August, im Londoner Olympiastadion von 2012 ausgetragen werden. Unter den 16 Baden-Württembergern ist neben dem Ulmer Zehnkämpfer Mathias Brugger auch 5000-Meter-Läuferin Alina Reh, 20, vom SSV­46. Für Alina Reh steht am Donnerstag, 10. August (19.30 Uhr/ZDF live) der Vorlauf auf dem Programm. Der Zehnkampf beginnt tags darauf am Freitag, 11. August (10 Uhr/ARD live).

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