Eistanz Die Winterspiele im Visier

Die Kür von Valentin Wunderlich und Ria Schwendinger bei der Junioren-WM war inspiriert von der Komödie „The Addams Family“.
Die Kür von Valentin Wunderlich und Ria Schwendinger bei der Junioren-WM war inspiriert von der Komödie „The Addams Family“. © Foto: Hella Höppner
Herzklopfen / Alexander Kern 30.03.2017
Valentin Wunderlich, Eistanz-Talent aus der Region, hat bei der Junioren-WM in Taipeh mit seiner Partnerin Ria Schwendinger den Sprung in die Top Ten geschaftt. Der 20-Jährige träumt von Olympia.

Adrenalin. Sein Körper steht unter Strom. Durchatmen. Konzentrieren. Es sind schließlich nur vier Minuten. Vier Minuten, die eine ganze Saison entscheiden. Valentin Wunderlich schnürt seine Schlittschuhe. Ab geht es aufs Eis. Mit einem dezenten Applaus empfangen die Zuschauer in der Taipei-Arena den 20-Jährigen aus Oberkirchberg und seine Partnerin Ria Schwendinger. In Taiwans Hauptstadt Taipeh laufen die Juniorenweltmeisterschaften im Eistanz. Fünf Sekunden Stille. Dann setzt die Musik ein und das Paar wirbelt übers Eis. Pirouetten, schnelle Schritte und synchrone Figuren begeistern das Publikum. Es gibt Zwischenbeifall. Zum Abschluss gleiten die beiden aufeinander zu, ihre Oberkörper berühren sich – geschafft. Elf Monate Training für diese Kür. Die Preisrichter belohnen das Paar mit dem zehnten Platz in der internationalen Elite.

Jeden Tag am Limit

Auch knapp zwei Wochen nach diesem Abend gerät Wunderlich ins Schwärmen, wenn er sich das Video des Auftrittes ansieht: „Die Atmos­phäre war überwältigend – das bisher schönste Erlebnis in meiner Karriere.“ Es war ein großer Schritt auf dem Weg zu seinem Traum: Einmal bei den Olympischen Winterspielen teilnehmen. Seit Wunderlich mit 15 Jahren Oberkirchberg verließ, um im „Eistanzmekka“ Oberstdorf Schule und Hobby zu verbinden, hat er die größte Bühne seines Sports im Visier. Mehr als 50 Stunden pro Woche steht er dafür mit seiner Partnerin auf dem Eis. „Abschalten am Wochenende gibt es bei uns nicht. Da wird noch länger trainiert“, sagt Ria Schwendinger, und Wunderlich ergänzt: „Wer im Profibereich tanzen will, muss jeden Tag ans Limit gehen.“

Das Teilziel „Profi“ hat der gebürtige Ulmer schon erreicht. Nach seinem Realschulabschluss schaffte er vor einem Jahr den Sprung in die Sportfördergruppe der Bundeswehr. Hier sind Athleten verschiedener Disziplinen als Sportsoldaten tätig und sollen Deutschland bei internationalen Wettkämpfen repräsentieren. Nur 744 Sportler werden aktuell von der Bundeswehr beschäftigt. Rund 30 Millionen Euro im Jahr gibt sie dafür aus. „Um in der Gruppe zu bleiben, muss ich bei den Turnieren in der Saison eine bestimmte Punktzahl erreichen“, erklärt Wunderlich, „solange ich das schaffe, arbeite ich bis zum Ende meiner Profi-­Laufbahn als Sportsoldat.“

Bleibt bei so vielen Ansprüchen und Trainingsstunden überhaupt Zeit für ein Privatleben? „Meistens“, lacht das Eistanz-­Talent. „Ich versuche, mir auch in den stressigen Phasen immer ein paar ruhige Momente freizuschaufeln.“ Gerade im April, dem einzigen freien Monat im Kalender, zieht es Wunderlich nach Oberkirchberg zu seiner Familie und zu seiner Freundin, die ein Dorf weiter wohnt. „Sie steht voll hinter meinen Karriereplänen – andernfalls wäre eine Beziehung wohl problematisch.“

Der Eistänzer genießt das Abschalten in der Heimat. Mit gutem Essen, viel Schlaf und der Lieblingsmusik auf den Ohren möchte er Kraft für die kommende Saison tanken. Ganz loslassen vom Sport kann Wunderlich allerdings nicht. Wenn er abends im Bett liegt und entspannende Lieder durch die Kopfhörer tönen, tauchen Bilder in seinem Kopf auf. Bilder von Olympia. „Der Traum ist für mich so nahe, weil ich mein Vorbild Alexander ­Gazsi 2013 zu den Winterspielen in Sotschi begleiten durfte“, erklärt Wunderlich.  „Er hat gesagt, dass auch ich es irgendwann schaffe, wenn ich mich weiterhin reinhänge.“ Diese Worte geben den nötigen Antrieb für den Trainingsauftakt im Mai. Die Küren sollen noch pfiffiger und ausgefeilter werden. Wunderlich: „Wir tanzen schließlich unsere letzte Saison bei den Junioren und wollen bei der WM 2018 in Sofia noch weiter nach vorne.“

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