Was macht heute eigentlich . . .? Das ist eine wirklich beliebte, oft neu aufgelegte Zeitungsrubrik, in der einstige Sportler, Politiker und Entertainer anderer Couleur porträtiert werden. Mitte und Ende Januar 1969 wurden auf den Sportseiten der SÜDWEST PRESSE gleich zwei Ex-Fußballer gewürdigt. Der eine ist heute noch eine Berühmtheit: Toni Turek, der „Held von Bern“, Torwart der Weltmeister-Elf von 1954. Der andere, 1947 und 1948 Mannschaftskollege Tureks bei der TSG Ulm 46,  ist höchstens Kennern ein Begriff:  Heinz Müller, damals junger Mittelstürmer.

Die Ulmer mit Spielern wie Günter Schoy, Hans „Ebo“ Eberle oder Bruno Baumeister traten in der Oberliga Süd an, waren also erstklassig. Und Turek, der Rückkehrer, stand zwischen den Pfosten. 1941 war er als Soldat in Ulm stationiert gewesen und schloss sich zunächst dem 1. SSV Ulm 1928 an. Nach dem Krieg bot sich die Gelegenheit, für die TSG 46 zu spielen, weil Stammtorhüter Helmut Henig zu Eintracht Frankfurt wechselte. In Ulm avancierte Turek zur deutschen Nummer eins – und blieb bei allem Erfolg bescheiden. Bei schriftlichen Autogrammwünschen zahlte er schon mal selbst das Rückporto. Nebenbei arbeitete Turek im Ulmer Gefängnis als Sportlehrer und führte die Toto-Lotto-Annahme im Kaufhof.

Am 18. Januar 1919 war er in Duisburg geboren worden.  Im Sportteil vor 50 Jahren wurde also sein 50. Geburtstag gefeiert – unter anderem mit einem großen Foto, das ihn neben seiner Ehefrau Wilhelmine „ganz privat bei der Küchenarbeit“ zeigt. Beide hatten in Ulm geheiratet, hier kam auch ihre Tochter zur Welt.

Als Heinz Müller 1947 in die erste Mannschaft der Spatzen kam, war er gerade 18 geworden – und der zehn Jahre ältere Turek schon ein Publikumsliebling. Während er immer bekannter wurde, waren Heinz Müllers Hoffnungen nur zweieinhalb Jahre später durch einen Meniskusschaden im Knie jäh vorbei. 1957 schließlich wanderte er aus, erst nach Kanada, dann nach Kalifornien in die USA. 1969 kam er auf Besuch zurück, schaute auch in der SWP-Sportredaktion vorbei und freute sich über die Mannschaftsfotos von damals: „Ja, das waren noch Zeiten!“

Tureks Karriere in der Nationalelf endete drei Monate nach dem „Wunder von Bern“. Nach einem Kurzgastspiel bei Borussia Mönchengladbach arbeitete er von 1957 an bei der Rheinbahn in Düsseldorf, die ihren prominentesten Angestellten 2009 mit einem eigenen Wagen ehrte. Turek ist bereits 1984 im Alter von 65 Jahren nach langer Krankheit an den Folgen eines Schlaganfalls verstorben. Fortuna Düsseldorf, wohin der Torwart 1950 aus Ulm kommend gewechselt war, nennt die Geschäftsstelle heute Toni-Turek-Haus. Seit 2014 erinnert im Stadion eine lebensgroße Bronzestatue an den Weltmeister. „Turek, du bist ein Teufelskerl! Turek, du bist ein Fußballgott!“ – Reporterlegende Herbert Zimmermann prägte das Echo seines größten Triumphes. Im Düsseldorfer Heimspiel am Sonntag gegen Leipzig trägt die Elf von Trainer Friedhelm Funkel ein Sondertrikot – Turek zu Ehren. Und als „unser Toni“ würdigt auf der Internetseite auch der SSV 46 Fußball die Torhüter-Legende.