Skicross Daniel Bohnacker startet ins Schneetraining

Endlich wieder Schnee unter den Brettern: Daniel Bohnacker startet nach langer Pause wegen einer Herzmuskelentzündung wieder durch.
Endlich wieder Schnee unter den Brettern: Daniel Bohnacker startet nach langer Pause wegen einer Herzmuskelentzündung wieder durch. © Foto: Imago
Westerheim / Manuela Harant 13.09.2017
Nach einer Herzmuskelentzündung und wochenlangen Untersuchungen hat Skicrosser Daniel Bohnacker von den Ärzten wieder grünes Licht fürs Training bekommen.

Dieses Mal ist es ein besonders befreiendes Gefühl für Daniel Bohnacker, erstmals in der neuen Wintersport-Saison wieder den Schnee unter den Skiern zu spüren. „Bei dieser ganzen Warterei die letzten Wochen habe ich schon gemerkt, wie wichtig mir dieser Sport ist“, sagt der nach wie vor beste Skicrosser im Team des Deutschen Ski-Verbandes.

Hinter dem Westerheimer liegen viele Wochen der Ungewissheit. Nach einer Herzmuskelentzündung waren sich die Ärzte lange nicht sicher, was dahintersteckt und erteilten dem 27-Jährigen Sportverbot, bis schwerwiegende Ursachen dafür ausgeschlossen werden konnten. Eine Herzmuskelentzündung kann als Folge einer Grippe auftreten, kann aber auch mit anderen Erkrankungen einhergehen. Daher war äußerste Vorsicht geboten, bis klar war, dass keine versteckte Krankheit übersehen wird.

Sechs Wochen Sportverbot

„Ich habe mir erst einmal gar keinen Kopf gemacht, mir ging es ja rein äußerlich gut. Aber die Ärzte haben recht unentspannt reagiert und mich extrem umfangreich untersucht. Diese Wochen wurden dann schon sehr lang für mich“, sagte Bohnacker, der insgesamt sechs Wochen lang keinen Leistungssport betreiben durfte. „Aber jetzt haben sie mir uneingeschränkt grünes Licht gegeben, und jetzt werde ich auch noch eine ordentliche Vorbereitung hinlegen.“

Hier hat der studierte Wirtschaftsingenieur zwar ausgerechnet vor dem Olympia-Winter noch Rückstand, aber Daniel Bohnacker wäre nicht Daniel Bohnacker, wenn er nicht selbst aus dieser Tatsache noch positive Energie ziehen würde: „Wer weiß, wofür es gut war.  Immerhin weiß ist jetzt bis ins letzte Detail, dass ich einhundertprozentig topfit bin. Und vielleicht bringt mich das sogar besser durch die Saison. Man sieht es erst an den Ergebnissen.“

Und die sollen am besten schon beim Saisonstart am 7. Dezember in Val Thorens für eine erfolgreiche Olympia-Qualifikation reichen. Dafür muss Bohn­acker einmal unter die besten Acht oder zweimal in den Top 16 landen. „Normalerweise ist das machbar für mich“, schätzt der Sportsoldat. Als einer der Ältesten im deutschen Skicross-Team kann Bohnacker zudem mit viel Erfahrung vielleicht einiges wettmachen, was ihm an Schnee-Kilometern fehlt. Schließlich waren die Mannschaftskollegen schon seit Mitte Juli auf den Gletschern dieser Welt unterwegs. „Wenn ich jetzt gesund bleibe, sollte ich dennoch unter den besten Vier in der Mannschaft rangieren“, sagt der Skicrosser mit dem Spitznamen „Bohne“.

Schließlich landete der Athlet des SC Gerhausen in bislang fünf von insgesamt acht Wintern im Skicross unter den Top Ten des Gesamtweltcups. Und vergangene Saison reichte es vor allem deshalb nur zu Rang 18, weil er wegen einer Sprunggelenksverletzung die halbe Saison pausieren musste. Danach aber präsentierte sich Bohnacker wieder bärenstark, landete viermal in den Top Ten und sogar einmal auf dem Podium. Mit Top-Ergebnissen aus dem Stand heraus kennt sich Daniel Bohnacker also aus. Und auf sein Herz kann sich der Weltcup-Skicrosser dabei jetzt erst recht verlassen.

Der Fahrplan bis Olympia 2018

Rund drei Monate haben die Skicrosser noch Zeit, bis der erste Weltcup im französischen Val Thorens den Saison­auftakt markiert. Von 7. bis 9. Dezember stehen die ersten beiden Wertungen des Winters an und damit zwei Chancen, sich für Pyeon­g­chang zu qualifizieren. Klappt es dort nicht mit einem Top-acht-Ergebnis oder zwei unter den besten 16, bieten sich bei den Weltcups in Arosa (Schweiz), Montafon (Österreich), Innichen, Idre (Schweden) und Nakiska (Kanada) bis 20. Januar weitere Möglichkeiten, die deutsche Norm zu knacken. Danach geht es in die Olympia-Vorbereitung, die Skicross-Entscheidung der Männer in Südkorea fällt am
21. Februar 2018.

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