Für die Aerobic-Sportlerinnen von der Donau sollte es der erste hochkarätige Vergleich des Jahres auf internationaler Bühne werden, doch am Ende der Wettkampf in einem fluchtartigen Aufbruch in die Heimat: Die Geschichte des SSV Ulm 1846 beim Wettkampf im französischen Aix Les Bains skizziert die Dynamik, mit der die Ausbreitung des Coronavirus den Wettkampfsport in ganz Europa lahmgelegt hat.

Mittwoch Es fing harmlos an. „Nach den ersten Corona-Fällen in Deutschland haben wir die Eltern unserer zwölf Aerobic-Turnerinnen gefragt, ob wir überhaupt nach Frankreich fahren sollen. Alle haben uns ihre Zustimmung gegeben“, erinnert sich SSV-Trainer Klaus Häberle. Allerdings stornierten sie ihre Zugfahrt und mieteten einen Bus. Ein glücklicher Umstand.

Donnerstag Schon die Anreise war besonders. „Wir sind in einem Stück durchgefahren, damit wir weder in der Schweiz noch in Österreich Kontakt zur Außenwelt hatten“, erklärte Häberle.

Freitag Vor Ort schien die Situation ruhig. Doch über Nacht zogen wegen der Corona-Angst bereits einige Teams zurück. „Am Ende war weniger als die Hälfte der Teams am Start“, so Häberle.

Samstag Nachdem Frankreich Veranstaltungen mit 100 oder mehr Teilnehmern verbot, versuchte der Organisator in Aix Les Bains händeringend, Teams, Betreuer und Zuschauer zu limitieren. Häberle: „Es war skurril: Man achtete peinlichst genau darauf, dass nie mehr als 99 Personen in der Halle waren.“

Der Wettkampf begann: Aus SSV-Sicht verlief dieser mit einem kompletten Medaillensatz im Trio (Bronze), Einzel (Silber) und Gruppe (Gold) der 12- bis 14-Jährigen tatsächlich sehr erfolgreich. „Am Abend haben wir uns gesagt: Morgen wiederholen wir das mit unseren 15- bis 17-Jährigen“, meint der SSV-Trainer.

Sonntag In der nächsten Nacht schließlich der Kollaps: Die Franzosen sagten alles ab, die Teams mussten am Sonntagmorgen ihre Zelte abbrechen. „Jetzt waren wir über unseren Bus froh und dass wir noch rechtzeitig über die Grenze kamen“, so Häberle. Andere Teilnehmer versuchten noch, ihre Zugtickets umzubuchen. Ob es gelang, entzieht sich der Erkenntnis des SSV 46.

Die Saison ist für die Ulmerinnen vorbei, ehe sie angefangen hat – auch für die designierten WM-Teilnehmerinnen Cosma Müller und Magdalena Schmid. „Bis zur WM Ende Mai in Baku wurde alles abgesagt. Ich gehe davon aus, dass sie dem Virus auch zum Opfer fällt“, schätzt Häberle. Für die aus ganz Deutschland zusammengesetzte Gruppe ist vorerst kein Training mehr möglich. Und nach der Heimreise aus Frankreich haben sich Häberle und die Turnerinnen nicht mehr gesehen.