Räumliche Distanz zu anderen Menschen ist das Gebot der Zeit, um Ansteckungen mit dem neuartigen Coronavirus zu vermeiden und zu verzögern. Doch gerade in dieser Phase von großem Stress ist sportlicher Ausgleich wichtig – auch, um körperlich und mental gesund zu bleiben. Doch was für Sport ist möglich, ohne das Ansteckungsrisiko zu erhöhen? Wir haben bei Professor Jürgen Steinacker, Leiter der Sportmedizin an der Uni-Klinik Ulm, nachgefragt.

Sport in Zeiten von Corona? – Auflagen des Gesundheitsamtes beachten

„Erkrankte müssen zuhause bleiben.“ Das ist eins der Prinzipien, die auch Mediziner Steinacker bestätigt. „Und Auflagen des Gesundheitsamts hat man zu befolgen, Punkt.“ Er erklärt, dass die Symptome der Krankheit Covid-19 oft mit Fieber und Husten beginnen: „Fieber ist in jedem Fall verdächtig, ebenso wie Husten, Halsweh und Abgeschlagenheit, Schnupfen eher nicht.“ Wenn man sich krank oder müde fühlt, sollte man sich zuhause isolieren und den Hausarzt informieren, aber nicht selbst in die Praxis kommen.

+ Dieser Sport ist nach Einschätzung des Ulmer Mediziners derzeit noch zu empfehlen: 

Laufen

Die Gefahr des Coronavirus sei „kein Grund zur Angst, sondern zur Vorsicht“, sagt der Mediziner Steinacker. Das bedeute, dass man mit diesem Risiko vernünftig umgehen müsse. Wie in allen Situationen ist es deshalb auch beim Sport wichtig, nach Möglichkeit mindestens zwei Meter Abstand zu anderen zu halten.

Radfahren

Das Coronavirus ist selbst eher kein Grund, nicht im Freien Rad zu fahren – vorausgesetzt, man tut das allein und mit Abstand zu anderen. „Alle Gesunden können und sollten auch das machen, was sie können.“ Es gilt allerdings das Risiko von Unfällen abzuwägen, weil medizinische Ressourcen gebraucht werden, um der Pandemie zu begegnen. 

Wandern

Auch beim Wandern gilt es, Distanz zu halten. Und auch Wandern kann dabei helfen, die eigene körperliche Abwehrfähigkeit zu erhalten. Das gilt auch für Kinder: „Die sollten mit den Eltern auch rausgehen, rein epidemologisch ist eine Virenübertragung im Freien unwahrscheinlicher als in geschlossenen Räumen“, sagt Steinacker. Allerdings sollten Kinder nicht in Gruppen spielen, weil sonst der beabsichtigte Effekt der Schließung der Schulen und Kindergärten konterkariert wird.

Ergometer

Für die Zeiten, in denen man zuhause bleibt und bleiben sollte, empfehlen sich Ergometer – seien es Laufbänder, Fahrradergometer oder Rudermaschinen, sagt Professor Steinacker.

Professor Dr. Jürgen Steinacker vom Uniklinikum Ulm.
© Foto: Matthias Kessler

Kraftübungen

Um auch wenn man in der eigenen Wohnung bleibt nicht ganz inaktiv zu sein, sind auch Kraftübungen möglich, für die es (fast) keine Gerätschaften braucht. „Gewichte sind dafür hilfreich, können aber notfalls auch mit Wasserflaschen ersetzt werden“, sagt Steinacker. Auch Thera-Bänder können einen zusätzlichen Widerstand für Bewegungen geben.

- Dieser Sport sollte nach Ansicht von Professor Steinacker in Zeiten von Corona auf keinen Fall betrieben werden:


Mannschaftssport

Fußball, Handball, Eishockey – all diese Sportarten haben, wie berichtet, auf dem professionellen und dem Breitensport-Level ohnehin den Spielbetrieb eingestellt. Denn es ist unmöglich, diese Sportarten auszuüben, ohne in engen Kontakt mit anderen Spielern und Akteuren zu kommen. Und weil dazu oft Menschen zusammenkommen, die sich ohne den Sport im Alltag nicht begegnen, könnten so auch noch neue Verbreitungsketten für das Virus entstehen, sagt Mediziner Steinacker.

Fitnessstudios

In den öffentlichen Fitnessstudios ist in der Praxis das Risiko für Ansteckungen nicht zu kalkulieren. Theoretisch wäre es zwar wohl möglich, Geräte zu desinfizieren, so Steinacker. Tatsächlich sei es aber kaum möglich, die Übersicht darüber zu behalten, dass alle Geräte adäquat gereinigt sind und sich Menschen nicht darüber hinaus zu nahe kommen, weshalb die Fitnessstudios im Zuge der Schließung von öffentlichen Einrichtungen ebenfalls geschlossen worden sind.

Kontaktsport

Auch Kontaktsportarten wie Judo, Ringen oder Boxen widersprechen an und für sich den Verhaltensregeln in einer Pandemie – und fallen daher aus.

Schonung ist auch nach der Erkrankung angesagt


Erholungsphase Auch für die Zeit nach einer überstandenen Influenza- oder Covid-19-Erkrankung gilt ein Sport-Verbot. Der Ulmer Sportmediziner Jürgen Steinacker sagt dazu: „Nach einer überstandenen Krankheit sollte man Anstrengungen ebenso lange vermeiden, wie die akute Krankheit gedauert hat.“

Pause Wer die Infektion überwunden hat, benötigt noch etwas Geduld. Das heißt nach Ansicht des Mediziners: Ungefähr fünf Tage lang gar kein Sport nach der überstandenen Erkankung – und dann frühestens ab dem siebten Tag wieder belasten.