Maik Szarszewski vom SC Vöhringen und Lucia Kupczyk vom BS Laichinger Alb sind zwei von vier Bogenschützen, die für Deutschland bei den Paralympics (7. bis 18. September) in Rio starten.  Beide sitzen mit Querschnittslähmung im Rollstuhl, beide haben ihren Sport zu ihrer Leidenschaft gemacht.

Unter anderem mit einem dritten Platz bei der EM hat sich Szarszewski für die Spiele in Brasilien qualifiziert. Das Training läuft seit April „ununterbrochen jeden Tag nach der Arbeit von 17 Uhr, bis ich die Scheibe nicht mehr sehe“, sagt der 44 Jahre alte Konstrukteur. Nur ab und zu gönne er sich einen freien Tag: „Wenn es richtig regnet und ich keinen Bock habe.“

Die 53-jährige Lucia Kupczyk tritt in der Klasse Damen Compound Open an, die Ziele stehen da in 50 Meter Entfernung. „Natürlich will ich gut sein“, sagt sie mit Blick auf Rio. „Wie weit es geht, weiß ich nicht.“ Aber sie halte es da gern mit den Schwaben, meint sie mit einem Augenzwinkern: „Ich habe für alles bezahlt, dann nehme ich alles mit…“ Aufregend seien schon die vergangenen Wochen gewesen mit der Einkleidung Mitte August, der Vorbereitung und anderen Terminen. Doch in Hektik bringen lässt sich die Laichingerin nicht. Bis Anfang der Woche kümmerte sie sich um die Hausarbeit und auch gestern Morgen wollte sie da noch einiges erledigen, ehe sie ihr Lebensgefährte Matthias Meudt zum Stuttgarter Flughafen brachte, von wo es für sie über Frankfurt nach Rio ging.

Für Maik Szarszewski sind es die zweiten Paralympics nach London 2012. Obwohl er schon damals sehr intensiv trainiert hat, sind seine sportlichen Ambitionen seither gestiegen. Schließlich hat er mit dem Bogenschießen erst 2010 angefangen, gut eineinhalb Jahre nach seinem schweren Unfall. Vor vier Jahren auf Rang 30 der Weltrangliste, ist er heute Siebter – für ihn aber keine Gewähr, beim paralympischen Turnier vorne zu landen: „Wenn ich in der K.o.-Runde früh auf einen guten Gegner treffe, kann es schnell vorbei sein“, meint der 44-Jährige.

Maik Szarszewski schießt mit einem Recurve-Bogen auf Ziele in 70 Meter Entfernung. In Rio ist er im Einzel am Start und im Mixed mit der Hamburgerin Jennifer Heß. Dass bis zur Eröffnung der Spiele noch eine Woche Zeit zur Eingewöhnung bleibt, ist für den Vöhringer Schützen wichtig. Denn er vermutet, dass es zwei Tage dauern wird, bis alle logistischen Dinge geklärt sind: Wie man wann zur Wettkampfstätte kommt und wieder weg, ob genügend Busse rollstuhltauglich sind und vieles mehr.

„Wir haben das Glück, dass wir diesmal neben dem Bundestrainer und dem Co-Trainer auch unseren Physiotherapeuten dabei haben“, sagt Maik Szarszewski. „Das sind zumindest schon mal drei Gehende“, die beispielsweise beim Tragen des Gepäcks mithelfen können. „Denn es ist schon immer ein Haufen Zeug, das wir dabei haben“, erklärte der Bogenschütze.

Vor vier Jahren auf London habe er sich allerdings mehr gefreut als jetzt auf Rio, „nach dem ganzen Vorgeplänkel und weil es dem Land richtig schlecht geht. Doch ich habe hart darauf hingearbeitet und werde das auch durchziehen“, sagt Maik Szarszewski. Und vielleicht wird es ja doch ein richtig schönes Erlebnis.