Baseball Baseballer des VfB Ulm steigen in die 1. Bundesliga auf

Spielender Abteilungsleiter: Florian Steinborn will es mit den Falcons wissen.
Spielender Abteilungsleiter: Florian Steinborn will es mit den Falcons wissen. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Manuela Harant 05.09.2017
Eher durch Zufall sind die Baseballer des VfB Ulm in Deutschlands höchste Spielklasse aufgestiegen. Doch jetzt packen die Falcons die Gelegenheit beim Schopf und wollen daran wachsen.

Wenn man eine große Chance im Leben bekommt, sollte man sie ergreifen, auch wenn es gewisse Risiken birgt. Das haben sich die Baseballer des VfB Ulm auch gedacht und zugegriffen, als es hieß: Freiwillig aufsteigen oder nicht? „Klar, wir wissen, dass der Sprung von der zweiten in die erste Liga enorm ist und wir womöglich sportlich keine Chance haben“, sagt Abteilungsleiter Florian Steinborn, „aber wir haben eigentlich nichts zu verlieren und die Rahmenbedinungen sind gut.“ Also sagten er und sein Team „Ja“.

Nachrücker der Nachrücker

Wie es allerdings dazu kam, dass die Ulmer den Durchmarsch von der Regionalliga in die höchste Spielklasse Deutschlands geschafft haben, war kurios: „Eigentlich wollten wir uns erst einmal in der neuen, sechsgleisigen Bundesliga etablieren und in ein paar Jahren schauen, was nach oben möglich ist“, berichtet Steinborn, der auch selbst noch Spieler aktiv ist.

Dann aber erfuhren die Ulmer als Tabellenvierter kurz vor Saisonende, dass sie die Playoffs gegen die Gauting Indians aus der Südost-Staffel spielen könnten. Hintergrund: Meister Neuenburg Atomics und Vize Tübingen Hawks verzichteten auf den Aufstieg und Stuttgart II durfte als Reservemannschaft nicht. „Wir haben uns eigentlich nur auf ein paar Extra-Spiele vor großer Kulisse gefreut“, so Steinborn. Doch dann sagte auch Gauting ab und Ulm war plötzlich Aufsteiger. „Jetzt packen wir es an“, sagt der Falcons-Chef voller Tatendrang.

Und den braucht er auch, denn jetzt ist einiges zu tun: Das Spielfeld muss leicht modifiziert, der Kader verbreitert, neue Sponsoren gewonnen werden. „Und wir erhoffen uns natürlich etwas Unterstützung von der Stadt, schließlich sind wir der einzige Bundesligist neben den Ratiopharm-Basketballern“, will Steinborn einen blau-weißen Farbtupfer in die vom Ratiopharm-Orange dominierte Stadt bringen. Die größte Aufgabe wird jedoch die Kaderzusammenstellung sein: „Wir werden natürlich bei unserem Konzept bleiben und unsere Eigengewächse vorrangig spielen lassen. Aber wir brauchen jetzt natürlich schon ein paar Kracher aus dem Ausland, damit wir überhaupt eine Chance haben“, erklärt der 27-Jährige.

Spiele dauern länger

Daneben könnten einige Ex-Ulmer zurückkehren, die bei den benachbarten Erstligisten in Stuttgart, Mannheim und Heidenheim nicht so zum Zug gekommen sind, wie erhofft. „Bei uns bekommt man sicher jede Menge Einsatzzeiten“, verspricht Steinborn. Das liegt auch daran, dass in der Bundesliga pro Spieltag zwei Partien über die volle Distanz von neun Innings gehen, während in der zweiten Liga je eine Partie auf sieben Spielabschnitte verkürzt war.

Generell sei das finanzielle Risiko überschaubar, meint Steinborn, denn auch die 1. Bundesliga teilt sich in Süd- und Nordstaffel auf. Die weitesten Reisen führen nach Regensburg und Mainz. Für die Entwicklung des „Drumherum“ im Ulmer Baseball eröffnen sich dagegen neue Möglichkeiten, argumentiert der 27-Jährige: „Egal, wie wir abschneiden, unsere Spieler werden viel daraus lernen. Und wir wollen die Öffentlichkeit noch mehr für unseren Sport begeistern“, sagt der der Vertriebsexperte bei einem Neu-Ulmer IT-Unternehmen. Daneben treiben die Falcons die Zusammenarbeit mit den anderen amerikanischen Sportarten Basketball, American Football und Eishockey voran.

Und dann gibt es da noch einen Traum, den die Falcons jetzt wieder zu träumen wagen: „Ein kleines Vereinsheim in der Nähe des Feldes wäre toll“, sagt Florian Steinborn. Wie schnell Träume Wirklichkeit werden können, das haben sie ja gesehen.

Baden-Württemberg gewinnt Länderpokal

Dass die VfB Ulm Falcons große Sportereignisse stemmen können, haben sie am vergangenen Wochenende gezeigt. Da waren die Baseballer Gastgeber des Deutschen Jugend-Länderpokals. Dabei traten die besten Auswahlmannschaften Deutschlands an zwei Tagen gegeneinander an. Samstag und Sonntag kamen jeweils mehr als 250 Zuschauer auf die Anlage im Paffenhau. Und der Heimvorteil beflügelte die Baden-Württemberg-Auswahl: Souverän gewann das Landesteam, das vor allem aus Stuttgarter, Mannheimer und Heidenheimer Spielern bestand, gegen Nordrhein-Westfalen das Finale mit 17:7.

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