Sport vor 50 Jahren August 1968: Hochwasser statt Hitzewelle

Für die EM qualifiziert: Gudrun Vetter vom URCD.
Für die EM qualifiziert: Gudrun Vetter vom URCD. © Foto: Archiv
Ulm / Wolfgang Scheerer 22.08.2018

Niedrigwasser, Luft schnappende Fische, Hitzewelle. Das ist der August 2018. Und vor 50 Jahren? Regen und: Hochwasser. Die deutschen Ruder-Meisterschaften in Heilbronn fielen „ins Wasser“, wie die SÜDWEST PRESSE meldete. Auf dem Neckar war es zu gefährlich, die Strömung zu stark für die Titelkämpfe. Kurzfristig musste reagiert werden.

Der Tross wurde umdirigiert nach Duisburg. „So niederschmetternd der Eindruck in Heilbronn gewesen war, so sehr versöhnte nach der schnellen Verlegung der Gesamteindruck auf dem Bertasee in Duisburg-Wedau“, schrieb die SWP.  Und: „Mit ganz außergewöhnlichen Erfolgen kehrte Dr. Steinles Aufgebot vom Ulmer RC Donau zurück.“ Bei Dr. Steinle handelte es sich um Heinrich Steinle, den URCD-Trainer. Gleich drei DM-Siege brachten seine Sportlerinnen und Sportler zurück an die Donau. Die drei Steinle-Töchter Ute, Gisela und Ingrid zählten zu den Gewinnerinnen. „Es begann gleich im ersten Wettbewerb, als die drei Schwestern zusammen mit Eva-Maria Maier-Heuser sowie Renate Kopp am Steuer den ,Schönheitswettbewerb‘ – sprich Stilrudern – im Doppelvierer gewannen und damit den Tübinger RV als letztjährigen deutschen Meister ablösten“, hieß es auf der Sportseite am 12. August. „Die Ulmerinnen, die bereits als leichte Favoritinnen galten, bestachen mit ihrer eleganten,  harmonischen Wasserarbeit.“

Einen weiteren Sieg für den URDC gab es durch Gudrun Vetter. Sie setzte sich zusammen mit drei Lübeckerinnen im Doppelvierer mit Steuerfrau durch.

Gudrun Vetter, die bereits beim Länderkampf in Amsterdam international auf sich aufmerksam gemacht hatte, qualifizierte sich mit dem Boot für die EM.

Der dritte große Erfolg: Mit einem Start-Ziel-Sieg holten sich Werner Spies, Albert Falschebner, Bernd Heim und Krafft-Otto Steinle den Titel im Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann. Fazit der SWP: „Drei Ulmer Meistertitel, das ist ein Beweis für die ausgezeichnete Arbeit unter dem Idealisten Dr. Steinle.“

 Mit viel Engagement dabei waren sie alle – gerade auch Gudrun Vetter, wie die „Clubmitteilungen“ von damals zeigen: Da gab es das Damenturnen in der Halle der Martin-Schaffner-Schule in der  Frauenstraße. Und der wohl gemeinte Hinweis im Vereinsblatt lautete: „Das Turnen leitet Fräulein Gudrun Vetter. Wir bitten um möglichst rege Teilnahme unserer Damen und Mädchen.“ Bei Hoch- oder Niedrigwassser – ganz egal!

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