Ulmer Leichtathleten haben unzählige Erfolge gefeiert. Und die Ulmer Leichtathletik hat sich unter anderem profiliert mit der Organisation zahlreicher deutscher Meisterschaften und Landestitelkämpfe. Wenige haben an diesem Gesamtpaket mit Schleife einen so großen Anteil wie Elle Freudenberger. Heute feiert sie ihren 90. Geburtstag. Dass es aus diesem Anlass am späten Vormittag im VIP-Raum des SSV 46 im Donaustadion einen Empfang gibt, ist eine Selbstverständlichkeit.

Bis vor wenigen Monaten war es ebenso selbstverständlich, dass sich Elle Freundenberger tagtäglich mit den Kolleginnen und Kollegen ums Vereinstraining kümmerte und Wettkämpfe vorbereitete. Weil die Gesundheit nicht mehr hundertprozentig mitspielt, musste sie im Januar nicht eben leichten Herzens aufhören.

Sport prägt ihr Leben, und sie prägte Generationen von Talenten. „Elle ist eine Pionierin der Leichtathletik“, sagt Abteilungsleiter Wolfgang Beck mit hörbarer Bewunderung über seine Amtsvorgängerin. „Ohne sie hätten wir vieles, was wir geschafft haben, nicht erreicht.“

Wenn Elle Freudenberger allerdings eines nicht sein will, dann ein „VIP“. Trotzdem hat sie 2001 das Bundesverdienstkreuz erhalten, ist vom Württembergischen Leichtathletik-Verband (WLV) und von ihrem SSV 46, dem sie inzwischen 83 Jahre angehört, zum Ehrenmitglied ernannt worden. Sie wurde mit dem Carl-Diem-Schild des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ausgezeichnet, engagierte sich unter anderem auch als Frauenwartin und Vizepräsidentin im WLV, Sie ist eine schwäbische Schafferin, die etwas bewegte und andere zu etwas bewegte.

Und sie lief voran. Von 1946 an eiferte sie zunächst ihrem (vor fünf Jahren verstorbenen) Bruder Kurt nach, dem bekannten Mittelstreckler, und brachte es nach und nach selbst auf viele Erfolge. Allein 32 Landestitel im Sprint, im Mehrkampf und im Waldlauf sind darunter. Dabei war Elle Freudenberger auch sportliche Vorkämpferin: Sie widerlegte mit der ihr eigenen Beharrlichkeit die damals eisern vertretene, längst belächelte Überzeugung von Ärzten, 800 und 1500 Meter seien zu belastend für einen Frauenkörper. Die Strecken tauchten deshalb nicht im Wettkampfprogramm auf.

„Wir sind Elle für so vieles dankbar“, sagt Wolfgang Beck. „Die Leichtathletik bei uns im Verein ist ihr großes Lebenswerk.“ Der damalige Oberbürgermeister Ivo Gönner brachte es bei einer früheren Gelegenheit auf einen ebenso einfachen wie treffenden Nenner: „Elle, wenn es Sie nicht gäbe, man müsste Sie erfinden!“